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Gezieltes Training hilft

Medikamente und Krankengymnastik beseitigen oft den Schwindel


Die Grafik zeigt schematisch, wie ein gutartiger Lagerungsschwindel entsteht

Heftiger Drehschwindel, der über Stunden anhält und oft mit Hörstörungen einhergeht, kann ein Zeichen der Menièreschen Krankheit sein. Dabei staut sich Lymphflüssigkeit im Innenohr in einem kleinen Säckchen. Unter Druck reißen dessen dünne Trennmembranen ein, Flüssigkeit tritt aus und reizt den Gleichgewichtssinn. Ohne Behandlung droht Taubheit. Mit dem Wirkstoff Betahistin gibt es zumindest in den ersten Jahren eine gute Therapiemöglichkeit.


Manche Ärzte schalten sogar Teile des Gleichgewichtsorgans aus, wenn Patienten die Drehschwindel-Attacken nicht mehr aushalten. Das geschehe gelegentlich zu früh, kritisiert Helmchen: „Es sollte die allerletzte Möglichkeit sein, wenn sämtliche medikamentösen Therapien ausgeschöpft sind.“


Wenn sich alles dreht, und das über Tage, kann die Ursache auch eine Entzündung des Gleichgewichtsnervs sein, der die Informationen aus den Bogengängen zum Gehirn leitet. Meist plagt die Patienten zusätzlich Übelkeit, und sie haben das Gefühl, zu einer Seite zu fallen. Ärzte vermuten, dass Herpesviren die Entzündung auslösen. Mit ihnen haben sich die meisten Menschen irgendwann angesteckt, sie schlummern im Körper und können wieder aktiv werden. Kortison hemmt die Entzündung. Nach Tagen klingen die Beschwerden ab.


Doch bei fast jedem zweiten Patienten erholt sich der Gleichgewichtsnerv nicht und bereitet oft anhaltende Beschwerden. Krankengymnastik und gezielte Gleichgewichtsübungen bringen die verlorene Balance zurück. „Das Gehirn kann mit Training sehr viel anfangen und die Ausfälle des Gleichgewichtsorgans gut ausgleichen“, erläutert Helmchen.


Training hilft auch jenen, die dem Boden unter den Füßen nicht mehr trauen, selbst wenn die ursprünglichen Beschwerden längst abgeklungen sind. Sie müssen lernen, dass sie sich auf ihre Sinne wieder verlassen können. „Betroffene gewöhnen sich über lange Zeit ein Fehlverhalten an, das dann wieder wegtrainiert werden muss“, erklärt Fuhry.


Jeder fünfte Betroffene leidet an Schwindel, ohne dass sich eine körperliche Ursache finden lässt. Vor allem jüngere Menschen klagen über Schwindel, der sich etwa in Menschenansammlungen oder leeren Räumen anfallartig verstärkt. Patienten, die unter diesem phobischen Schwankschwindel leiden, profitieren von einer Verhaltenstherapie. Experten kennen noch weitere Schwindel-Auslöser, eine Migräne zum Beispiel oder eine Hirnarterie, die auf den Gleichgewichtsnerv drückt. In beiden Fällen helfen Medikamente. Gut zu wissen: Auch wenn es die Pille gegen Schwindel nicht gibt, dürfen die meisten Patienten zumindest auf eine deutliche Besserung ihres Leidens hoffen.



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Maria Haas / Apotheken Umschau; 11.01.2010, aktualisiert am 12.01.2012
Bildnachweis: W&B/Ulrike Möhle

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