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Schwerhörigkeit
Störungen am Hörnerv und in den Hörbahnen

Eine Schallempfindungsschwerhörigkeit kann auch von den Nerven ausgehen. Verantwortlich sind hier häufig Tumore im inneren Gehörgang und in angrenzenden Gehirnbereichen sowie entzündliche Prozesse


Liegt die Ursache für die Hörstörung bei den zuständigen Nerven, fällt es oft schwer, genau zu verstehen, was der andere sagt

Schallempfindungsstörungen, bei denen Nerven und Gehirnbereiche beteiligt sind, bezeichnen die Ärzte auch als neurale beziehungsweise zentrale Schwerhörigkeiten.

Liegt beispielsweise eine Wucherung am Hörnerv vor, wird der Schall zwar ordnungsgemäß durch das Hörorgan im Innenohr, die Kochlea, in elektrische Impulse umgewandelt, der beschädigte Nerv kann die Impulse aber nicht mehr einwandfrei an das Gehirn weiterleiten (neurale Schwerhörigkeit). Das trifft besonders komplizierte Tonfolgen wie die Sprache. Die Betroffenen hören dann zwar, dass etwas gesagt wird, aber sie können es nicht verstehen.

Ebenso können Erkrankungen im Gehirn dazu führen, dass das Gehörte dort nicht mehr richtig ausgewertet wird (zentrale Schwerhörigkeit). Das kann nach einem Schlaganfall auftreten, bei Demenzerkrankungen oder Entzündungen.


Akustikusneurinom (Vestibularisschwannom)


Sehr oft sind es Innenohrerkrankungen, die auf den Hörnerv übergreifen und damit die Weiterleitung der Nervenimpulse, die vom Hörorgan kommen, behindern (siehe dazu Kapitel „Wie wir hören“). Erkrankungen des Hörnervs selbst sind insgesamt selten. Eine davon ist eine gutartige Geschwulst, das Akustikusneurinom. Es entsteht zwar meist am Gleichgewichtsnerv, der unmittelbar neben dem Hörnerv verläuft, verursacht aber zunächst kaum Schwindelbeschwerden, sondern als Leitsymptom eine einseitige Schwerhörigkeit.

Der Tumor breitet sich im inneren Gehörgang aus und drückt auf die Nervenstränge des Hörnervs. Manchmal beeinträchtigt er auch in einem späteren Stadium den Gesichtsnerv (Nervus fazialis). Ein Akustikusneurinom kann auch einen Hörsturz auslösen (siehe Kapitel „Innenohrschäden“), der dann wieder vergeht. Der Tumor wächst nur langsam, die Hörstörung entwickelt sich deshalb meist schleichend.

Symptome: Typisch ist eine Hörminderung auf der erkrankten Seite, meist mit Ohrgeräuschen verbunden. Die Betroffenen bemerken die Schwerhörigkeit oft erst allmählich, wenn sie den Fernseher lauter stellen müssen oder Probleme haben, Gesprächen zu folgen. Es können auch wiederholt Hörstürze auftreten. Später kommen mitunter Schwindel und Gleichgewichtsstörungen, Kopfschmerzen und Taubheitsgefühle im Gesicht dazu, seltener auch Übelkeit und Erbrechen.

Diagnose: Bei Schwerhörigkeit und Tinnitus, vor allem auch, wenn der Betroffene häufiger Hörstürze erleidet, wird der Hals-Nasen-Ohren-Arzt dem Verdacht auf ein Akustikusneurinom nachgehen. Hörtests zeigen eine einseitige Schallempfindungsschwerhörigkeit, bei der einfache Töne oft noch gehört werden, Gesprochenes jedoch wesentlich schlechter, da der Nerv so ein kompliziertes Tongefüge nicht mehr weiterleiten kann.

Mit der sogenannten Hirnstammaudiometrie lassen sich spezielle Gehirnaktivitäten aufzeichnen. Daraus kann der Arzt oft ersehen, von wo aus die Hörminderung ausgeht. Gleichgewichtsprüfungen zeigen meist schon fehlerhafte Reaktionen, auch wenn der Patient noch keine Schwindelbeschwerden hat. Endgültig nachweisen lässt sich die Geschwulst in einer Kernspintomografie (Magnetresonanztomografie, MRT), die häufig schon noch sehr kleine Tumore zu erkennen gibt.

Therapie: Ein Akustikusneurinom wird in der Regel in einer Spezialklinik operativ entfernt. Zuständig dafür ist entweder ein Hirnchirurg (Neurochirurg) oder ein Otoneurochirurg, ein auf Eingriffe im Ohrbereich und an den Nerven spezialisierter HNO-Arzt. Die Operationsform richtet sich dann nach der Größe des Tumors, dem Grad der Hörstörung, dem Alter des Patienten und möglicher anderer Erkrankungen. Bei sehr kleinen Tumoren warten die Ärzte manchmal noch ab oder behandeln mit einer Röntgenbestrahlung, der sogenannten stereotaktischen Radiochirurgie. Die direkt auf den Tumor geleiteten Strahlen hindern ihn, weiterzuwachsen.


