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Herztransplantation

Zusammenfassung:
Bei einer Herztransplantation wird das erkrankte Organ gegen ein Spenderherz ausgetauscht. Dieses Operationsverfahren wurde 1967 erstmals durchgeführt und hat seit den 80er Jahren große Fortschritte gemacht, vor allem was die Behandlung der Komplikationen durch die körpereigenen Abstoßungsreaktionen betrifft. Jährlich werden weltweit 2500 Herzen verpflanzt. Nicht jedes Herz lässt sich verpflanzen, der Erkrankte muss auf ein gesundes Spenderorgan warten, wobei Blutgruppe, Gewicht und Körpergröße passen müssen. Dafür gibt es eigens eingerichtete Wartelisten, die von einer Organisation zur gerechten Verteilung von Organspenden betreut wird. Kunstherzen werden zur Zeit nur eingepflanzt, um die Wartezeit auf ein geeignetes Spenderherz zu überbrücken. 75 Prozent der Patienten, denen eine Herztransplantation gemacht wird, sind männlich, die meisten zwischen 50 und 65 Jahren alt.



Voraussetzungen

Eine Herztransplantation wird nur dann durchgeführt, wenn der Patient bei einer Herzmuskelerkrankung auf keine medikamentöse Behandlung anspricht oder unter einer sehr stark fortgeschrittenen Herzschwäche leidet, die im weiteren Verlauf lebensbedrohend wäre. Sie macht nur dann Sinn, wenn der Allgemeinzustand des Patienten gut ist und sich durch die Operation eine Verbesserung von Lebenserwartung und Lebensqualität erwarten lässt.

Nicht gemacht wird die Operation bei gleichzeitigem Vorliegen von

schwerer Arteriosklerose
unheilbaren Erkrankungen an Leber und Nieren
Magen- und Darmgeschwüren (Blutungsgefahr durch gerinnungshemmende Medikamente nach der Transplantation)
Krebserkrankungen
HIV-Infektion
In der Vorbereitung zur Herztransplantation wird eine gründliche Untersuchung aller Organe gemacht. Die Informationen über den Patienten werden an eine Transplantationszentrale weitergegeben, die das Organangebot laufend nach einem geeigneten Spenderherz überprüft. Für ein Spenderherz gilt als Kriterium, dass es organisch gesund sein muss und von einer Person unter 40 Jahren (bei Frauen: 45 Jahre) stammen soll. Das Spenderherzen wird bei Personen entnommen, bei denen in einem juridisch genau definierten Sinn der Hirntod eingetreten ist. Dieser muss von Ärzten, die selbst nicht in die Transplantation involviert sind, unabhängig festgestellt werden. Die Wartezeit auf ein Spenderherz beträgt durchschnittlich acht Monate oder länger. Zwischen der Entnahme eines Spenderherzens und seiner Einpflanzung soll möglichst wenig Zeit vergehen, der wartende Patient muss bei passender Gelegenheit innerhalb kürzester Zeit in die Klinik zur Transplantation gebracht werden können.

Vorgangsweise

Ein fremdes Herz einzusetzen erfordert koordinierte Teamarbeit und genaueste Planung. Das Spenderherz muss innerhalb von längstens vier bis sechs Stunden nach der Entnahme eingepflanzt werden, da es sonst zu Schädigungen des Herzgewebes durch Sauerstoffmangel kommt (Ischämie). Das Spenderherz wird mit einer Schutzlösung gespült und gekühlt, um es während des Transports gegen Schädigungen wegen fehlender Durchblutung vorübergehend unempfindlich zu machen.
Während das Spenderherz in die herzchirurgische Klinik geliefert wird, wird der Patient auf die Transplantation vorbereitet. Bevor es zur Einleitung der Narkose kommt, wird das Spenderherz auf seine qualitative Eignung geprüft und die mehrstündige Operation nur dann durchgeführt, wenn das Organ den erforderlichen Kriterien entspricht.
Nachdem das Narkosemittel injiziert wurde, wird der Brustkorb entlang des Brustbeins operativ geöffnet, um an den Herzbeutel zu gelangen. Der Brustkorb wird aufgedehnt und das Kreislaufsystem an eine Herz-Lungenmaschine angeschlossen. Während der Organtransplantation übernimmt die Herz-Lungenmaschine die Sauerstoffversorgung der Körperorgane. Sie hält durch an die Aorta fixierte Kanülen den Kreislauf aufrecht, elektrische Pumpen halten den Herzbeutel frei von Blut. Damit sich beim Kontakt mit der Maschine keine Blutgerinnsel bilden, werden dem Patienten gerinnungshemmende Medikamente verabreicht.
Das kranke Herz wird bis auf Teile der Hinterwand entfernt, das Spenderherz entsprechend angepasst und mit der Hinterwand des ursprünglichen Herzens, der Aorta und den übrigen Gefäßen vernäht. Anschließend wird das Brustbein mit Drähten verschlossen. Das durchtrennte Brustbein verheilt wie nach einem Knochenbruch in etwa zwei Monaten.

