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Schwerhörigkeit
Internistische Erkrankungen als Ursache

Wenn Erkrankungen anderer Organe auch das Hörsystem mit erfassen, liegt das in der Regel in Durchblutungs- und Stoffwechselstörungen


Blutdruckmessen: Herz-Kreislauf-Untersuchungen gehören mit dazu, wenn es um Hörprobleme geht

Da Durchblutungs- und Stoffwechselprobleme in erster Linie das Innenohr betreffen, mitunter auch Hörnerven und Hörbahnen, stellt sich eine, häufig chronische Schallempfindungsschwerhörigkeit ein, die von Tinnitus und Schwindelbeschwerden begleitet werden kann.

Die Diagnose ergibt sich aus der häufig bekannten Krankengeschichte und dem Ausschluss typischer Innenohrerkrankungen. Die Therapie richtet sich immer nach der Grunderkrankung. Oft bessern sich dann auch die Hörprobleme.

 

Durchblutungsstörungen


Ein gestörter Blutfluss in den Gefäßen führt zu einer Mangelversorgung und kann damit akut oder chronisch das Hörorgan in seinen Funktionen behindern.


– Vertebralis-Basilaris-Insuffizienz


Verantwortlich können Ablagerungen oder Erkrankungen in den Gefäßen sein, die für das Innenohr direkt zuständig sind. Bei einer Vertebralis-Basilaris-Insuffizienz ist der Blutfluss in Gefäßästen der Halswirbelarterie (Arteria vertebralis) und der aus den beiden miteinander vereinigten Halswirbelarterien hervorgehenden Arterie im Hirnstamm, der Arteria basilaris, gestört. Diese ist eine wichtige Schlagader, die das Gehirn und auch das Innenohr versorgt.

Symptome: Als Leitsymptome treten Drehschwindel und Benommenheit auf, vor allem bei bestimmten Kopfbewegungen, sowie eine Hörminderung. Weitere Symptome können Tinnitus, Sehstörungen, Kopfschmerzen, Sturzattacken oder Ohnmachtsanfälle sein.

Diagnose und Therapie
: Die Diagnose ergibt sich aus den miteinander abgestimmten Untersuchungen mehrerer Fachärzte wie Hals-Nasen-Ohren-Arzt, Internist, Neurologe, Orthopäde und Radiologe. Gleichgewichtsprüfungen, Gefäßuntersuchungen und bildgebende Verfahren gehören häufig dazu. Die Behandlung richtet sich nach den bestehenden Grunderkrankungen. Ursachen können neben Gefäßerkrankungen und Stoffwechselstörungen auch Schäden an der Halswirbelsäule sein.

– Basiläre Migräne


Eine weitere mit anfallsartigem Schwindel, Schwerhörigkeit und Kopfschmerzen verbundene akute Regulationsstörung an der Arteria vertebralis und der Arteria basilaris (siehe oben) ist die basiläre Migräne, eine Sonderform der Migräne. Betroffen sind häufig Menschen, die auch mit Migräne zu tun haben, vor allem jüngere Frauen. Die Therapie richtet sich gegen die Beschwerden wie Schwindel und Erbrechen. Auch Migränemittel können hilfreich sein. Die Hörstörung legt sich meist nach der Akutphase.


Innere Erkrankungen


Zahllose Erkrankungen und Störungen anderer Körperfunktionen beeinflussen mitunter auch den Hörsinn nachteilig. Diagnose und Behandlung innerer Krankheiten liegen bei einem Internisten, der bei auftretenden Hörproblemen einen Hals-Nasen-Ohren-Arzt hinzuziehen wird.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Zu Durchblutungsstörungen und einer Mangelversorgung vieler Organe, des Gehirns und damit auch des Innenohrs kann eine Reihe von Gefäß- und Herzerkrankungen führen. Bluthochdruck, aber auch Blutdruckregulationsstörungen, etwa im Zusammenhang mit einem niedrigen Blutdruck, Arteriosklerose, Herzrhythmusstörungen oder Herzschwäche können hier mit verantwortlich für eine Hörminderung, Ohrgeräusche und vor allem Schwindel sein. Eine genaue Ursachenbestimmung für eine Schwerhörigkeit, die mit einer Herz-Kreislauferkrankung auftritt, ist jedoch häufig schwierig. Die Behandlung der Grunderkrankung kann allerdings auch bestehende Hörprobleme positiv beeinflussen.

