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Hornhauttransplantation

Zusammenfassung:
Die Hornhauttransplantation ist eine der häufigsten Transplantationen in der Medizin und wird als Therapie bei Hornhautentzündungen, Hornhautgeschwür und Hornhautvorwölbungen (Keratokonus) durchgeführt. Schwere Verletzungen der Hornhaut (Augenverletzungen) mit anschließenden Vernarbungen sind ebenso eine Indikation für die Operation.
Jede Veränderung der Transparenz der Hornhaut führt zu einer Verschlechterung des Sehvermögens. Sind einmal Eintrübungen vorhanden, bilden sie sich in der Regel nicht mehr zurück. Es hilft nur noch der Austausch gegen eine gesunde, klare Hornhaut.
In Deutschland werden jährlich etwa 3000 bis 4000 Hornhauttransplantationen durchgeführt. Tausende von Menschen warten trotzdem auf den Ersatz für ihre erkrankte Hornhaut, weil der Bedarf etwa doppelt so hoch ist. In Österreich werden mehr als 600 Hornhäute transplantiert. Die Koordination von Empfänger- und Spendereigenschaften übernimmt die Hornhautbank.
Überblick: Spenderhornhaut, Operationstechnik, Heilungschancen.



Spenderhornhaut

Menschen zwischen zehn und 80 Jahren sind als potenzielle Organspender geeignet, solange die Hornhaut intakt ist. Bis zu 76 Stunden nach dem Tod kann sie entnommen und in die Hornhautbank gebracht werden. Dort wird sie präpariert und in eine Nährlösung gegeben. Zudem wird eine genaue Untersuchung und Kategorisierung vorgenommen: Um einer Immunreaktion auf das fremde Gewebe vorzubeugen, wird das Spendergewebe sorgfältig analysiert und nur solches für die Transplantation verwendet, das den körpereigenen Gewebeeigenschaften des Empfängers am ehesten entspricht.
Mikrobiologische Tests und Untersuchungen des Spenderbluts verhindern, dass Krankheiten auf den Empfänger übertragen werden können. Antibiotische Stoffe in der Nährlösung halten zudem die Spenderhornhaut frei von krankheitserregenden Keimen. Bei 37°C kann so das Spenderorgan vier bis sechs Wochen aufbewahrt werden. Vor der Transplantation muss die gespendete Hornhaut in eine dem Auge besser angepasste Nährlösung gelegt werden, damit überschüssiges Wasser aus der zuvor aufgequollenen Haut entweicht.
Der Operateur kann unter verschiedenen Nahtführungen wählen: die einfach fortlaufende Naht (zickzackförmig), die doppelläufige, fortlaufende Naht (Kreuzstichtechnik) oder Einzelknopfnähte (jede radial gesetzte Verbindung wird extra verknüpft).
Die hauchdünnen Fäden werden frühestens zwölf Monate nach der Operation vollständig entfernt.

Operationstechnik

Perforierende Keratoplastik
Bei der perforierenden Keratoplastik wird ein zentraler Teil der Hornhaut mit einem so genannten Trepan, das ist ein Rundmesser, herausgestanzt. In die entstandene Lücke wird ein gering größeres Stück klare, gesunde Spenderhornhaut eingenäht. Das Aufnähen der transplantierten Hornhautscheibe wird unter dem Operationsmikroskop so exakt durchgeführt, dass das Auge flüssigkeitsdicht verschlossen ist und die Hornhaut eine regelmäßige Wölbung aufweist.

Lamelläre Keratoplastik
Bei der lamellären Keratoplastik werden lediglich die oberflächlichen Schichten der Hornhaut ersetzt. Da das Endothel des Empfängers erhalten bleibt, sind weniger Probleme mit der Abstoßungsreaktion des Körpers zu befürchten. Diese technisch schwierige Art der Operation wird relativ selten eingesetzt: Indikationen sind Vorwölbungen der Hornhaut (Keratoglobus) und oberflächlich gelegene Narben. An der Grenzfläche zwischen Spender- und Empfängerlamelle können Narben entstehen.

