Immer wieder Krach – ob im Beruf oder beim Basteln zu Hause: Lärm ist nichts für die empfindlichen Sinneszellen im Innenohr
Im Innenohr findet das eigentliche Hören statt. Das Hörorgan, die Kochlea, ist die Schaltstelle für die Verarbeitung und Umwandlung der Schallwellen in Nervenimpulse. Die empfindlichen Sinneszellen, die Haarzellen, benötigen ausreichend Sauerstoff und Nährstoffe, ebenso wie der weiterleitende Hörnerv und die Hörbahnen im Gehirn. Eine Mangelversorgung aufgrund von Durchblutungsstörungen führt zu Funktionseinbußen in den betroffenen Stationen. Übermäßige Belastungen wie Lärm, Entzündungen oder schädigende Substanzen können das Hörorgan unmittelbar angreifen und mitunter dauerhafte Schäden hinterlassen. Natürlich gehören auch Schädelverletzungen sowie ererbte Schwerhörigkeiten dazu, auf die hier aber nicht eingegangen wird.
Je nachdem, welcher Bereich geschädigt ist, unterscheiden die Mediziner zwischen unterschiedliche Formen der Schallempfindungsschwerhörigkeit. Die Hauptursachen für Schwerhörigkeit überhaupt sind Störungen im Innenohr (Innenohrschwerhörigkeit oder kochleäre beziehungsweise sensorische Schwerhörigkeit). Liegt der Schaden am Hörnerv entsteht eine neurale Schwerhörigkeit. Erkrankungen im Gehirn können für eine zentrale Schwerhörigkeit verantwortlich sein (mehr zu diesen beiden Formen im Kapitel „Nervenschäden“).
Häufig sind auch mehrere Hörstationen betroffen. Die Bezeichnung sensorineurale Schwerhörigkeit weist darauf hin, dass sowohl das Hörorgan, hier vor allem die Sinneszellen, als auch Nervenanteile in ihrer Funktion eingeschränkt sind. Die Ursachen lassen sich nicht immer genau bestimmen. Das trifft zum Beispiel auf einen Großteil der Alterschwerhörigkeiten zu. Unterschiedliche Faktoren bewirken hier, dass oft neben der Schallempfindung auch die Schallleitung in Außen- und Mittelohr (siehe dort) beeinträchtigt ist.
Ebenso spielt die Psyche eine Rolle (siehe auch Kapitel „Wie wir hören“). Das, was wir hören, löst Gefühle aus und aktiviert über zahlreiche Vernetzungen unterschiedliche Steuerzentren für körperliche und seelische Vorgänge. Umgekehrt wirken innere Körperfunktionen sowie unser seelisches Befinden auf die Hörfähigkeit. Unter Stress hören wir oft schlechter als wenn wir gelassen und entspannt sind. Stress gehört auch mit zu den Hauptverdächtigen bei Innenohrstörungen wie einem Hörsturz.
Eine gestörte Schallempfindung ist häufig auch verantwortlich für Ohrgeräusche. Tinnitus begleitet sehr oft Schallempfindungsschwerhörigkeiten. Da im Innenohr auch das Gleichgewichtsorgan liegt, können Schäden dort zu Gleichgewichtsstörungen und Schwindel führen.
Hörsturz
Ein Hörsturz ereilt die Betroffenen mitunter in Stresssituationen oder belastenden Lebenslagen. Gerne ist deshalb auch von „Managerkrankheit“ die Rede. Die Ursachen sind aber noch nicht eindeutig geklärt. Welche Rolle Stress wirklich spielt, ist unter Fachleuten umstritten. Als mögliche Auslöser dieser Innenohrstörung werden unter anderem Durchblutungsmängel durch Gefäßprobleme, Infektionen, Autoimmunreaktionen oder ein gutartiger Tumor am Gehörnerv (siehe unten „Akustikusneurinom“) sowie psychische Faktoren diskutiert.
Die plötzliche, intensiv erlebte Hörminderung auf einem Ohr, oft mit Ohrgeräuschen und einem Druckgefühl im Ohr verbunden, sollte möglichst bald von einem Hals-Nasen-Ohren-Arzt oder in der Klinik behandelt werden. Die Chance, dass ein Hörsturz von selbst und ohne Folgen ausheilt, ist allerdings hoch. Da sich aber auch andere Erkrankungen dahinter verbergen oder bleibende Hörschäden einstellen können, raten viele Ärzte, rasch zu reagieren.
