Zunächst werden in der Regel nicht-operative Methoden eingesetzt wie Beckenbodentraining oder Medikamente. Erweisen sich diese als nicht ausreichend wirksam oder bestehen krankhafte Veränderungen des Enddarmes oder des Schließmuskels, kann eine Operation helfen. Welche Therapie oder welche Medikamente im Einzelfall am besten helfen, sollte individuell mit dem Arzt besprochen werden.
Der Markt bietet zudem eine Vielzahl von Produkten zur Inkontinenz-Versorgung. Diese haben sich in den letzten Jahren in ihrem Aussehen, den Materialien und der Leistungsfähigkeit deutlich verbessert. Erhältlich sind beispielsweise Inkontinenz-Einlagen und Analtampons. Es gibt zudem Hilfsmittel zur Unterstützung des Beckenbodens (Pessare).
Nicht-operative Behandlung
In vielen Fällen kann die Stuhlinkontinenz durch eine Änderung der Ernährungsgewohnheiten gebessert werden. So lässt sich unter anderem durch die Aufnahme ballaststoffreicher Nahrungsmittel das Stuhlvolumen erhöhen und die Stuhlkonsistenz normalisieren. Darüber hinaus sollte weitgehend auf blähende Speisen, Kaffee und Alkohol verzichtet werden.
Beckenboden-Gymnastik stärkt gezielt die Muskeln im Anal- und Beckenbereich. Das Beckenbodentraining ist vor allem bei Patienten mit Bindegewebsschwäche und bei Frauen, die mehrere Geburten hatten, sehr wirksam. Um die Beckenbodenmuskulatur zu trainieren kann man Vaginalkonen verwenden.
Spezialisten können dem Patienten helfen, seine Toilettengewohnheiten mit Hilfe von Verhaltenstherapie-Techniken zu erkennen und zu steuern. Das "Toilettentraining" beinhaltet beispielsweise das Einführen regelmäßiger Zeiten für den Toilettengang.
Beim Biofeedback lernt der Patient, seine Schließmuskelspannung bewusst wahrzunehmen und zu steuern. Nach Platzieren eines kleinen Ballons im Analkanal spannt der Patient den Schließmuskel an. Über ein Signal wird angezeigt, wenn ein bestimmter Kneifdruck erreicht ist. Das Biofeedback-Training folgt einem individuell festgelegten Übungsplan und bewährt sich bei vielen Patienten.
Die Elektrostimulation soll die Schließmuskelfunktion verbessern: Durch einen schwachen Stromfluss, Reizstrom genannt, wird der Schließmuskel passiv angespannt. Spürbare Effekte sind allerdings erst in Wochen zu erzielen – die Patienten benötigen also Geduld und Durchhaltevermögen.
Abführmittel, medizinisch Laxanzien genannt, dienen der Stimulierung des Dickdarms, Stuhl auszuscheiden. Sie unterscheiden sich in ihrem Wirkprinzip. Stuhlaufweichende Abführmittel bringen beispielsweise mehr Flüssigkeit in den Stuhl. Präparate auf Kochsalzbasis ziehen aus dem umgebenden Gewebe Flüssigkeit in den Darm, um so den Stuhl aufzuweichen. Einige Laxanzien lösen Kontraktionen des Darmes aus, indem sie den Stuhl voluminöser und wässriger machen. Andere, wie Glycerin-Zäpfchen, hinterlassen auf der Innenseite des Afters eine Beschichtung, um damit die Stuhlausscheidung zu erleichtern.
Motilitätshemmer: Diese Arzneimittel verringern die Häufigkeit des Stuhlgangs, indem sie die Geschwindigkeit der so genannten Darmpassage – den Transport des Nahrungsbreies durch den Darm – reduzieren.
Bei Nervenschäden im Beckenbereich ist die sakrale Nervenstimulation hilfreich: Sie kann bei intakter Nervenendstrecke die Schließmuskelfunktion verbessern. Die noch intakten Nervenenden des Schließmuskels werden dabei mit einem kleinen Schrittmacher stimuliert, der chirurgisch in das Gesäß implantiert ist. Er reizt die jeweiligen Nerven durch leichte elektrische Impulse. Das soll die Koordination zwischen Gehirn, Beckenboden, Darm und Schließmuskeln verbessern. Um Stuhl zu entleeren, wird der Schrittmacher abgeschaltet. Möchte der Patient die Therapie beenden, kann der Schrittmacher operativ wieder entfernt werden.
Operationen
Je nach Ursache der Stuhlinkontinenz kommen verschiedene chirurgische Verfahren zum Einsatz:
Operationen am Schließmuskel: Kleine Verletzungen und Einrisse des Schließmuskels können genäht werden, um so wieder einen sicheren Verschluss des Afters zu gewährleisten. Wenn der Schließmuskel nicht mehr funktioniert und zerstört ist, versucht man, den Schließmuskel zu rekonstruieren. Dabei wird der Muskel durch körpereigene Implantate ersetzt, in der Regel einem Muskel vom Oberschenkel – die so genannte Gracilis-Plastik. Eine andere Möglichkeit ist die Implantation eines körperfremden, künstlichen Schließmuskels. Beide Operationsmethoden sind allerdings sehr aufwändig und können zu Komplikationen führen.
Kolostomie: Dabei handelt es sich um eine Operation, bei der ein Teil des Dickdarms mit der Bauchdecke verbunden wird. Dadurch entsteht eine künstliche Darmöffnung, Stoma genannt, an der ein Beutel angebracht ist. Ein solches Kolostoma kann nur vorübergehend oder aber dauerhaft eingerichtet sein.
Prolaps-Operation: Bei einem Vorfall des Enddarms, einem Prolaps, kann eine Operation vom After aus durchgeführt werden, um den vorgefallenen Darmabschnitt zu entfernen. Um einen erneuten Vorfall zu verhindern, wird nach Entfernen des betroffenen Darmsegmentes der Dickdarm durch ein Kunststoffnetz am Kreuzbein fixiert – die so genannte Resektionsrektopexie. Prolaps-Operationen erfolgen üblicherweise in der "Schlüsselloch-Technik", also mittels Endoskop.
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22.10.2008, aktualisiert am 20.01.2011
Bildnachweis: W&B/ Ulrike Möhle
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