Die Wahl der Betäubung
Ob die Operation in Vollnarkose oder unter örtlicher Betäubung vorgenommen wird, hängt vom jeweiligen Betroffenen ab. Wenn er eher unruhig ist und nicht lange genug ruhig auf dem Rücken liegen kann, ist die Vollnarkose vorzuziehen. Auch wenn eine akute Entzündung besteht, ist die Vollnarkose günstiger, weil andernfalls auf Grund der Entzündung trotz der Lokalanästhesie Schmerzen entstehen könnten.

Risiken und Komplikationen
Die Erfolgsrate bei beiden Varianten der Hornhauttransplantation ist im Normalfall sehr hoch und liegt über 90 Prozent. Die Operierten haben eine gute Chance, die durch Eintrübung der Hornhaut eingeschränkte Sicht durch eine klare und transparente Hornhaut wieder zu verbessern.
Die Komplikationsrate durch Infektionen nach der Operation liegt unter drei Prozent. Wenn keine Entzündung vorlag, heilt das Hornhauttransplantat ohne Schmerzen ein. Die größte Komplikation bei der Hornhautchirurgie stellt die Immunreaktion des Körpers dar. Im Frühstadium der Abstoßungsreaktion kann eine immunsuppressive Behandlung das Transplantat transparent erhalten. Als Mittel der Wahl zur Unterdrückung der Immunabwehr und zur Behandlung einer Abstoßungsreaktion gilt das Immunsuppressivum Ciclosporin A.

Heilungschancen

Je nach Ausgangsdiagnose ist die Prognose unterschiedlich. Es können Abstoßungsreaktionen und oberflächliche Veränderungen der Hornhaut auftreten. In besonders schwierigen Fällen stehen die Chancen auf eine Heilung 60 zu 40. Aber auch eine einmal fehlgeschlagene Transplantation schließt einen weiteren Versuch nicht aus.
Ob eine Immunabwehr-Reaktion vorkommt, hängt vom Zustand der kranken Hornhaut vor der Operation ab. War sie bereits auf Grund einer Herpes-Infektion oder einer Verätzung der Hornhaut mit krankhaften Gefäßen durchwachsen, ist die Wahrscheinlichkeit einer Abstoßungsreaktion hoch. Wenn keine neugebildeten Blutgefäße vorhanden sind, bleibt das Transplantat der Immunabwehr verborgen, weil die Abwehrzellen im Blut, die die transplantierten Zellen als fremd erkennen könnten, die Spenderhornhaut nicht erreichen können. Als Mittel der Wahl zur Unterdrückung der Immunabwehr und zur Behandlung einer Abstoßungsreaktion gilt das Immunsuppressivum Ciclosporin A.

Nach der Operation
War das Auge vor der Operation entzündet, kann es auch während des Heilungsprozesses noch schmerzen. Eine entsprechende Schmerzbehandlung nach der Operation kann Abhilfe schaffen.
Besonders wichtig bei der Keratoplastik ist die Nachbehandlung. Der Erfolg der Operation liegt nicht nur in der Kunst des Operateurs, sondern auch in einer sorgfältigen Beobachtung des betroffenen Auges nach dem Eingriff. Es gilt, mögliche Abstoßungsreaktionen möglichst frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.
Jede vermeintliche Bindehautentzündung oder jedes Fremdkörpergefühl in einem Auge mit Keratoplastik sollte wegen der Möglichkeit einer Immunreaktion noch binnen eines Tages von einem Augenarzt untersucht werden. Die Immunreaktion ist an Trübungen und Verdickung der Hornhaut und an der Schwellung der Endothelzellen und der Anreicherung von Niederschlägen an der Rückseite der Hornhaut bei der Untersuchung mit der Spaltlampe erkennbar.
 

Letzte Aktualisierung:
14.03.2007 (Inge Smolek)
Autor:
Inge Smolek
Experten für diese Seite:
Univ. Prof. Dr. med. Gerhard Schuhmann (Augenheilkunde)
Univ. Prof. Dr. med. Andreas Wedrich (Augenheilkunde)

Diese Informationen können den Besuch beim Arzt nicht ersetzen, sondern können Ihnen helfen, sich auf das Gespräch mit dem Arzt vorzubereiten. Eine Diagnose und die individuell richtige Behandlung kann nur im persönlichen Gespräch zwischen Arzt und Patient festgelegt werden.


Quelle: surfmed; 13.09.2005, aktualisiert am 27.06.2010

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