Wann bringt Urlaub wirklich die ersehnte Erholung? Die Arbeits- und Organisationspsychologin Sabine Sonnentag von der Universität Konstanz gibt Tipps zur Planung, Organisation und Gestaltung der schönsten Wochen des Jahres.
Woran erkennen Arbeitnehmer, dass sie urlaubsreif sind?
Wenn sie das Gefühl haben, dass ein normales Wochenende zur Erholung nicht mehr ausreicht, und sie am Montag nicht genug neue Kraft für die Woche spüren.
Welche Faktoren fördern die Erholung während des Urlaubs?
Wichtig ist, einen körperlichen Ausgleich zu schaffen. Sport hilft wunderbar beim Abschalten; ebenso andere Tätigkeiten, die einen ausfüllen und einen Gegenpol zur Arbeit bilden. Aber auch Faulenzen und soziale Aktivitäten spielen eine große Rolle.
Viele Menschen krempeln im Urlaub ihren Lebensrhythmus um. Sie machen die Nächte durch, liegen am Tag faul am Strand. Ist das empfehlenswert?
Oft leiden Länge und Qualität des Schlafs darunter, wenn die innere Uhr völlig auf den Kopf gestellt wird. Das ist, rein körperlich betrachtet, nicht förderlich für die Erholung. Besser ist es, wenn man im Urlaub den normalen Tagesablauf annähernd beibehält. Das heißt aber nicht, dass man morgens nicht ausschlafen darf.
Wie lange braucht der Mensch, um seine Akkus wieder aufzuladen?
Unsere Untersuchungen haben gezeigt, dass die Länge des Urlaubs für die Erholung unerheblich ist – vorausgesetzt, er dauert mindestens eine Woche.
Welche Konsequenzen hat das für die Urlaubsplanung?
Man sollte seine freien Tage auf mehrere kürzere Auszeiten verteilen. Denn die Urlaubswirkung verschwindet sehr schnell. Nach drei bis vier Wochen ist der Erholungseffekt futsch – egal, ob Sie eine Woche weg waren oder drei. Erleichtert ein Ortswechsel das Abschalten? Wenn einen zu Hause viel an die Arbeit erinnert, kann es schwierig sein, sich dort richtig zu erholen. Man sollte dann auf jeden Fall etwas Besonderes unternehmen. Natürlich ergeben sich in einer anderen Umgebung leichter neue Anregungen für den Alltag. Deshalb ist das Verreisen an sich schon empfehlenswert. Aber es ist auch mit Stress verbunden: Kofferpacken, lange Autofahrt oder Flugreise. Daher gleichen sich Vor- und Nachteile unter dem Strich häufig aus.
Wie sieht der ideale Ferienstart aus?
Generell ist die Zeit vor dem Urlaub extrem stressig. Arbeit muss fertiggestellt werden, oft über das normale Pensum hinaus, dazu kommen die Reisevorbereitungen und die Fahrt zum Ferienort, die viele direkt im Anschluss an die Arbeit antreten. Idealerweise sollten Urlauber es etwas langsamer angehen lassen und die ersten beiden freien Tage dazu nutzen, zu Hause alles in Ruhe zu organisieren. Auch am Urlaubsende rate ich zu einem zeitlichen Puffer. Das erleichtert es, sich wieder auf die Arbeit einzustellen.
Was tun Sie persönlich, um fit für Ihre Arbeit zu bleiben?
Ich arbeite oft durch, um mir die Wochenenden für das Radfahren oder Wandern frei zu halten. Unter der Woche versuche ich, alltägliche Dinge wie Kochen nicht als Belastung, sondern als Entspannung zu sehen.
Apotheken Umschau; 01.03.2007
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