Rauf auf den Sattel, rein in die Pedale – und am Abend jammern über die Wehwehchen! Vor allem Gelegenheitsradler, die sich – vom schönen Wetter verlockt – ab und zu auf Tour begeben, kennen das zur Genüge: Der Hintern ist wund gescheuert, Handgelenke und Rücken schmerzen, die Oberschenkel haben zu viel Sonne erwischt, in den Waden macht sich Muskelkater breit.
Schwachstellen registrieren
Aber auch regelrechte „Kilometerfresser“ sind davor nicht gefeit. Sie kennen jedoch ihre Schwachstellen und haben ihre Tricks, wie sie vorbeugen. Die sportliche Apothekerin Sabine Erdmann aus Paderborn zum Beispiel fährt seit 20 Jahren Rad. Sie bringt etwa 5000 Trainingskilometer jährlich hinter sich. Als Mitglied der Radsportvereinigung Deutscher Ärzte und Apotheker nimmt sie regelmäßig an Rennen teil, bei denen sie schon diverse Titel – darunter zwei Weltmeisterschaften – gewonnen hat. Diese erfahrene Expertin hat für die Apotheken Umschau die besten Tipps zusammengestellt. Lesen Sie, wie die Radtour nicht zur Tortur wird und was Sie tun können, wenn es doch einmal schmerzt, zwickt oder brennt.
Wunde Punkte
Im günstigsten Fall tut während oder nach der Fahrt der Po nur weh. Schlimmer ist es, wenn die empfindliche Haut zwischen den Beinen wund scheuert oder sich ein Abszess an einer intimen Stelle bildet. Mit einem Sattel, der perfekt eingestellt ist, und mit einer gut sitzenden Radhose mit Einsatz lässt sich das oft vermeiden. „Und tragen Sie keinen Slip unter der Radhose!“, ergänzt Sabine Erdmann.
Eine spezielle Sitzcreme mit antientzündlichen und kühlenden Zusätzen kann hilfreich sein. Soll man sie direkt auf die Haut auftragen oder besser auf die Innenauflage der Radhose? Erdmann: „Da gibt es keine allgemeine Empfehlung. Jeder muss ausprobieren, ob ihm so eine Creme überhaupt einen Vorteil bringt und wie er sie am besten anwendet.“ Bei leichten Beschwerden empfiehlt sie, betroffene Stellen mit Heilsalbe einzucremen. Eiternde und furunkulöse Entzündungen sowie großflächige Scheuerwunden muss der Arzt versorgen.
Empfindliche Augen
Grelle Sonne, Zugluft und Insekten können die Augen während der Radtour reizen. Verwenden Sie eine Radbrille oder eine geschlossene Sportbrille. „Bei leichten Reizungen hilft vielfach Tränenersatzflüssigkeit mit Dexpanthenol-Zusatz, ebenso Augentropfen mit Euphrasia- oder Calendulaextrakt“, heißt der Rat von Sabine Erdmann.
Überraschende Schmerzerlebnisse
Taube Hände, schmerzende Handgelenke, Verspannungen in Schultern und Nacken, Knie- oder Rückenbeschwerden sind mögliche Wegbegleiter, wenn Ungeübte radeln. Hauptursache für solche Malaisen: Das Rad passt nicht zum Fahrer oder ist nicht richtig eingestellt. Eine geeignete Rahmengröße, einen verstellbaren Lenkervorbau, einen Lenker mit variablen Griffpositionen und eine gefederte Sattelstütze nennt Erdmann als entlastende technische Details.
Leichte Gliederschmerzen lassen sich mit Salben oder Sprays lindern, die Arnika oder Beinwell enthalten, oder mit einem Schmerzmittel aus der Apotheke. „Auch wärmende Einreibungen oder Bäder sind hilfreich“, sagt Erdmann. Bei Muskelkater empfiehlt es sich, sportliche Aktivitäten für kurze Zeit ruhen zu lassen.
Notfall-Apotheke
Meistens wollen wir ja nicht mit schwerem Gepäck radeln. Auf eine kleine Notfall-Apotheke sollten Sie trotzdem nicht verzichten. Sie enthält verschieden große Pflaster, dazu eine kleine Schere, ein oder zwei Verbandpäckchen, Wunddesinfektionsmittel sowie eine schmerzlindernde Salbe oder Spray. „Und das Handy nicht vergessen“, rät Sabine Erdmann, „damit Sie bei Notfällen schnell Hilfe rufen können.“
Unsere Expertin:
Sabine Erdmann ist Apothekerin in Paderborn.
Justus Schönemann / Apotheken Umschau;
29.08.2011, aktualisiert am 29.08.2011
Bildnachweis: W&B/Fritz Stockmeier, vario images/imagebroker
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