Symptome: Eine plötzlich auftretende, dramatische Schwerhörigkeit, manchmal Ertaubung, meist auf einem Ohr, seltener auf beiden Seiten. Bedrängend ist das Gefühl, dass „nichts mehr normal ist“. Zu der Hörstörung kommen heftige Ohrgeräusche, ein Druckempfinden tief im Ohr, manchmal auch Schwindel und der Eindruck, die Töne doppelt zu hören (Diplakusis). Die eigene Stimme kann verzerrt klingen.
Diagnose und Therapie: Aufgrund der Symptome wird der Arzt bei starken Beschwerden zuerst eine Sofortbehandlung einleiten. Das kann eine Infusionstherapie sein, die auch durchblutungsfördernde Medikamente enthält. Bei entsprechendem Verdacht und wenn keine Gegenanzeigen vorliegen, setzen die Ärzte mitunter zusätzlich Kortison ein. Wichtig ist es meist auch, dass der Betroffene zur Ruhe kommt.
Wenn sich die Beschwerden gebessert haben, folgt in der Regel eine eingehende Untersuchung, es sei denn, der Hörsturz ist die wiederholte Folge einer schon bekannten Erkrankung, etwa einer Menière-Krankheit (siehe unten) oder einer Multiplen Sklerose. An eine Ohruntersuchung und eingehende Hörprüfungen (siehe Kapitel „Diagnose“) schließen mitunter auch Gleichgewichtstests an. Bildgebende Verfahren wie Röntgenaufnahmen des Kopfes beziehungsweise eine Magnetresonanztomografie (Kernspintomografie) des Gehirns sowie Untersuchungen innerer Organfunktionen, etwa des Herzens, sowie des Blutdrucks können ebenfalls angezeigt sein. Blutuntersuchungen geben Aufschluss über eventuelle entzündliche Prozesse, Fett- oder Zuckerstoffwechselstörungen.
Bestehende Grunderkrankungen werden entsprechend behandelt. Meist ist es auch hilfreich, die eigene Lebensführung zu überprüfen und Stress abzubauen (siehe auch Kapitel „Therapie und Selbsthilfe“).
Auf übermäßige Lautstärke reagiert das Gehör höchst sensibel, ob es sich nun um eine dauerhafte Lärmbelastung handelt, oder um eine einzelne, heftige Schalleinwirkung. Trifft extrem lauter Schall mit einem Schalldruckpegel von über 140 Dezibel auf das Ohr, etwa bei dem Knall eines Silvesterkrachers oder aus einer Schusswaffe beziehungsweise bei einer Explosion, können direkte Schäden entstehen (Knall- oder Explosionstrauma). Das Trommelfell kann durch den hohen Druck reißen, weitere Verletzungen und Blutungen im Innenohr sind möglich.
Wiederholte intensive oder langfristige Lärmbelastung von über 85 Dezibel, aber oft auch schon weit weniger, überfordert die Funktion des Hörorgans. Die empfindlichen Sinneszellen im Innenohr schützen sich vor hoher Lautstärke, indem sie sich quasi „taub“ stellen, das heißt, ihre Aktivitäten zurückfahren. Sie können sich zwar eine zeitlang immer wieder erholen, wenn die Ruhephasen ausgedehnt genug sind. Hält die Lärmeinwirkung aber an, kann das eine chronische Schwerhörigkeit zur Folge haben.
Gefährlich werden dem Gehör nicht nur laute Maschinengeräusche am Arbeitsplatz, Bau- und Verkehrslärm, sondern zunehmend auch die starke Beschallung durch Musik in Diskotheken, aus Lautsprechanlagen oder Kopfhörern von mp3-Playern und ähnlichem. Solcher Dauerlärm ist mit verantwortlich dafür, dass heute mehr und mehr junge Leute unter bleibender Schwerhörigkeit leiden.
Symptome: Kennzeichnend sind ein Gefühl der Taubheit – die Betroffenen hören kurz- oder längerfristig gar nicht mehr – und Tinnitus. Dazu können ein Druckempfinden in Ohr und Kopf kommen. Bei einer akuten Lärmschädigung gehen die Symptome nach einer Zeit der Ruhe wieder zurück.
Knall- oder Explosionstrauma: Neben dem Druck- und Taubheitsgefühle kann ein stechender Schmerz im Ohr auf Schäden an Trommelfell und Innenohr hinweisen. Auch Blutungen aus dem Ohr sind möglich.
