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Resilienz: Starke Seele, gesünderer Mensch

Einige Menschen haben Nerven wie Stahlseile, andere nicht. Wie Forscher nach neuen Ansätzen suchen, um die psychische Widerstandskraft zu stärken


Menschen stecken Stresssituationen unterschiedlich gut weg

Ob es der Verlust eines geliebten Menschen ist, das Scheitern eines wichtigen beruflichen Projekts, eine schwere Erkrankung oder die Folge eines Unfalls: Während manche Menschen unter solchen Stresssituationen stark leiden, stecken andere dies schnell und ohne seelische Folgen weg.

Psychologen bezeichnen diese Art der Widerstandsfähigkeit als Resilienz. Das Wort ist aus dem lateinischen „resilire“ abgeleitet, das zurückspringen oder abprallen bedeutet. Schon lange suchen Wissenschaftler nach Faktoren, die diese innere Kraft beeinflussen.



Professor Markus Heinrichs, Leiter des Institutes für Biologische und Differentielle Psychologie der Universität Friburg

„Je anfälliger jemand für Stress ist, umso größer ist auch sein Risiko, an einer psychischen Störung zu erkranken“, erklärt Professor Markus Heinrichs, Psychologe an der Universität Freiburg.

Sehr wichtig sind soziale Netze

Dass es manchen Menschen gelingt, sich trotz widriger Bedingungen seelisch gut zu entwickeln, zeigte die „Kauai-Studie“, eine der ersten Untersuchungen zu diesem Thema. Die amerikanische Psychologin Emmy Werner untersuchte rund 700 Kinder, die im Jahr 1955 auf der hawaiianischen Insel Kauai zur Welt gekommen waren, und beobachtete ihren Lebensweg 40 Jahre lang.

201 dieser Kinder wuchsen unter schlechten Lebensumständen auf, wie Armut, niedrigem Bildungsstand der Eltern und häuslicher Gewalt. Werner stellte fest, dass etwa ein Drittel von ihnen trotzdem zu erfolgreichen Menschen in stabilen Verhältnissen heranreiften.

„Heute kennen wir eine Vielzahl von Faktoren, die Menschen stark machen“, so Heinrichs. Dazu zählen insbesondere soziale Netze: Starker Rückhalt in der Familie, gute Freunde sowie erwachsene Bezugspersonen außerhalb der Familie helfen Kindern, die Fähigkeiten für eine resiliente Persönlichkeit zu entwickeln.

„Soziale Unterstützung ist eine der Hauptquellen für Resilienz“, sagt der Freiburger Psychologe. Er nennt noch weitere „Zutaten“, die für die Herausforderungen des Lebens fit machen: „Heute wissen wir, dass Resilienz zu einem gewissen Teil auch erblich ist.“ So gebe es beispielsweise genetisch bedingte Unterschiede in der Produktion des Hormons Oxytocin.

Dieser körpereigene Botenstoff spielt unter anderem eine zentrale Rolle für unser Sozialverhalten, fördert das Vertrauen zu anderen und kann damit indirekt auch die psychische Stabilität beeinflussen. „Manche Menschen können das Oxytocin-System sehr effizient aktivieren und sich so leichter Unterstützung von anderen holen. Sie kommen damit besser durch Stresssituationen“, erklärt Heinrichs.

Die Kindheit entscheidet mit

Weitere Untersuchungen haben Einflüsse der Erbanlagen auf die emotionale Widerstandskraft gezeigt. „Bei Patienten mit stressbezogenen Gesundheitsstörungen ist eigentlich immer schon im Mutterleib und in der Entwicklungsphase bis etwa zum siebten Lebensjahr etwas passiert, was dem heranreifenden Gehirn mitgeteilt hat: Du entwickelst dich in eine belastende Umwelt hinein und musst daher die Stresssysteme schärfen“, sagt Professor Dirk Hellhammer, Psychologe und Stressexperte an der Universität Trier. Die Betroffenen reagieren im späteren Leben mit ausgeprägten Stressreaktionen, was sie krankheitsanfälliger macht.

Wissenschaftler des Münchner Max-Planck-Instituts für Psychiatrie erhielten im Tiermodell interessante Ergebnisse. Sie setzten Mäuse mehrere Wochen lang chronischem Stress aus, indem sie sie mit immer wieder neuen Artgenossen zusammenbrachten.

Die hormonell messbare Stressreaktion normalisierte sich bei manchen Tieren relativ schnell, bei anderen blieb der Hormonspiegel konstant hoch. Als Ursache für das ungleiche Verhalten entdeckten die Forscher Unterschiede an bestimmten Serotonin-Rezeptoren im Gehirn, die sie für eine Stressresistenz verantwortlich machen.

Weil es solche messbaren Faktoren für die Entwicklung der Resilienz gibt, hoffen Forscher, zukünftig bessere Therapien bei Stresserkrankungen anbieten zu können. Ein Beispiel dafür wären gezielte Stressbewältigungstrainings für „Problemkinder“, bei denen genetische Auffälligkeiten festgestellt wurden.



Christian Krumm / Apotheken Umschau; 11.11.2011
Bildnachweis: W&B/Ciara Moro, Photodisc/RYF

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