Herr Wessinghage, wenn man erkältet ist, soll man auf Sport verzichten. Weshalb?
Während eines Infektes können Viren und Bakterien über den Blutstrom in den gesamten Körper eindringen. Das lymphatische System – vor allem lokalisiert in Lymphknoten und Mandeln, im Darm und den Atemwegen – kämpft gegen die Erreger. Wenn man in einer solchen Phase intensiv Sport treibt, kann es zu einer vorübergehenden Überforderung des Abwehrsystems kommen, so dass sich Erreger an besonders gefährdeten Körperstellen wie den Herzklappen oder dem Herzmuskel festsetzen und dort eine Entzündung verursachen.
Was genau ist eine Herzmuskelentzündung?
Im betroffenen Gewebe wird durch die Erreger eine Entzündungsreaktion hervorgerufen, die mit vermehrtem Flüssigkeitseinstrom (Schwellung), Ansteigen der Körpertemperatur und Funktionseinschränkung einhergeht. Das Herz verliert an Belastbarkeit. Das macht sich gegebenenfalls in Allgemeinsymptomen bemerkbar, die aber – und das ist so gefährlich – auch vergleichsweise schwach ausgeprägt sein können. Der Erkrankte kann am Anfang zwar noch seinem normalen Alltag nachgehen, aber er ist etwas weniger belastbar, wird schneller müde und fühlt sich schwach. In dieser Phase braucht das Gewebe Zeit um zu heilen. Ansonsten kann die Entzündung Folgeschäden wie beispielsweise Herzrhythmusstörungen verursachen und sogar tödlich enden. Nach Abklingen der Entzündung bleiben im Herzmuskel zwar Narben zurück, langfristig kann das Herz aber wieder belastbar werden, praktisch wie zuvor.
Wie behandelt der Arzt einen entzündeten Herzmuskel?
In der Regel verschreibt er dem Patienten über einen längeren Zeitraum hinweg ein Antibiotikum, um die hartnäckigen Erreger auszumerzen. Der zweite, ganz wichtige Therapie-Schritt ist ein körperliches Belastungsverbot. Und zwar ein langfristiges – wir sprechen hier über Monate. Im Zweifelsfall sollte stets länger als kürzer pausiert werden. Das wird dem Sportler üblicherweise zwar schwer fallen, doch der Arzt trägt hier eine große Verantwortung.
Wann ist die Herzmuskelentzündung geheilt?
Der Arzt beobachtet die Symptome wie Fieber, Müdigkeit und Unwohlsein. Er kontrolliert das Blutbild, schaut sich die Konzentration und Zusammensetzung der weißen Blutkörperchen (Granulozyten, Lymphozyten) an und prüft spezielle Entzündungsmarker. Das Elektrokardiogramm und andere spezifische Herzuntersuchungen geben zusätzliche Sicherheit.
Darf ich nur bei einer Erkältung oder Grippe keinen Sport treiben?
Nein, auch bei anderen Infekten sollte man die körperliche Betätigung drosseln. Zum Beispiel gilt das auch für eine Magen-Darm-Erkrankung. Der Verdauungstrakt zählt – genau wie die Atemwege – zu den Eintrittspforten für Krankheitserreger. Ich rate allgemein zu Ruhe und Erholung bis ein Infekt völlig abgeklungen ist. Nur so geht man seriös und verantwortungsbewusst mit seiner Gesundheit um.
Wie ist es bei einem kleinen Schnupfen?
In diesem Fall sollte der Betroffene das Training zumindest herunterfahren. Er kann joggen gehen, aber nur sehr langsam. Er sollte sich während des Laufes leicht mit einem Partner unterhalten können. Auf Zeitmessung und leistungsorientierte Trainingsziele muss er in dieser Zeit völlig verzichten.
Wie soll sich der Laie verhalten, wenn bei einem Teamkollegen ein Schwächeanfall eintritt?
Bei akuten Problemen gibt es nur eins: sofort den Notarzt rufen. Schnelle Hilfe kann lebenserhaltend sein! Bei länger andauernden Phasen von Schwäche, Müdigkeit, Leistungsabfall muss der Internist oder der speziell weitergebildete Hausarzt zu Rate gezogen werden. Ganz wichtig für Sportler: Die Symptome sollten keinesfalls heruntergespielt oder ignoriert werden.
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