Andere Tumore im Bereich um das Innenohr, wie das Meningeom, verursachen meist die gleichen Beschwerden wie ein Akustikusneurinom und werden ebenso diagnostiziert. Eine notwendige Operation richtet sich auch nach der Lage der Geschwulst und muss immer in der Hand von Spezialisten liegen.


Entzündungen

Innenohrentzündungen können auch den Hörnerv in Mitleidenschaft ziehen. Infektionen mit bestimmten Viren, Pilzen und Bakterien greifen mitunter auch den Hörnerv an. Ebenso nicht-infektiöse entzündliche Prozesse im Rahmen einer multiplen Sklerose oder der Wegener Granulomatose.

– Herpes zoster oticus


Eine Infektion mit Herpes-Viren, eine Gürtelrose des Ohres (Herpes zoster oticus), zeigt sich augenfällig im äußeren Ohr, ergreift aber auch den Hör- und Gleichgewichtsnerven oder auch den Gesichtsnerv. Die Viren, die nach einer früher durchgemachten Windpockeninfektion im Körper verbleiben, können jahrelang in bestimmten Zellen ruhen und irgendwann wieder aktiv werden. Sie verursachen im äußeren Ohr typische Bläschen. Die Schäden am Hörnerv führen zu einer Schallempfindungsschwerhörigkeit.

Symptome: Schmerzen auf einem Ohr, gefolgt von Rötungen und Bläschen im Außenohr, das auch brennt. Etwas später kommen Hörprobleme und Schwindelbeschwerden dazu, manchmal auch Taubheitsgefühle oder Lähmungserscheinungen im Gesicht.


Diagnose und Therapie: Die Ohruntersuchung zeigt die kennzeichnenden Bläschen. Hörtests und Gleichgewichtsprüfungen geben Aufschluss darüber, wie weit die Nerven angegriffen sind. In Laboruntersuchungen von Bläschensekret und Blut lässt sich das Virus nachweisen. Zur Behandlung setzen die Ärzte bestimmte antivirale Medikamente wie zum Beispiel Aciclovir ein, und häufig zusätzlich kortisonhaltige Mittel.

Hier erfahren Sie mehr über die Gürtelrose.

– Hirnhautentzündung (Meningitis)


Durch Viren oder Bakterien hervorgerufene Entzündungen im Mittel- und Innenohr können unter Umständen ins Gehirn vordringen und eine Hirnhautentzündung, eine Meningitis, verursachen. Diese kann auch Folge einer Schädelverletzung oder schweren Nasennebenhöhlenentzündung sein. Die Entzündung kann neben anderen Hirnnerven den Hör- und den Gleichgewichtsnerv schädigen. Eine Meningitis muss umgehend behandelt werden, um schwere, mitunter lebensbedrohliche Verläufe abzuwenden.

Symptome: Die Betroffenen haben sehr starke Kopfschmerzen, hohes Fieber, eine steifen Nacken, Gliederschmerzen, Übelkeit und Erbrechen, eine Scheu vor Licht. Sind Hör- und Gleichgewichtsnerv angegriffen kommen ein Hörverlust auf einer oder beiden Seiten hinzu, Ohrensausen und Drehschwindel.

Diagnose und Therapie: Die Symptome geben deutliche Hinweise. Blutuntersuchungen und eine Liquorpunktion, bei der Nervenwasser im Bereich der Lendenwirbelsäule entnommen wird ermöglichen die Diagnose. Dazu kommen meist noch bildgebende Verfahren. In der Regel ist eine Behandlung im Krankenhaus erforderlich. Je nach Erreger setzen die Ärzte Antibiotika oder Mittel gegen Viren, Virostatika, oft zusammen mit kortisonhaltigen Präparaten ein, die über Infusionen zugeführt werden. Mitunter sind bei bestimmten Komplikationen auch Operationen notwendig.

Hier erfahren Sie mehr über Gehirnhautentzündung.

 

Andere Entzündungen und Erkrankungen im Gehirn


Entzündungen des Hörnervs selbst beruhen meist nicht auf Infektionen, sondern treten infolge entzündlicher Erkrankungen der Gehirnnerven auf, wie der Multiplen Sklerose. Hier bilden sich Entzündungsherde im Gehirn und im Rückenmark, die zu Veränderungen im Nervengewebe führen. Auch die Hörbahnen im Gehirn können davon betroffen sein. Sehstörungen, Gleichgewichts- und Bewegungsstörungen sind die vorherrschenden Symptome. Unter anderem können je nach Krankheitsverlauf Hörprobleme und Tinnitus dazukommen. Die Beschwerden treten schubweise auf und verschlimmern sich mit der Zeit. Diagnose und Behandlung der Multiplen Sklerose liegen in der Hand eines Neurologen.

Weitere Erkrankungen und Nervenschäden im Gehirn, etwa durch einen Schlaganfall, wirken sich mitunter ebenfalls auf die Hörbahnen aus und damit auf die Hörfähigkeit. Schwerhörigkeiten können auch durch eine Demenzerkrankung wie die Alzheimer-Krankheit begünstigt werden.



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www.apotheken-umschau.de; 13.09.2005, aktualisiert am 26.03.2012
Bildnachweis: Ingram/RYF

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