Zusammenfassung:
Bei der Bluttransfusion werden das Blut oder einzelne Blutbestandteile eines blutspendenden Menschen auf einen anderen übertragen. Blutbestandteile sind zum Beispiel rote Blutkörperchen, Blutplättchen, Gerinnungsfaktoren, Blutplasma oder weiße Blutkörperchen. Einzelne Bestandteile zu verabreichen erhöht die Sicherheit einer Transfusion und ist kostengünstiger als die Übertragung von Vollblut. Am häufigsten - zum Beispiel bei Blutverlust und Anämie - werden rote Blutkörperchen übertragen. Bluttransfusionen sollen vor allem die Kapazität des Blutes für den Sauerstofftransport im Körper verbessern, Blutverlust ausgleichen, die Abwehrkraft stärken und Störungen der Blutgerinnung beheben.
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Blutgruppen und Rhesusfaktor |
| Die Blutgruppe und Rhesusfaktoren der spendenden und der empfangenden Person müssen zusammenpassen. Man unterscheidet die Blutgruppen A, B, AB und 0 (Null) und die Rhesusfaktoren positiv und negativ. Nicht alle Blutgruppen und Rhesusfaktoren vertragen sich miteinander. Das Blut enthält nämlich Abwehrstoffe (Antikörper) gegen jene Blutgruppen, die der Betreffende selbst nicht hat. Empfängern der Blutgruppe AB können die Blutgruppen AB, A, B und 0 verabreicht werden. Zu Blutgruppe B passen lediglich die Blutgruppen B und 0, zu A die Gruppen A und 0. Menschen mit Blutgruppe 0 können nur Transfusionen ihrer eigenen Blutgruppe gefahrlos verwerten. Auch die Rhesusfaktoren müssen übereinstimmen. Allerdings führt hier die erste falsche Infusion (ein Mensch mit Rhesusfaktor negativ bekommt Blut mit Rhesusfaktor positiv) noch zu keinen Symptomen, da erst nach diesem ersten Kontakt im Körper Antikörper gebildet werden. Werden unverträgliche Blutgruppen und Rhesusfaktoren gemischt, kann es zur Verklumpung des Blutes kommen. Heutzutage wird allerdings grundsätzlich nur gruppengleiches Blut durch Transfusionen übertragen, nur für Notfälle gilt 0 negativ als Universalspender. In Mitteleuropa haben etwa 45 Prozent der Menschen Blutgruppe A, knapp 40 Prozent Blutgruppe 0, rund 10 Prozent B und 5 Prozent ab. Rhesusfaktor positiv haben 85 Prozent der Menschen, negativ 15 Prozent. |
Arten der Bluttransfusion |
| Normalerweise wird bei der Bluttransfusion Blut von fremden Spendern übertragen. In besonderen Fällen wie etwa einer Operation kann allerdings auch das eigene Blut für eine Transfusion verwendet werden. Dabei gibt es kein Risiko der Unverträglichkeit und Krankheitsübertragung. Bei der Plasmapherese wird der spendenden Person nur ein bestimmter Blutbestandteil abgenommen. Wenn zum Beispiel nur Blutplättchen gebraucht werden, nimmt man vorerst das Vollblut ab, filtert in einem Spezialgerät die Blutplättchen heraus und gibt das restliche Blut der Spenderperson zurück. Auf diese Weise wird der Blutverlust durch die Blutspende möglichst gering gehalten. Außerdem können auf diese Weise acht- bis zehnmal so viele Blutplättchen gewonnen werden wie bei einer normalen Vollblutspende. |
Risikofaktoren |
| Früher war das größte Risiko bei Blutübertragungen, die falsche Blutgruppe oder den falschen Rhesusfaktor zu wählen. Heute wird das Augenmerk vor allem auf die Krankheiten gerichtet, die durch Bluttransfusionen übertragen werden können. Die Immunschwächekrankheit AIDS oder die Hepatitis zählen dazu. Vor allem zahlreiche Bluterkranke, denen ja bestimmte Blutbestandteile (Gerinnungsfaktoren) fehlen und die daher auf die Gabe dieser Faktoren bei Blutungen angewiesen sind, wurden durch Plasmaübertragungen mit AIDS angesteckt. Durch die verschärften Untersuchungen des gespendeten Blutes und die verbesserte Technik für