Risiken und Komplikationen
Durch den Einsatz der Herz-Lungenmaschine während einer Herztransplantation kann es
aufgrund des Kontakts zu den nicht körpereigenen Materialien zu Gerinnungsstörungen des Blutes kommen
vor allem bei Patienten mit Nierenschäden zu meist vorübergehenden Nierenfunktionsstörungen kommen
bei Loslösung von Ablagerungen an der Aortenwand zu einem Schlaganfall kommen.
zu Nervenfunktionsstörungen kommen, die mit losgelösten Kalkteilchen und körperlichen Entzündungsreaktionen auf den Einsatz der Herz-Lungenmaschine zusammenhängen.

Weitere mögliche Komplikationen nach der Operation:

Abstoßungsreaktion. Der Körper erkennt das transplantierte Herz als fremd und versucht, es abzustoßen. Um dies zu verhindern, wird die körpereigene Abstoßungskraft durch Immunsuppressiva (Cyclosporin) unterdrückt. Mit leichten Abstoßungsreaktionen ist trotz der Medikamente in 60 Prozent der Fälle zu rechnen. Sie äußern sich durch Unwohlsein, Fieber, Herzjagen, Bluthochdruck, Rhythmusstörungen und den Symptomen der Herzinsuffizienz. Im Extremfall führt die Abstoßungsreaktion zu einem Herzversagen.
Infektionen. Aufgrund der Reizung des Herzbeutels während der Operation kann eine Herzbeutel-Entzündung (Perikarditis) entstehen. Durch die immunsuppressive Behandlung steigt die Empfindlichkeit für Infektionen. Mehr als die Hälfte aller Todesfälle nach einer Herztransplantation sind durch Infektionen verursacht.
Nachblutungen am Herzbeutel (Herzbeuteltamponade). Blutergüsse stören die Pumpfunktion des Herzens, in so einem Fall ist eine Notfall-Operation erforderlich.

Nachbehandlung
Aufgrund des massiven Einsatzes von Schmerzmitteln verspürt der Patient nach der Operation keine unmittelbaren Schmerzen. Er wird in den Tagen nach einer Herztransplantation intensivmedizinisch rund um die Uhr überwacht und betreut. Anfangs wird die Atmung durch die Beatmungsmaschine über einen durch die Nase in die Luftröhre geführten Schlauch unterstützt. Weiters befinden sich Infusionsschläuche und Drainagen zum Absaugen von Wundsekret am Körper, die nach und nach entfernt werden. Damit es zu keinen Komplikationen durch Infektionen kommt, werden spezielle Hygienemaßnahmen und medizinische Maßnahmen wie antibiotische Abschirmung getroffen.
Schon in den ersten Tagen nach der Operation wird mit einfacher Krankengymnastik begonnen, ein spezielles Atemtraining macht den Anfang. Da die Schmerzen nach der Operation dazu führen, dass der Patient nicht tief genug einatmet, erhöht sich das Risiko einer Lungenentzündung. Meist kommen Atemtherapiegeräte zum Einsatz, um die Atmung zu trainieren.
Der Patient kann nach drei Wochen in ein Rehabilitationszentrum für Herzpatienten überwiesen oder in die häusliche Pflege entlassen werden. Es sind jedoch regelmäßige und umfangreiche Nachuntersuchungen notwendig.

Betreuung zu Hause
Viele Erkrankte wünschen sich eine Betreuung und Pflege in den eigenen vier Wänden. Ihnen stehen finanzielle Leistungen und fachliche Unterstützung zu (Pflegeversicherung(D), Pflegeversicherung (A)). Wenn die persönlichen Voraussetzungen für die häusliche Pflege stimmen, ermöglicht die Zusammenarbeit mit einem ambulanten Pflegedienst eine optimale pflegerische Betreuung auch außerhalb der Klinik. Wer für eine gute Organisation der Pflege sorgt und sich das nötige Wissen über die Pflegepraxis aneignet, kann die Belastungen in Grenzen halten. Dazu trägt auch eine individuelle Anpassung der Wohnung bei.