Chronische Lärmschwerhörigkeit: Die Hörminderung und der Tinnitus bestehen dauerhaft. Typisch ist das Problem, nicht nur hohe Töne schlecht zu hören, sondern Gespräche nicht mehr richtig zu verstehen, vor allem wenn Geräusche im Hintergrund dazukommen.
Diagnose: Wenn keine Notfalltherapie, etwa bei einem Knall- und Explosionstrauma, notwendig ist, untersucht der Hals-Nasen-Ohren-Arzt das Ohr und führt die üblichen Hörtests durch (siehe Kapitel "Diagnose"). Das Tonaudiogramm zeigt das typische Absinken der Hörschwelle. Zunächst hören die Betroffenen die hohen Töne nicht mehr, später auch Töne aus dem mittleren und schließlich dem tiefen Frequenzbereich. Die Ohrgeräusche wird der Arzt mit speziellen Tests und Befragungen prüfen und einordnen.
Therapie: Ein Knall- und Explosionstrauma behandeln die Ärzte häufig sofort, mit Infusionen und gegebenenfalls operativen Eingriffen, um die Schäden an Trommelfell und im Innenohr zu beheben. Eine akute Lärmschwerhörigkeit vergeht in der Regel nach einiger Zeit von selbst. Bleibt sie zusammen mit dem Tinnitus bestehen, kommen Hörgeräte und gezielte Tinnitustherapien zum Einsatz.
Eine wesentliche Rolle nimmt die Vorbeugung ein. Lärmschutz am Arbeitsplatz sollte selbstverständlich sein, ebenso in der Freizeit. Die Musik leiser zu stellen, ist sicher ein manchmal mühsamer Appell an die Jugendlichen, doch letztlich die einzig wirksame Möglichkeit, das Gehör gesund zu erhalten (siehe Kapitel „Therapie und Selbsthilfe“).
Nicht jeder wird im Alter schwerhörig. Viele Menschen hören auch mit achtzig noch gut, während mancher 40-jährige schon eine Hörhilfe braucht. Natürlich altert auch das Gehör, die damit zusammenhängenden Vorgänge wirken sich jedoch unterschiedlich aus. Deshalb sind die Ursachen für eine Hörminderung im Alter auch noch nicht eindeutig geklärt. Durchblutungsstörungen, Ablagerungen im Ohrbereich, Bindegewebsveränderungen können eine Rolle spielen, auch Alterungsprozesse im Gehirn. Familiäre Veranlagungen sind offenbar von Bedeutung, ebenso wie schädigende Einflüsse, die im Laufe des Lebens auf das Gehör einwirken. Dazu gehören vor allem Lärm, Dauerstress, Umweltgifte, Medikamentenmissbrauch, ungesunde Ernährung mit viel Alkohol und Nikotin, Bewegungsmangel, häufige bzw. chronische Entzündungen im Hals-Nasen-Ohren-Bereich.
Alterschwerhörigkeit gehört zu den typischen Innenohrschwerhörigkeiten. Betroffen sind vor allem die Sinneszellen des Hörorgans auf beiden Seiten. Zu der fortschreitenden Schallempfindungsstörung kann noch eine Schallleitungsschwerhörigkeit kommen.
Symptome: Eine Alterschwerhörigkeit macht sich schleichend bemerkbar. Anfangs hören die Betroffenen häufig hohe Töne schlechter und haben Probleme mit dem Sprachverständnis, es fällt ihnen schwer, Gesprächen in der Gruppe oder mit Hintergrundgeräuschen zu folgen. Oft kommt Tinnitus dazu. Die Hörminderung erfasst dann auch mittlere und tiefe Töne. Bei leiseren oder normalen Lautstärken muss immer häufiger nachgefragt und Radio oder Fernseher lauter gestellt werden. Auf der anderen Seite empfinden Altersschwerhörige laute Töne oft als besonders laut und störend.
Diagnose: Die Ergebnisse der Ohruntersuchung sind meist unauffällig. Die geschilderten Hörprobleme sowie die Krankengeschichte geben dem Arzt entsprechend Hinweise. Der Arzt wird auf diesem Wege andere Ursachen für eine Innenohrschwerhörigkeit ausschließen, etwa eine durch Lärm, Medikamente, Giftstoffe (hier kommen noch andere Beschwerden dazu, siehe Kapitel „Medikamente“) oder Stoffwechselerkrankungen (siehe "Weitere Erkrankungen") verursachte Hörminderung. Das Tonaudiogramm (siehe „Diagnose“) weist beidseitig die typische Kurve bei Alterschwerhörigkeit mit dem Verlust hoher Töne auf, das Sprachaudiogramm zeigt das erschwerte Sprachverständnis.
