Doping im Freizeitsport: Riskante Taktik

Ob bei der Leichtathletik oder beim Kraftsport: Doping ist nicht nur im Profisport weit verbreitet. Welche Mittel beim Breitensport zum Einsatz kommen und warum Sportler die Finger davon lassen sollten

von Dr. Alexandra Kirsten, aktualisiert am 15.02.2016

Gewagter Ehrgeiz: Wer mit Doping herumprobiert, setzt seine Gesundheit aufs Spiel

Thinkstock/istock

Möge der bessere gewinnen. Und zwar ohne den Einsatz von unerlaubten Mitteln. Das wünschen sich alle Sportbegeisterten, denen der Fairplay-Gedanke etwas bedeutet, genauso wie alle Fernsehzuschauer, die Leistungssport im Fernsehen verfolgen. Dennoch wurden in den vergangenen Jahren bei einigen Athleten auffällige Blutwerte gemessen, die sich am ehesten durch die Einnahme von Dopingmitteln erklären lassen.

Doping ist aber nicht nur im Leistungssport verbreitet. „Man kann davon ausgehen, dass die Hemmschwelle auch im Amateursport sinkt“, sagt Privatdozent Dr. Eike Eric Scheller, Chefarzt der Klinik für Sportmedizin und Orthopädie/Unfallchirurgie am Evangelischen Krankenhaus Hubertus in Berlin. „Die schlechten Beispiele großer Stars zeigen, dass durch Doping ein gutes Leben möglich ist“, so der Sportmediziner. Für Fitness- und Freizeitsportler ist es inzwischen kein Problem mehr, über das Internet und unseriöse Fitness-Zentren an Stoffe wie Anabolika heranzukommen. Diese Sportler dopen nicht, weil es ihnen um Geld oder Weltruhm geht, sondern um sich zum Beispiel ohne großen Aufwand einen Wunschkörper anzutrainieren. „An die Nebenwirkungen denken sie dabei nicht“, sagt Scheller.


Gefährliche Leistungssteigerung

Jeder Sportler – ob Amateur oder Profi – sollte wissen, dass Doping nicht nur Betrug im Wettkampf ist, sondern dass er damit seine Gesundheit und sogar sein Leben aufs Spiel setzt. „Doping ist die Einnahme von unerlaubten Substanzen und Medikamenten zur Steigerung der meist sportlichen Leistung“, erklärt der Facharzt für Sportmedizin. Dies können Medikamente, Drogen oder auch Bluttransfusionen sein. In die Gruppe der verbotenen Wirkstoffe im Sport gehören Stimulanzien, Narkotika, Anabolika, Diuretika sowie Peptid- und Glykoproteinhormone. Hier ein Überblick über die Mittel und deren Wirkungen:

Stimulantien sind Aufputschmittel wie Amphetamine, Ephedrin und Koffein. Diese Stoffe wirken auf das zentrale Nervensystem und steigern damit die motorische Aktivität. „Sie sind auch im Freizeitsport verbreitet, da sie die Risikobereitschaft erhöhen, also mutiger machen“, sagt Sportmediziner Scheller. Sie senken das Gespür für die natürliche Leistungsgrenze. Im schlimmsten Fall werden dadurch alle restlichen Körperreserven verbraucht, ohne dass der Athlet dies bemerkt. Das kann zu Erschöpfung, Ohnmacht und im Extremfall auch zum Tod führen.

Narkotika sind zum Beispiel Morphin, Heroin und Methadon. Solche Substanzen werden in Form von Schmerzmedikamenten kurzfristig nach Operationen oder als Dauertherapie bei Erkrankungen wie Krebs verabreicht. Boxer setzen Narkotika ein, da die Stoffe die Reaktion auf Schmerzen verändern. Sie werden aber auch von Golfern oder Sportschützen angewendet, da sie beruhigend wirken. Bei Krankheiten und unter ärztlicher Aufsicht als Medikament eingesetzt, sind Narkotika in vielen Fällen hilfreich und unverzichtbar. Wer die Substanzen jedoch unkritisch konsumiert, riskiert womöglich schlimme Folgen. „Narkotika machen stark abhängig“, sagt Scheller. Sie können Stimmungsveränderungen bis hin zu psychischen Störungen auslösen. In hohen Dosen führen sie zu Bewusstseinstrübung, zur Lähmung des Atemzentrums und zum Tod.