Erfolgsrate

Der Erfolg einer Herztransplantation hängt wesentlich davon ab, wie die körpereigene Abstoßungsreaktion verläuft. Die Rehabilitationsrate von Herzempfängern, die das erste Jahr nach der Operation überleben, ist gut. 83 Prozent der Patienten mit transplantiertem Herzen überleben das erste Jahr, 75 Prozent das zweite und dritte, und 70 Prozent das vierte Jahr. Die Mehrzahl der Patienten kann wieder ihren Beruf ausüben.

Nachuntersuchungen
Nach der Transplantation werden wöchentliche Kontrolluntersuchungen mit Blutentnahme, Röntgenuntersuchung , EKG und Ultraschalluntersuchung durchgeführt. Durch Gewebeentnahmen mittels Herzkatheter kann die Zellveränderung am neuen Herzen überprüft und die Dosierung der Medikamente darauf abgestimmt werden. Die Kontrolluntersuchungen werden nach dem ersten Jahr nur mehr vierteljährlich durchgeführt, wenn es zu keinen Komplikationen kommt. Um zu überprüfen, ob sich eine koronare Herzkrankheit entwickelt, wird eine jährliche Angiografie der Herzkranzgefäße durchgeführt.
Der Patient muss ein Tagebuch führen, in das er Körpertemperatur, Puls und Blutdruckwerte sowie Gewichtsveränderungen einträgt. Eine mögliche Infektion soll dadurch möglichst früh entdeckt und behandelt werden können.
Durch die unterdrückte Abwehr können nach Jahren auch vermehrt Krebserkrankungen auftreten, daher sind auch diesbezüglich Vorsorgeuntersuchungen erforderlich.

Leben nach der Operation

Die Abstoßungsreaktionen treten vor allem im ersten halben Jahr nach der Transplantation auf. In dieser Zeit müssen verstärkt Hygienemaßnahmen befolgt werden: kein Kontakt mit Tieren und Pflanzen, besondere Reinlichkeit (regelmäßige Desinfektion von Küche, Bad und WC, immer Händedesinfektion), besondere Vorsicht bei der Speisezubereitung. Im ersten halben Jahr nach der Transplantation bekommt der Patient einen Mundschutz, wenn er die Klinik zu Nachuntersuchungen betritt.
Diese Vorsichtsmaßnahmen sind erforderlich, weil der Körper aufgrund der Medikamente, die das Immunsystem unterdrücken, insgesamt anfälliger für Infektionskrankheiten durch Bakterien, Viren oder Pilze ist. Da rohes Fleisch, roher Fisch, weichgekochte Eier oder nicht durchgegarte Fleisch- und Geflügelspeisen häufig Krankheitserreger enthalten, die einem gesunden Menschen nicht schaden, wohl aber dem herztransplantierten Patienten, müssen sie nach einer Transplantation strikt gemieden werden. Ebenso gilt ein Verbot für Alkohol und Nikotin. Vom körperlichen Aspekt her ist unter Beachtung einiger Vorsichtsmaßnahmen ein relativ normales Leben nach der Herztransplantation möglich. Viele Patienten sind auch wieder arbeitsfähig. Weil sich im eigenen Körper ein fremdes Herz befindet, kann es aber auch zu psychischen Problemen wie Angstzuständen oder Depression kommen. Oft besteht die Möglichkeit, sich einer Selbsthilfegruppe für Organtransplantierte anzuschließen, auch eine psychologische Begleitung kann hilfreich sein.
 
Letzte Aktualisierung:
21.03.2007 (Patricia Herzberger)
Autor:
Frank Hartmann
Experten für diese Seite:
Dr. med. Wolfgang Scheibelhofer (Innere Medizin)
OA Univ. Doz. Dr. med. Claudia Stöllberger (Innere Medizin/Kardiologie)
Diese Informationen können den Besuch beim Arzt nicht ersetzen, sondern können Ihnen helfen, sich auf das Gespräch mit dem Arzt vorzubereiten. Eine Diagnose und die individuell richtige Behandlung kann nur im persönlichen Gespräch zwischen Arzt und Patient festgelegt werden.

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