Viagra für Frauen hat kaum Vorteile

Flibanserin, die Lustpille für die Frau, sorgte vor Kurzem für Aufsehen. Eine Studie hat nun den Nutzen untersucht. Das Ergebnis ist alles andere als befriedigend

von Stephan Soutschek, aktualisiert am 02.03.2016

Flibanserin soll bei Frauen das Lustempfinden fördern

Thinkstock/Wavebreak Media

Im August 2015 ließen die US-Behörden ein Mittel mit dem Wirkstoff Flibanserin zu. Auch hierzulande sorgte die sogenannte Lustpille für Frauen darauf für kontroverse Diskussionen. Die einen schwärmten von einem Durchbruch in der Sexualtherapie, der vergleichbar sei mit Viagra in den 1990er-Jahren bei Männern. Andere warnten dagegen, das Medikament könnte Frauen verstärkt unter Druck setzen.

Geringer Lustgewinn, deutliche Nachteile

Viel Lärm um nichts? Im Fachblatt JAMA erschien nun eine Analyse, in der Forscher den Nutzen von Flibanserin näher unter die Lupe nahmen. Frauen, die das luststeigernde Mittel einnahmen, erlebten im Durchschnitt gerade einmal alle zwei Monate ein erfüllendes sexuelles Erlebnis mehr als diejenigen, die ein Placebo erhielten. Für die Untersuchung werteten die Wissenschaftler die Daten von acht verschiedenen Studien aus, die insgesamt 5914 Teilnehmerinnen umfassten.


Diesem mageren Lustgewinn standen zahlreiche unerwünschte Nebenwirkungen entgegen. Frauen klagten unter Einfluss der rosa Pillen verstärkt über Beschwerden wie Schwindel und Übelkeit.

Die Datenlage in den Studien sei dünn gewesen, schreiben die Autoren. Deshalb raten sie zur Vorsicht bei der Interpretation ihrer Ergebnisse. Gleichzeitig sprechen sie sich angesichts des geringen Nutzens und der deutlichen Nachteile für weitere Untersuchungen aus, bevor Flibanserin in die Behandlungsleitlinien von Ärzten Einzug halte.

Wirkung über Hormonhaushalt

Flibanserin wird umgangssprachlich meist als "Viagra für die Frau" bezeichnet. Streng genommen ist dieser Ausdruck aber nicht korrekt. Denn Viagra hilft Männern, die zwar wollen, deren Körper aber nicht wie gewünscht mitspielt. Flibanserin dagegen soll die sexuelle Lust steigern, indem es die Ausschüttung von Botenstoffen im Gehirn wie Dopamin und Serotonin beeinflusst.

Kritiker bemängeln, das Mittel würde weibliche Unlust als Krankheit brandmarken. Zudem zeigt es wohl nur bei einem kleinen Anteil von Frauen überhaupt eine Wirkung. Ob und wann Flibanserin in Deutschland auf den Markt kommt, ist noch unklar.



Bildnachweis: Thinkstock/Wavebreak Media

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