Blutarmut wirkt sich auch auf die Innenohrdurchblutung und damit die Versorgung des Hörorgans aus. Neben einer Schallempfindungsschwerhörigkeit können auch Ohrgeräusche auftreten. Beide Beschwerden legen sich aber häufig, wenn das Blutbild durch eine geeignete Therapie wieder normale Werte aufweist.

Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes begünstigen ebenfalls Gefäßschäden sowie bei schlechter Blutzuckereinstellung weitere Folgeerkrankungen wie Schäden an den Nerven, die unter anderem auch Folgen für die Hörfunktionen haben können.

Schilddrüsenstörungen: Das sogenannte Pendred-Syndrom ist eine Erbkrankheit, bei der Fehlbildungen im Innenohr zu einer beidseitigen Schallempfindungsschwerhörigkeit führen. Gleichzeitig leiden die Betroffenen an einer bestimmten Form einer Schilddrüsenunterfunktion.

Eine Harnvergiftung (medizinisch Urämie) die bei einer Niereninsuffizienz auftreten kann, führt dazu, dass sich Stoffe, die normalerweise über den Harn ausgeschieden werden, im Blut ansammeln. Die Vergiftung im Rahmen der Nierenschwäche kann auch auf den Innenohrstoffwechsel übergreifen.

Erhöhte Blutfettwerte (Hyperlipidämie) schädigen auf Dauer die Gefäße und beeinträchtigen auch den Innenohrstoffwechsel mit Schwerhörigkeit als Folge. Fettstoffwechselstörungen sehen Mediziner auch als eine der möglichen Auslöser für einen Hörsturz (siehe Kapitel „Innenohrschäden“).

Mineralstoffmangel, etwa infolge von einseitiger Ernährung oder Essstörungen, gerät der Wasser-Salz-Haushalt im Körper aus dem Gleichgewicht. Das hat Auswirkungen auf den Stoffwechsel, viele Nerven- und Muskelfunktionen sowie die Blutbildung. Mediziner haben festgestellt, dass Hörprobleme vor allem bei einer Mangelsituation an Folsäure und Vitamin B12 auftreten.

Autoimmunerkrankungen: Eine Schallempfindungsschwerhörigkeit auf beiden Seiten, die sich manchmal rasch verschlechtert oder in der Intensität wechselt, kann auch im Rahmen einer auftreten. Das kommt vor allem bei eher seltenen Formen wie der Wegener-Granulomatose (siehe dazu im Kapitel „Mittelohrschäden“) oder dem Cogan-Syndrom vor.


Halswirbelsäulenschäden


In der Diskussion ist auch ein Zusammenhang zwischen Erkrankungen der Halswirbelsäule, Hörstörungen und Tinnitus.

Schäden an der Halswirbelsäule, etwa durch Unfälle oder Abnutzungserscheinungen, können sich möglicherweise auf das Innenohr auswirken, etwa wenn Nervenbahnen oder Arterien wie die Halswirbelarterie (Arteria vertebralis, siehe oben), die auch das Innenohr versorgen, mit beeinträchtigt sind. Die Folge ist mitunter ein sogenannter zervikaler Schwindel, den ein ein- oder beidseitiger Hörverlust mit Tinnitus begleiten kann.

Die Suche nach einer eindeutig zu belegenden Ursache gestaltet sich hier oft schwierig. Neben Hörtests und Gleichgewichtsprüfungen sind auch Untersuchungen beim Orthopäden angezeigt. Andererseits treten Störungen an der Halswirbelsäule und Schwerhörigkeit häufig gleichzeitig, aber unabhängig voneinander auf. Stress und Verspannungen begünstigen nicht selten beide Gesundheitsprobleme.



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www.apotheken-umschau.de; 13.09.2005, aktualisiert am 26.03.2012
Bildnachweis: Banana Stock/RYF

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