Biathlon für Anfänger: Laufen, zielen, abdrücken

Unser Community Manager Marius Müller-Preuss versucht sich im Biathlon: eine anspruchsvolle Kombination aus Ausdauer und Konzentration. Eine Olympiasiegerin hat ihn trainiert

von Marius Müller-Preuss / Video: Melanie Jilg, aktualisiert am 03.03.2016

Fokussiert: Am Zielfernrohr ist Marius Müller-Preuss absoluter Anfänger

W&B/Melanie Jilg

Eines gleich mal vorne weg: Ich bin Pazifist durch und durch. Schon als Schüler und Student habe ich kaum eine Antikriegs-Demo ausgelassen. Trotzdem hat mich beim Biathlon schon immer die Mischung aus Kondition, Konzentration und militärischem Drill fasziniert. Mit einem Gewehr auf dem Rücken. Obwohl Langlaufen nicht gerade zu meinen Paradedisziplinen gehört, wollte ich es unbedingt testen.

Es ist gar nicht einfach, diese Sportart auszuprobieren, weil es in Deutschland nicht so viele Biathlon-Leistungszentren gibt. Doch Katharina Schweiger vom Tourismusverband Ruhpolding hat mir dann mit Martina Seidl eine echte Expertin organisiert: Bei den Olympischen Spielen 1998 in Nagano gewann Seidl, die damals noch Zellner hieß, mit der Staffel Gold.


Eine Grundlage für Biathlon ist logischerweise Schnee. Es war dieses Jahr gar nicht so einfach, welchen zu finden. Noch einen Tag vor unserem Termin sah es so aus, als müsste ich auf einem weißen Band in grüner Landschaft meine Runden drehen. Doch als ich in der Chiemgau Arena ankomme, schneit es dicke Flocken und es bläst ein eisiger Wind.

 


 

Martina begrüßt mich mit einem warmen Lachen und scherzt: "Wenn du fit bist, kannst du ganz schnell wieder zum Mittagessen in der warmen Stube sein." Doch bis dahin ist es ein langer Weg. Zuerst zeigt sie mir, wie das Gewehr funktioniert. Und da wird mir schon ein bisschen mulmig zu Mute: Ich habe da tatsächlich eine Kleinkaliber-Waffe in der Hand.

Erste Schießversuche im Schnee

Im Liegen gebe ich meine ersten Schüsse ab. Etwas verkrampft und mit nassen, klammen Händen halte ich das Gewehr, schließe mein linkes Auge und versuche, die winzige Zielscheibe durch Diopter und Ringkorn zu erfassen. Der heftige Schneefall macht das nicht gerade einfacher. Den ersten Schuss versenke ich irgendwo in der Verschalung hinter den Scheiben. Als es mir beim dritten Mal immer noch nicht gelingt, kann sich Martina ein Kichern nicht verkneifen. "Das wird schon noch", ruft sie mir zu. Immerhin: Die letzten beiden Scheiben treffe ich, obwohl ich es kaum noch schaffe, mein linkes Auge geschlossen und mein rechtes offenzuhalten.


Ambitioniert: Biathlon ist eine ideale Mischung aus Ausdauersport und Konzentration

W&B/Melanie Jilg

Das Stehendschießen klappt dann gar nicht. Auch wenn mir Martina rät, "einfach abzudrücken", wenn die Scheibe durchs Ringkorn flitzt. Kein einziger Schuss trifft. Vielleicht liegt es aber auch an der Kälte, die mir inzwischen in jeden einzelnen Knochen gekrochen ist.

Vielleicht habe ich mehr Talent beim Skaten – das ist der Langlauf-Stil, bei dem die Skier ein V bilden und man mit Hilfe des sogenannten Schlittschuhschritts und langer Stöcke ein hohes Tempo gewinnt. Das gelingt mir erstaunlich leicht, nur bin ich schon nach einer halben Runde so geschafft, dass ich sehr gut verstehen kann, warum die Wettkampf-Biathleten am Ziel immer zusammenbrechen.


Geduldige Trainerin: Olympiasiegerin Martina Seidl

W&B/Melanie Jilg

Noch völlig aus der Puste, lächelt mich Martina an und sagt: "Jetzt simulieren wir mal einen Sprint-Wettkampf." Das heißt: Laufen – Liegendschießen – Laufen – Stehendschießen – Laufen. Schon allein beim Gedanken an das Pensum wird mir schwindelig. Wenigstens schneit es nicht mehr, und nach der Trainingsrunde ist mir schön warm. Wie bei den Profis zählt Martina von fünf runter und schickt mich auf die Bahn. Erst geht es einen steilen Berg hoch, und im Pflug rutsche ich ihn langsam wieder herunter. Nach einer endlosen Gerade biege ich zum Schießstand ein und lasse mich auf die Matte fallen.

Aufgewärmt zielt es sich besser

Jetzt ist Konzentration angesagt. Ich atme tief ein und aus; halte dann die Luft an. Erstaunlich leicht gelingt es mir, die fünf Scheiben zu treffen. Martina bestätigt mir auch, dass man aufgewärmt besser schießen kann. Schon jagt sie mich in die zweite Runde. Beim Gedanken an das Stehendschießen wird es mir ganz anders. Wie soll man so ausgepumpt und zittrig noch irgendetwas treffen können? Diesmal schaffe ich es, ihren Rat umzusetzen und schieße einfach, wenn die Scheibe am Ringkorn vorbeitanzt. Immerhin komme ich so auf zwei Treffer und starte hochmotiviert in die dritte und letzte Runde. Die ist noch einmal richtig hart. Vor allem der Anstieg an dem kleinen Berg lässt meine Oberschenkel höllisch brennen. Glücklich und sehr erschöpft erreiche ich das Ziel.

Geradezu euphorisch packe ich meine Sachen zusammen. Die Mischung aus Kondition und Konzentration wirken geradezu berauschend. Und gesund ist der Ausdauersport an der frischen Luft sowieso. Für eine Goldmedaille reicht es bei mir wahrscheinlich eher nicht. Aber ein alkoholfreies Weißbier und Südtiroler Schlutzkrapfen im Wirtshaus habe ich mir doch jetzt verdient, oder?



Bildnachweis: W&B/Melanie Jilg, fotolia / Contrastwerkstatt

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