Therapie: Sehr oft können individuell angepasste, moderne Hörgeräte den Betroffenen helfen, wieder besser zu hören und auch Gespräche zu verstehen. Darüber hinaus tut eine gesunde Lebensweise auch dem Ohr und seiner Funktion gut (siehe dazu Kapitel „Therapie und Selbsthilfe“). Vor Lärm, Stress und schädigenden Substanzen sollten junge wie alte Menschen ihr Gehör soweit wie möglich schützen.
Eine Mittelohrentzündung kann auf das Innenohr übergreifen und dort Entzündungen hervorrufen, die teilweise schwer verlaufen und bleibende Hörstörungen zur Folge haben können. Auch andere Infektionen, zum Beispiel eine Hirnhautentzündung (Meningitis), durch Viren ausgelöste Erkrankungen wie Masern, Mumps oder eine Gürtelrose (Herpes zoster), sind manchmal verantwortlich für eine Labyrinthitis. Seltener gehören Tumoren zu den Verursachern. Eine chronische Mittelohrentzündung führt mitunter auch zu einer chronischen Innenohrentzündung. Durch die Entzündung kann sich zwischen Mittel- und Innenohr eine offene, röhrenförmige Verbindung, eine Labyrinthfistel, bilden.
Die entzündlichen Vorgänge greifen die Hörsinneszellen im Hörorgan in einem oder, je nach Ursache, in beiden Ohren an und schädigen sie bisweilen dauerhaft. Bei den ersten Anzeichen für eine Innenohrentzündung sollten die Betroffenen möglichst rasch einen Hals-Nasen-Ohren-Arzt aufsuchen. Alarmierend ist es auch, wenn bei einer Mittelohrentzündung Schwindel auftritt. Das kann darauf hinweisen, dass das Innenohr beteiligt ist.
Symptome: Die Betroffenen hören auf einem oder auf beiden Ohren schlechter, haben Schwierigkeiten, Gesprochenes zu richtig zu verstehen, sowie Tinnitus und Schwindel, vor allem Drehschwindel. Dazu können Übelkeit, Fieber, ein allgemeines Schwächegefühl und Kopfschmerzen kommen. Ohrenschmerzen und Ohrenlaufen treten vor allem bei einer gleichzeitigen akuten Mittelohrentzündung auf.
Diagnose: Die Schilderung der Symptome sowie die Krankengeschichte stehen wie immer am Anfang. Der HNO-Arzt wird das Ohr untersuchen, dabei zeigt sich häufig schon eine ursächliche Mittelohrentzündung. Es folgen verschiedene Hörtests. Diese ergeben meist eine typische Schallempfindungsschwerhörigkeit. Je nach Verdacht kommen weitere Untersuchungen infrage, wie Gleichgewichtsprüfungen, eine Computertomografie des Schläfenbeins, um Wucherungen oder eine Labyrinthfistel aufzuspüren, Blutuntersuchungen, um bestimmte Infektionen mit Viren oder Bakterien auszuschließen, oder eine Nervenwasseruntersuchung (Liquorpunktion), um dem Verdacht auf eine Hirnhautentzündung nachzugehen.
Therapie: Die Behandlung richtet sich nach der Ursache. Eine Mittelohrentzündung wird der Arzt mit Antibiotika behandeln. Auch Kortison kann zum Einsatz kommen. Manchmal muss das Innenohr umgehend durch operative Eingriffe am Mittelohr entlastet werden, etwa durch Einsetzen eines Paukenröhrchens (siehe Kapitel „Mittelohrschäden“). Eventuelle Wucherungen oder eine Labyrinthfistel beseitigt ebenfalls ein auf solche Eingriffe spezialisierter HNO-Arzt.
Kennzeichnend für diese relativ seltene Innenohrerkrankung ist das gleichzeitige, anfallsartige Auftreten von drei Symptomen: Hörminderung, Schwindel und Tinnitus, meist auf einem Ohr. Die Betroffenen sind häufig im Alter zwischen 30 und 50 Jahren, aber auch jünger oder älter. Die Ursachen der Menière-Krankheit sind noch nicht geklärt. Experten gehen davon aus, dass es zu einer Flüssigkeitsansammlung mit erhöhtem Druck im Hör- und im Gleichgewichtsorgan kommt, die dazu führt, dass die Sinneszellen nicht mehr reibungslos funktionieren. Möglicherweise vermischen sich auch die unterschiedlichen Flüssigkeiten, die sich in den beiden Organen befinden. Der Grund könnte ein Riss in der sie trennenden Membran sein. Eine weitere Vermutung legt Gefäßschäden im Bereich der Hör- und Gleichgewichtsnerven nahe.