Anabolika, auch anabole Steroide genannt, sind Abkömmlinge des männlichen Sexualhormons Testosteron. Wird ein Anabolikum eingenommen, nimmt die Muskelmasse zu, ohne dass Körperfett eingelagert wird. Somit sind die Wirkstoffe interessant für Sportarten, bei denen die Muskelmasse ausschlaggebend ist. Beispiele sind Sprintlauf, Weitsprung, Gewichtheben und vor allem Bodybuilding. „Im Freizeitsport sind Anabolika vermutlich am weitesten verbreitet, da diese in Tablettenform zu sich genommen werden können. Dadurch sinkt die Hemmschelle“, erklärt Scheller.  „Anabolika haben viele Nebenwirkungen, die die Sportler nicht bedenken“, mahnt der Sportmediziner. Einige mögliche sind die Bildung von Lebergeschwüren (Krebs), die Schädigung des Herz-Kreislauf-Systems, Arteriosklerose, Blutgerinnsel im Gehirn, Herzrhythmusstörungen, Akne, Wesensveränderungen und Depressionen. Wenn Anabolika von Sportlerinnen eingenommen werden, werden sie „männlicher“. Die Brust bildet sich zurück, eventuell fallen die Haare aus, es zeigen sich Barthaare, der Kehlkopf wächst und sorgt für eine tiefere Stimme. Männer werden durch die Einnahme unter Umständen „weiblicher“. Kommt im männlichen Körper zu viel Testosteron vor, wird es teilweise in das weibliche Sexualhormon Östrogen umgewandelt. Die Brustdrüsen können wachsen, es werden weniger Spermien produziert, die Hoden schrumpfen. Außerdem produziert der Körper weniger eigenes Testosteron oder stellt dies bei dauernder Zufuhr sogar ganz ein.

Diuretika sind Arzneimittel, die auf die Niere wirken und die Ausscheidung von Urin fördern. In der Medizin werden sie zur Behandlung von Ödemen (Flüssigkeitseinlagerungen), Bluthochdruck oder Leber- und Nierenerkrankungen verwendet. Im Sport fördern Diuretika nicht die Leistung, sorgen aber für einen schnellen Gewichtsverlust durch das Ausschwemmen von Flüssigkeit. Das kann bei Sportarten, die nach Gewichtsklassen unterteilt sind, von Vorteil sein, zum Beispiel beim Judo, Ringen oder Boxen. Durch einen sehr starken Wasserverlust kann es aber zu Blutgerinnseln, Austrocknung und Krampfanfällen kommen. Einige Diuretika können, falsch angewendet, auch Herzrhythmusstörungen auslösen.

Zu den Peptid- und Glykoproteinhormonen gehört Erythropoetin (EPO). Der Radrennfahrer Lance Armstrong gab im Januar 2013 zu, jahrelang mit EPO gedopt zu haben. Dieses Hormon fördert die Bildung roter Blutkörperchen und wird daher in der Medizin zur Behandlung von Blutarmut verwendet. „Durch eine höhere Anzahl roter Blutkörperchen kann mehr Sauerstoff im Blut transportiert werden. Dadurch steigt die Ausdauer des Athleten“, erklärt Sportmediziner Scheller. Dies wird besonders beim Doping im Radsport, bei Marathonläufen und beim Skifahren genutzt. Allerdings wird durch die vielen roten Blutkörperchen auch das Blut zäher. Der Sportler hat ein erhöhtes Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfälle, da feine Äderchen in Gehirn, Herz und Lunge nicht mehr versorgt werden können.


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