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Die typischsten Fußballer-Verletzungen

Vor der WM hat es einige Superstars erwischt – unter anderem Michael Ballack. Kreuzbandriss, Adduktorenverletzung, Sprunggelenksdistorsion sind nur einige Beispiele. Doch was bedeuten diese Begriffe? Hier ein Überblick

Fußballer rennen bei Schneetreiben im T-Shirt herum. Sie treffen – durch die Luft fliegend – das Tor, schlittern auf blanken Knien über den Rasen, schlagen Saltos und bieten dem Ball ihre Stirn. Fußballer sind eben harte Kerle. Oder? Nicht immer. Denn auch ein Kicker hat keinen Körper aus Stahl. Schnell krümmt sich ein Torjäger vor Schmerzen, umklammert Knie oder Knöchel. Und zwar, wenn er sich verletzt hat.

Sportmediziner der Universität des Saarlandes untersuchten in einer Studie, wie oft sich deutsche Profifußballer verletzten. Ergebnis: 83 Prozent aller 392 Bundesligisten trugen Blessuren davon. Während der Saison 2004/2005 war jeder Spieler im Schnitt 2,5 Mal lädiert. Knie, Oberschenkel und Sprunggelenk wiesen die höchste „Trefferquote“ auf.


Alleine am Kniegelenk ergeben sich zahlreiche Verletzungsmöglichkeiten. Berühmt-berüchtigt ist dabei die vordere Kreuzbandruptur. Normalerweise stabilisiert das vordere Kreuzband – zusammen mit dem hinteren Kreuzband sowie dem Innen- und Außenband – das Knie. Ändert ein Fußballer plötzlich die Richtung bei gestrecktem Kniegelenk und hält das Bein in „X-Bein-Stellung“, während der Fuß fest stehen bleibt, kann das vordere Kreuzband reißen. „In der Mehrzahl der Fälle ereignet sich eine vordere Kreuzbandruptur ohne Gegnerkontakt“, erklärt Dr. Karen aus der Fünten, Orthopädin am Institut für Sport- und Präventivmedizin an der Universität des Saarlandes. Nicht selten trägt der Sportprofi bleibende Knieschäden davon.

Prinzipiell kann jedes Band im Knie gedehnt oder gezerrt werden. Im schlimmsten Fall reißt es, wird also durchtrennt. Auch Kombinationsverletzungen sind nicht selten. Prominentes Beispiel ist Sami Khedira vom VfB Stuttgart, der sich im März 2010 nicht nur das Kreuz-, sondern gleich auch noch das Innenband anriss. Paolo Guerrero vom Hamburger SV zog sich derweil beim WM-Qualifikationsspiel gegen Venezuela 2009 einen Riss im hinteren Kreuzband zu.


Die nächste neuralgische Stelle: das Sprunggelenk. Knickt ein Spieler mit dem Fuß um, worauf möglicherweise ein „verstauchter Knöchel“ folgt, nennt sich das im Fachjargon „Sprunggelenksdistorsion“ oder „Umknicktrauma“. Diese Verletzung zählt zu den häufigsten im Fußball überhaupt. Befinden sich Unebenheiten im Rasen, setzt ein Balljongleur den Fuß “falsch“ auf oder bekommt einen Tritt vom Gegner, begünstigt dies ein Umknicktrauma. Die Bänder können dabei – wie am Knie – überdehnt, gezerrt oder durchtrennt werden. „Typischerweise sind am Sprunggelenk die Außenbänder betroffen“, sagt aus der Fünten. Wie beispielsweise bei dem HSV-ler Zé Roberto, der sich im letzten November das Außenband anriss.

Bezogen auf den Oberschenkel dominieren im Profifußball die Muskelverletzungen. Zerrt sich ein Kicker einen Muskel oder reißt ihn sich sogar, dann verzieht er teils grotesk das Gesicht. Kein Wunder, denn solche Verletzungen schmerzen erheblich. „Probleme bereiten in erster Linie die Kniebeuger und –strecker“, weiß die Saarbrücker Orthopädin aus der Fünten. Wenn Sportmediziner den Oberschenkelmuskel meinen, über den ein Mensch das Knie streckt, fachsimpeln sie über den „Quadrizeps“. Fußballer springen und schießen mit Hilfe dieses Muskels, überlasten ihn deshalb aber auch manchmal. Auf der Rückseite des Oberschenkels verlaufen die Kniebeuger – auch Oberschenkelflexoren, ischiokrurale Muskulatur oder Hamstrings genannt. Die Beuger braucht ein Spieler insbesondere bei Sprints.


Für Richtungswechsel, beim sogenannten “Abgrätschen“, aber auch zum Stabilisieren des Standbeines beim Schuss, sind die Oberschenkel-Adduktoren wichtig. Sie ziehen von der Leiste an der Innenseite der Schenkel entlang. Der Muskelstrang taucht hin und wieder unter „Adduktorenverletzung“ in den Medien auf. Zum Beispiel in Zusammenhang mit dem Borussia Dortmund-Spieler Sebastian Kehl, der kürzlich einen Faserriss an besagtem Muskel erlitt.

Prellungen gehören laut der Saarländer Studie zu den drei häufigsten Verletzungsarten. Sie entstehen typischerweise, wenn sich Fußballer im Zweikampf rammen, übereinander stolpern oder auf nassem Boden wegrutschen. Ein Beispiel: der sogenannte “Pferdekuss“. Dabei erhält ein Spieler von seinem Gegenspieler einen Tritt mit dem Fuß oder dem Knie gegen den Oberschenkel. In der Folge kann sich ein “blauer Fleck“ beziehungsweise ein Bluterguss ausbilden. 

Seltener treten zum Glück Frakturen, also Knochenbrüche auf. In Abhängigkeit vom Ort der Fraktur kann unter Umständen eine monatelange Pause erforderlich sein – beispielsweise bei einem Schienbeinbruch.

Eine ganz wichtige Frage beantwortet uns Karen aus der Fünten zum Schluss: Wie kann es sein, dass ein Spieler schmerzgeplagt vom Platz humpelt und fünf Minuten später wieder übers Feld rennt? „Das geht natürlich nur dann, wenn es sich um eine ´kleine` Verletzung handelt. Zum Beispiel können Schläge auf den Knöchel anfangs sehr starke Schmerzen hervorrufen, die dann schnell wieder verschwinden. Haben die Ärzte schwerwiegendere Probleme ausgeschlossen, kann der Spieler wieder zurück auf den Platz.“



Dr. Martina Melzer / www.apotheken-umschau.de; 10.05.2010, aktualisiert am 10.11.2011

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