Einsteiger-Check: Die sportmedizinische Untersuchung

Einfach rauf aufs Rad oder rein in die Laufschuhe? Für Untrainierte kann das Verletzungs- oder Krankheitsrisiken bergen. Wer sich besser untersuchen lassen sollte, bevor er mit dem Training beginnt

von Daniela Frank, aktualisiert am 13.08.2016

Im Ruhe-EKG kann der Arzt verschiedene Herzprobleme erkennen

W&B/Martin Ley

"Mach doch mal wieder Sport!" Das oder Ähnliches müssen sich Bewegungsmuffel häufig anhören. Doch wer es nach langjähriger sportlicher Abstinenz geschafft hat, sich endlich zu motivieren, sollte sich nicht gleich kopflos in sein neues Hobby stürzen. Denn einfach die Laufschuhe schnüren und sich mal wieder so richtig verausgaben kann für Untrainierte ziemlich riskant sein. "Man weiß: Vor allem, wenn man im höheren Alter wieder anfängt, Sport zu treiben, ist das Risiko einer Herz-Kreislauf-Krankheit deutlich erhöht", sagt Professor Dr. Herbert Löllgen, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention.


Natürlich sollte das niemanden davon abhalten, sich mehr zu bewegen. Bewegungsmangel erhöht das Risiko für Krankheiten nämlich erst recht. Deshalb empfehlen Sportmediziner allen Einsteigern und Wiedereinsteigern, zur sportärztlichen Vorsorgeuntersuchung zu gehen. Sporttreibende ab 35 Jahren sollten sich in regelmäßigen Abständen erneut durchchecken lassen. Sie können die Untersuchung zum Beispiel mit dem sogenannten "Check-up 35" kombinieren, der alle zwei Jahre von den Kassen bezahlt wird. "Nur den kostenlosen Check-up machen zu lassen, reicht aus sportärztlicher Sicht aber nicht aus", sagt Löllgen.


Vor dem Trainingsbeginn sollte sich sportärztlich untersuchen lassen, wer


- während der letzten fünf Jahre nicht regelmäßig sportlich aktiv war
- über 35 Jahre alt ist (Untersuchung regelmäßig wiederholen)
- einen oder mehrere folgender Risikofaktoren hat: Herzkrankheit oder eine genetische Anlage dazu, Gelenkbeschwerden, Übergewicht, Bluthochdruck, Diabetes mellitus, Rauchen, gerade überstandene Krankheit oder OP, Schwangerschaft


Risiko: Unentdecktes Herzleiden

Manche Experten empfehlen, auch Kinder und Jugendliche vorsichtshalber ärztlich untersuchen zu lassen, bevor sie intensiv Sport treiben. "Sie könnten zum Beispiel ein unentdecktes Herzleiden haben", sagt Löllgen. Das könne beim Sport unter Umständen gefährlich werden. Um vorzubeugen, reicht bei jungen Menschen in der Regel eine einmalige sportärztliche Untersuchung aus.

Ob es ratsam ist, auch zwischendurch den Arzt zu konsultieren, kann der Sportler mithilfe des sogenannten PAR-Q-Fragebogens ermitteln. Er enthält sieben leicht verständliche Fragen. Beantwortet der Betroffene eine Frage mit "Ja", ist es für ihn ratsam, sich untersuchen zu lassen. "In Deutschland muss mittlerweile jeder den Bogen ausfüllen, der an einem Marathonlauf teilnimmt", sagt Löllgen. "So sollen die Sportler für mögliche Risikofaktoren sensibilisiert werden."

PAR-Q-Fragebogen: Vor dem Trainingsbeginn zum Arzt?


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Hat Ihnen jemals ein Arzt gesagt, Sie hätten „etwas am Herzen“ und Ihnen Bewegung und Sport nur unter ärztlicher Kontrolle empfohlen?

Die sportmedizinische Untersuchung

Und so läuft die sportärztliche Vorsorgeuntersuchung ab: Zunächst führt der Arzt eine allgemeine und sportbezogene Anamnese durch – er erhebt also die Krankengeschichte des Betreffenden. Dabei fragt er nach Erkrankungen in der Familie und nach aktuellen oder früheren Beschwerden. Außerdem interessiert er sich noch dafür, wie lange und intensiv sein Gegenüber in der Vergangenheit Sport getrieben hat.

Dann folgt die körperliche Untersuchung. Dabei bestimmt der Arzt unter anderem den BMI des Sportinteressierten, misst seinen Blutdruck und hört mit dem Stethoskop die Herztöne ab. "Es ist wichtig, das Herz im Liegen und im Stehen abzuhören, weil es Krankheiten gibt, die man allein beim Abhören im Liegen nicht erkennen kann", sagt Löllgen. Außerdem sieht sich der Arzt Wirbelsäule, Gelenke und Muskulatur an und überprüft den Körper des Betreffenden auf mögliche Fehlstellungen.

EKG: Der Blick aufs Herz

Zusätzlich empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention, im Rahmen der sportärztlichen Vorsorgeuntersuchung ein Ruhe-EKG zu machen. Dabei kann der Arzt verschiedene Herzkrankheiten erkennen – zum Beispiel manche Erkrankungen, die häufig zum plötzlichen Herztod führen.

Nicht unbedingt ersichtlich aus dem Ruhe-EKG ist aber zum Beispiel eine koronare Herzkrankheit, die vor allem bei älteren Sporttreibenden vorliegen kann. Daher sollten Männer ab 45 Jahren und Frauen ab 55 Jahren außerdem ein Belastungs-EKG machen lassen. "In diesem höheren Alter können zum Beispiel frühere Raucher Probleme bekommen", sagt Löllgen. "Man weiß: Auch, wenn jemand beispielsweise mit 30 Jahren mit dem Rauchen aufhört, bilden sich Veränderungen in seinen Arterien später meist nicht mehr komplett zurück." Liegen bei jüngeren Sport-Einsteigern entsprechende Risikofaktoren vor, wird der Arzt ebenfalls ein Belastungs-EKG empfehlen.

Was kostet das?

Die sportärztliche Vorsorgeuntersuchung wird von den Kassen meist nicht erstattet. Es lohnt sich aber, nachzufragen. Einige übernehmen dann die Kosten oder bezuschussen sie zu einem großen Teil. "Viele Kassen planen, die Untersuchung künftig häufiger zu bezahlen", sagt Löllgen. Eine normale sportärztliche Untersuchung kostet in der Regel mindestens 60 Euro. Kommen Zusatzleistungen wie ein Belastungs-EKG hinzu, zahlt man etwa 120 Euro. "Sein Auto bringt man jährlich zur Inspektion", sagt Löllgen. "Das ist bei Weitem teurer als die Vorsorgeuntersuchung."

Entdeckt der Arzt bei der sportärztlichen Untersuchung keine Auffälligkeiten, gilt der Betreffende als sportgesund. Stellt er dagegen Unregelmäßigkeiten fest, wird er weitere Diagnosemethoden heranziehen. Diese werden dann meist regulär von der Kasse bezahlt. Anschließend kann der Arzt auf Wunsch eine formlose Bescheinigung ausstellen, die die Ergebnisse der Untersuchung aufführt.



Bildnachweis: W&B/Martin Ley
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