Heute Abend wird es spannend! Darf Deutschland weiterhin bei der Weltmeisterschaft mitspielen? Damit unsere Nationalmannschaft ins Achtelfinale einziehen kann, müssen sie Ghana schlagen. Anpfiff ist um 20.30 Uhr, in Johannesburg. Die Stadt liegt 1500 Meter über dem Meeresspiegel. Das erste Spiel absolvierte unsere Mannschaft noch in Durban. Das wiederum liegt auf Meereshöhe.
Die Elf muss also nicht nur mit gegnerischen Mannschaften kämpfen, nein, auch die äußeren Umstände machen es den Spielern nicht immer leicht. Zu den extremen Höhenunterschieden kommen noch starke Temperaturschwankungen. Daniel Harbs, ärztlicher Leiter des Sportmedicums – Zentrum für Sport-, Stress- und Bewegungsmedizin in Hamburg – erklärt, wie sich die Sportler am besten auf die harten Konditionen vorbereiten.
Was macht es denn überhaupt so schwer in der Höhe sportlich aktiv zu sein? "Der Sauerstoff-Partialdruck ist auf 1500 Metern schon deutlich erniedrigt, die Luft ist 'dünner'. Der Körper nimmt weniger Sauerstoff auf, die Leistungsfähigkeit sinkt", so Harbs. Unter diesen Bedingungen kann ein 90-minütiges Spiel sehr anstrengend werden.
Das weiß auch Jogi Löw. Also wird er seine Mannschaft im Vorfeld auf die erschwerten Voraussetzungen vorbereitet haben. Was gibt es da für Möglichkeiten? "Training in einer Höhenkammer, im Sauerstoffzelt oder mit einer Sauerstoffflasche", rät Harbs. In der Kammer lässt sich der Druck von außen regulieren. Der Sportler gewöhnt sich also beim Trainings-Radfahren in der Box an eine verminderte Sauerstoff-Versorgung.
In großer Höhe bildet der Körper verstärkt rote Blutkörperchen, so kann er den vorhandenen Sauerstoff effektiver aufnehmen und den Nachteil ausgleichen. Das Training im Zelt, in der Box oder mit der Flasche zeigen den gleichen Effekt. So trainiert können unsere Jungs also die gewohnte Leistung zeigen. "Neben der Vorbereitung zu Hause ist es auch sinnvoll, ein paar Tage vor dem Spiel anzureisen, um sich an die neuen Druckverhältnisse anzupassen", so Harbs.
Und umgekehrt – von 1500 Metern runter auf Meeresspiegel? So herum sollte es keine Probleme geben. Der Körper ist ja auf schlechtere Bedingungen konditioniert. Es ist aber wichtig, dass man nicht zu viele Erythrozyten produziert. In diesem Fall würde das Blut zu dickflüssig. "Tritt der Spieler trotzdem an, riskieren er, dass das Blut nicht all seine Organe erreicht oder er schlimmstenfalls gar einen Herzinfarkt erleidet", warnt Harbs.
Nun zu den starken Temperaturschwankungen. Wie Kälte ein Spiel mitunter beeinflusst, zeigte das Spiel Brasilien gegen Nordkorea. An dem Abend herrschten in Johannesburg circa 4 Grad Celsius. Und dass sich vor allem die wärmegewohnten Brasilianer mit den Temperaturen schwer taten, war nicht zu übersehen.
"Wenn ein Mensch beispielsweise in Südamerlka oder Zentralafrika zu Hause ist, dann ist sein ganzer Stoffwechsel, sein Herz-Kreislauf-System, sein kompletter Körper an die hohen Temperaturen gewöhnt", erklärt Sportmediziner Harbs. Muss diese Person nun plötzlich mit eisiger Luft klar kommen, dann sinkt die Leistungsfähigkeit deutlich ab.
Mannschaften wie England oder Deutschland haben gegenüber den Nationen aus heißeren Gefilden also einen Vorteil. Wir kennen schlechtes Wetter leider gut. Trotzdem muss Löw aufpassen, dass Phillip Lahm und sein Team heute Abend top vorbereitet auf dem Platz stehen und die Kälte keine Probleme machen kann. Und wie geht das? Vor dem Spiel müssen sich die Jungs ordentlich warmlaufen und dann schön in Bewegung bleiben. "Wer mit kalten Muskeln losrennt, riskiert Muskelzerrungen und Faserrisse", so Harbs.
Aber so hart die Bedingungen auch sein mögen, wir können es trotzdem schaffen! Die Mannschaft ist top in Form und letztlich hilft ihnen auch das, mit den erschwerten Konditionen klar zu kommen. Harbs ist zuversichtlich: "Ein trainierter Körper tut sich da wesentlich leichter". Unser Experte traut der Nationalelf ein 3:1 gegen Ghana zu.
Unser Experte:
Daniel Harbs ist Sportmediziner und ärztlicher Leiter des Sportmedicums, Zentrum für Sport-, Stress- und Bewegungsmedizin in Hamburg.
Sophie Kelm / www.apotheken-umschau.de; 23.06.2010
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