Zusammenfassung:
Durch Voll- oder Teilbäder unter zusätzlicher Verwendung galvanischen Stromes (=Gleichstrom), können die Hautgefäße erweitert und Schmerzen gelindert werden.
Hydrogalvanische Bäder kombinieren die Wirkungen der Hydrotherapie - im Besonderen der hydrostatischen und thermischen Effekte - mit den Wirkungen des galvanischen Stromes. Durch den Auftrieb werden Körper und Gelenke entlastet, die Muskeln und Nerven können sich entspannen, Wasserwärme und galvanischer Strom bewirken eine bessere Durchblutung und Schmerzlinderung.
Hydrogalvanische Bäder werden zur Ergänzung physikalischer Therapiekonzepte bei Bewegungseinschränkungen und Schmerzzuständen des Bewegungsapparates eingesetzt.
Hydrogalvanisches Vollbad (Stangerbad) |
| Das Hydrogalvanische Vollbad kommt zum Einsatz bei Schmerzen aller Art, und wenn Wärmetherapie angezeigt und auch vertragen wird. Zum Beispiel bei durch Nervenerkrankungen hervorgerufenen Lähmungserscheinungen, multipler Sklerose oder Erkrankungen der Wirbelsäule, wie beispielsweise Morbus Bechterew oder Abnützungserscheinungen der Wirbelgelenke. Hydrogalvanische Vollbäder können auch bei rheumatoider Arthritis eingesetzt werden oder wenn schon sehr viele Gelenke des Körpers degenerative Veränderungen aufweisen. Eine isolierte Wanne wird dabei mit 36 bis 38 Grad Celsius warmem Wasser gefüllt. Um eine bequeme Haltung zu ermöglichen, sollte diese mit Rückenlehne, Halskrause und Fußstützen ausgestattet sein. An den Wannenkopfenden sind Elektroden befestigt, über die der Strom zugeleitet wird. Beim so genannten Stangerbad sind über die gesamte Innenfläche der Wanne Elektroden verteilt, die je nach Erkrankung und Therapieziel zu- und weggeschaltet werden. Die gewünschte Durchströmungsrichtung der betreffenden Körperabschnitte oder des ganzen Körpers kann durch Vertauschung der Plus- und Minuspole der Elektroden erfolgen. Zusätzlich können noch bewegliche Elektroden von oben angebracht werden oder der elektrischer Strom mit einer Unterwasserstrahldusche zugeleitet werden. Ein Bad dauert zirka 15 bis 20 Minuten. Falls die Wärme gut vertragen wird, können im Anschluss an das Bad Wärmepackungen mit Fango oder Moor durchgeführt werden. Zu beachten ist, das pro Tag nur ein hydrogalvanisches Bad empfohlen ist. Besonders älteren Menschen kann ansonsten eine Überlastung des Herz-Kreislaufsystems drohen. Allergische Hautreaktionen infolge der Stromdurchflutung sind sehr selten. Bei häufiger Anwendung sollte einem Austrocknen der Haut mit Fettcreme vorgebeugt werden. |
Hydrogalvanisches Teilbad (Zellenbad) |
| Sollen nur die Extremitäten und nicht der gesamte Körper behandelt werden, können so genannte Zellenbäder zur Anwendung kommen. Dabei werden Unterarme und Unterschenkel in je einer eigenen Teilwanne in lauwarmes Wasser getaucht. Mit Hilfe eines Steuergerätes lässt sich jede mit Wasser gefüllte und mit einer Elektrode bestückte "Zelle" entweder als Minus- oder als Pluspol schalten. Je nach beabsichtigter Wirkungsweise können entweder nur einzelne Zellen oder alle vier gleichzeitig angeschlossen werden. Das Zellenbad bietet gegenüber dem Vollbad den Vorteil, dass die Wirkung des galvanischen Stromes exakter dosiert werden kann und dass sich der Patient nicht weiter auszuziehen braucht. Zellenbäder können zweimal täglich angewendet werden. Die Badedauer beträgt 20 Minuten. Bei Nervenerkrankungen können schon nach acht bis zehn Anwendungen Behandlungserfolge erzielt werden. |
| Letzte Aktualisierung: 14.03.2007 (Patricia Herzberger) |
| Autor: Reka Hargitay |
| Experten für diese Seite: Univ. Prof. Dr. med. Michael Quittan (Physikalische Medizin) |
Quelle: surfmed; 13.09.2005, aktualisiert am 27.06.2010
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