Bluttests ist das Risiko allerdings nun erheblich kleiner geworden. Blutspendende Personen werden vor der Spende untersucht, um zu gewährleisten, dass sie völlig gesund sind. Die Blutspenden werden auf die Erreger von virusbedingten Leberentzündungen, AIDS, Syphilis und auf verschiedene Viren geprüft. Die Tests auf Erreger von Hepatitis B oder C können zwar nicht alle Virusvarianten feststellen, das Risiko, sich durch eine Blutspende damit zu infizieren ist jedoch relativ gering. Für Hepatitis C liegt die Wahrscheinlichkeit bei 1 zu 10.000 bis 20.000, für Hepatitis B bei 1 zu 50.000 bis 100.000. Auch die Feststellung von HI-Viren (AIDS-Erreger) ist nicht mit hundertprozentiger Verlässlichkeit möglich. Die Spender werden jedoch nach Verhaltensweisen gefragt, die eine HIV-Infektion möglich machen. Darüber hinaus muss das Blutplasma bei der Herstellung von Plasmakonzentraten wie etwa Gerinnungsfaktoren ein halbes Jahr lang aufbewahrt werden, bevor es verabreicht wird. In dieser Zeit besteht die Möglichkeit, dass sich eine HIV-Infektion zeigt, die zur Zeit der Blutabnahme noch nicht nachweisbar war. Das Restrisiko, sich durch eine Transfusion mit HIV zu infizieren, beträgt heute 1 zu 1,000.000. Syphilis wird nur sehr selten durch Bluttransfusionen übertragen. Die spendenden Personen und ihr Blut werden untersucht, die Blutkonserven auf sehr niedrige Temperaturen heruntergekühlt. Dadurch können Syphiliserreger abgetötet werden. Bluttransfusionen sind heutzutage sicherer als je zuvor. Allergische Reaktionen, Infektionen oder die Bildung von Antikörpern gegen das empfangene Blut lassen sich dennoch nicht völlig ausschließen. Vor einer Transfusion werden im Labor ein Tropfen Spenderblut und ein Blutstropfen der empfangenden Person vermischt, um zu testen, ob das Blut zusammenpasst. Auch nach sorgfältigen Blutgruppenbestimmungen und Kreuzproben kann allerdings eine Unverträglichkeit auftreten, die dazu führt, dass die roten Blutkörperchen nach der Transfusion durch das Abwehrsystem der empfangenden Person zerstört werden. Die Abwehrreaktion des Körpers auf die Konserve beginnt meist mit allgemeinem Unwohlsein oder Angstzuständen während oder nach der Transfusion. Manchmal zeigen sich Atembeschwerden, Brustbeklemmungen, Hitzewallungen oder Rückenschmerzen. Die meisten allergischen Gegenreaktionen treten bereits in den ersten 15 Minuten der Blutübertragung auf. Die häufigsten Symptome sind Fieber, Juckreiz, Ausschlag, Schwellungen und Kopfschmerzen, aber auch Atembeschwerden und Muskelkrämpfe. Falls allergische Reaktionen gegen Blutspenden auftreten, wird die Transfusion sofort beendet. Allergische Reaktionen können auch teilweise durch Medikamente unterdrückt werden. Ist das nicht der Fall, werden oft gewaschene rote Blutkörperchen übertragen. Beim "Waschen" werden aus dem Plasma der spendenden Person alle Stoffe entfernt, die allergische Reaktionen auslösen können. Herzkranke Menschen können durch die Menge der verabreichten Flüssigkeit überlastet werden. Ihnen müssen Transfusionen besonders langsam zugeführt werden. Blutübertragungen werden aufgrund des verbleibenden Restrisikos nur verordnet, wenn es keine Alternative dazu gibt, zum Beispiel, wenn der Blutverlust nach einem Unfall, einer Operation oder einer inneren Blutung lebensbedrohlich wäre. |
| Letzte Aktualisierung: 26.09.2007 (Patricia Herzberger) |
| Autor: Doris Tschabitscher |
| Experten für diese Seite: Univ. Prof. Dr. med. Rainald Seitelberger (Herz-und Thorax-Chirurgie) OA Dr. med. Christian Merhaut (Anästhesie) |
Quelle: surfmed; 13.09.2005, aktualisiert am 16.09.2009
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