Crystal Meth: Wie gefährlich ist die Droge?

Crystal Meth ist eine extrem aufputschende Droge, die sehr schnell abhängig macht. Die Einnahme ist mit schweren gesundheitlichen Risiken verbunden

von Maria Haas, aktualisiert am 03.03.2016

Durchfeiern: Manche Menschen putschen sich auf Partys mit Drogen auf

Mauritius Images/imageBROKER/Matthias Baumgartner

Die Droge wird überwiegend in Rauschgiftlabors in der Tschechischen Republik zusammengebraut. Meist wird sie auf Märkten nahe der Grenze illegal erworben und findet vor allem in den Bundesländern entlang der tschechischen Grenze ihre Abnehmer. Aber auch in anderen Regionen taucht die Substanz mittlerweile häufiger auf.

Der Konsum von Crystal Meth nimmt zu. 77 Kilogramm stellten die deutschen Zollfahnder im vergangenen Jahr sicher. 2008 waren es gerade einmal vier Kilogramm. 2013 registrierte die Polizei 2746 Menschen, die erstmals mit Crystal Meth aufgegriffen wurden, sieben Prozent mehr als im Jahr davor. "Den zunehmenden Konsum von ‚Crystal‘ sehen wir mit Sorge, da mit der Einnahme dieser Substanz große gesundheitliche Risiken verbunden sind", kommentierte der Präsident des Bundeskriminalamts Jörg Ziercke die Zahlen.


Eine extrem aufputschende Substanz

Methamphetamin (Crystal Meth) zählt zu den Psychostimulanzien. Es bewirkt, dass im Gehirn verstärkt die anregenden Botenstoffe Adrenalin, Noradrenalin und Dopamin ausgeschüttet werden. Die Droge putscht die Konsumenten stark auf. Solange die Wirkung anhält, spüren sie weder Ängste noch Hunger oder Schmerzen. Sie fühlen sich selbstbewusst und leistungsstark.

Nach der Euphorie fallen sie in das andere Extrem. Sie werden stark depressiv, sind erschöpft, gereizt, apathisch oder denken an Suizid. Sie bekommen sehr bald das Bedürfnis, die Droge erneut einzunehmen, um überhaupt etwas Positives zu spüren. Crystal Meth macht sehr schnell abhängig, manchmal schon nach dem ersten Gebrauch – "nicht körperlich, aber psychisch", erklärt Suchtforscher Sascha Milin von der Universität Hamburg. "Das ist auch einer der Gründe, warum das Abhängigkeitspotenzial der Substanz lange unterschätzt wurde."

Manche wollen mit der Droge leistungsfähiger werden

Die meisten Nutzer kommen in der Freizeit mit der Droge in Berührung, zeigt die große Hamburger ZIS-Studie. Nahe der tschechischen Grenze ist Crystal Meth in manchen ländlichen Gebieten so leicht und günstig zu haben, dass sich Jugendliche dem Konsum im Freundeskreis oft kaum entziehen können. Auch die Gruppe derjenigen wächst, die mit der Droge ihre Leistungsfähigkeit steigern wollen. Manche Schüler und Studenten greifen vor Prüfungen dazu. Wer schwer arbeitet, hofft länger durchzuhalten. Ein Trugschluss. "Die Handwerker, die unter Crystal Meth durchpowern und nach Feierabend das eigene Haus bauen wollten, haben heute alles verloren", sagt Sascha Milin von der Universität Hamburg.

Crystal Meth wird meist als Pulver geschnupft

In Deutschland wird die Droge häufig als Pulver geschnupft. Auf diesem Weg und in der üblichen hohen Dosierung setzt die stark euphorisierende Wirkung rasch ein und kann über viele Stunden anhalten. Oft brauchen Süchtige dann andere Stoffe, um wieder schlafen zu können. Die Konsumenten können auch gereizt, getrieben und sehr aggressiv werden. Häufig werden monotone Tätigkeiten wie Putzen zwanghaft über Stunden ausgeführt.

Schwere Gesundheitsschäden möglich

Crystal Meth macht so stark abhängig, dass manche Patienten, die in einer Klinik Hilfe suchen, den Entzug bereits nach wenigen Tagen abbrechen. Es führt in kürzester Zeit dazu, dass die Konsumenten psychisch auffällig werden, Beziehungen kaputtgehen und kein normaler Alltag mehr möglich ist. Bei Überdosierung oder längerem Konsum, bei manchen Nutzern auch schon eher, können psychiatrische Störungen wie Wahnvorstellungen und Zwangsgedanken auftreten. Konzentration und Gedächtnis sind stark beeinträchtigt. Häufig treten Zahnschäden auf, das Risiko für Blutdruckkrisen und Herz-Keislauf-Leiden steigt schon bei jungen Menschen.



Bildnachweis: Mauritius Images/imageBROKER/Matthias Baumgartner

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