Zu Beginn der Erkrankung treten die plötzlichen Anfälle nur vereinzelt auf, mit teilweise längeren beschwerdefreien Phasen dazwischen. Im weiteren Verlauf bleiben oft Schwerhörigkeit und Tinnitus bestehen, während die Schwindelanfälle zurückgehen. Da die Attacken völlig unerwartet einsetzen und die Betroffenen stark belasten können, entwickeln nicht wenige Ängste und Depressionen. Sie leiden unter den Hörproblemen und den Ohrgeräuschen und ziehen sich mehr und mehr aus dem sozialen Leben zurück.
Symptome: Unerwartet einsetzende Anfälle mit mal mehr, mal weniger ausgeprägter Schwerhörigkeit und Sprachverständnisproblemen, meist auf einem Ohr, sowie Tinnitus und Schwindel in Form von heftigem Drehschwindel. Dazu kommen oft Übelkeit bis hin zum Erbrechen, ein Druckgefühl im Ohrbereich. Später kann während der Attacke auch eine Fallneigung bestehen.
Diagnose: Wichtige Anhaltepunkte liefern dem Arzt die Krankengeschichte und die Schilderung der Symptome. Während der beschwerdefreien Zeit lässt sich die Erkrankung nicht immer eindeutig diagnostizieren. Wegweisend ist oft der Ausschluss anderer Erkrankungen. Hörtests ergeben eine Schallempfindungsschwerhörigkeit, bei der zunächst die tieferen Töne schlechter gehört werden, mit der Zeit dann auch mittlere und höhere. Dazu kommen ausgeprägte Sprachverständnisprobleme. Weitere Hörtest folgen, ebenso Gleichgewichtsprüfungen, die kennzeichnende Ergebnisse liefern.
Manchmal können spezielle Stoffwechseluntersuchungen zusätzlich Aufschluss geben. Der Arzt wird andere Innenohrerkrankungen wie einen Hörsturz, einen Tumor an den zuständigen Nerven oder Gefäßerkrankungen im Gehirn ausschließen. Mitunter sind dazu bildgebende Verfahren wie eine Kernspintomografie (Magnetresonanztomografie) vom Kopf- und Halsbereich angezeigt sowie weitere neurologische Untersuchungen.
Therapie: Die Phasen akuter Attacken behandeln die Ärzte häufig mit Medikamenten gegen Schwindel (Antivertiginosa) und Erbrechen (Antiemetika). Es kann auch eine Infusionsbehandlung infrage kommen, um den Flüssigkeits- und Salzhaushalt zu regulieren und die Innenohrdurchblutung anzuregen. Die weitere Therapie erfolgt oft mit Medikamenten, die ebenfalls gegen Schwindel wirken, wie Antihistaminika, Kalziumantagonisten oder manchmal auch kortisonhaltige Präparate.
Bei sehr schweren Krankheitsbildern erwägen die Ärzte auch Eingriffe, mit denen die erkrankten Hörsinneszellen und das Gleichgewichtsorgan ausgeschaltet werden. Das kann mit Medikamenten oder durch verschiedene Operationsmethoden geschehen. Hier sind Chirurgen an Spezialkliniken gefragt, die mit solchen mikrochirurgischen Eingriffen Erfahrung haben. Bei Gefäßproblemen können auch Operationen an den Gefäßen, die Hör- oder Gleichgewichtsnerv bedrängen, notwendig werden.
Bei bleibender Schwerhörigkeit kommen Hörgeräte zum Einsatz, gegen die Ohrgeräusche erweist sich oft ein umfassendes Therapieprogramm als hilfreich. Gezieltes Schwindeltraining stabilisiert das Gleichgewicht. Begleitende psychotherapeutische Unterstützung hilft den Betroffenen vielfach, besser mit ihrer Erkrankung umzugehen und keine psychischen Folgeerkrankungen zu entwickeln.
www.apotheken-umschau.de;
13.09.2005, aktualisiert am 26.03.2012
Bildnachweis: Panthermedia/Yuri Arcurs
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