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Späte Mutterfreuden immer häufiger

Die Erstgebärenden werden immer älter. Der Gynäkologe Achim Wöckel erklärt Vor- und Nachteile


Viele Frauen wollen erst Karriere machen, bevor sie ein Kind bekommen

"Ach, Sie haben aber ein süßes Enkelkind!" Dieser Satz schmilzt Großmutters Herz. Beglückwünscht man hingegen dergestalt aus Versehen eine späte Mutter, dann bringt man sich vor fliegenden Rasseln und zweckentfremdeten Schmutzwindeln lieber schnell in Sicherheit. Es lohnt sich also, genau hinzusehen. Denn die Erstgebärenden werden immer älter. Deutsche Frauen bekommen heute ihr erstes Kind im Schnitt mit fast 30 Jahren, 1970 lag der Wert noch bei 24,3 Jahren.

Der Gynäkologe Dr. Achim Wöckel von der Universitätsfrauenklinik Ulm glaubt nicht, dass sich an dieser Tendenz vorerst etwas ändern wird. Er sieht den Grund für das zunehmende Alter der Mütter in dem steigenden gesellschaftlichen Druck, der heute auf der Damenwelt lastet. "Viele Frauen streben eine bestmögliche Ausbildung an. Sie wollen Karriere machen und auch finanziell selbstständig sein, bevor sie ein Kind in die Welt setzen."


Das Bild der jungen Familie mit dem Vater als Ernährer und der Mutter, die sich zu Hause um die Kleinen kümmert, wird also immer seltener. Wöckel sieht die Entwicklung mit gespaltenen Gefühlen. Zum einen hat eine später Mutterschaft sicherlich Vorteile: "Ältere Frauen erleben Kinderglück oft viel bewusster, als die jüngeren."

Aber es gibt auch einige Nachteile. Der optimale Zeitraum für eine Schwangerschaft ist laut Wöckel zwischen dem 25. und dem 35. Lebensjahr. In diesen Jahren sind die biologischen und hormonellen Voraussetzungen optimal. Danach nimmt die Gefahr von Komplikationen zu – man spricht von einer "Risikoschwangerschaft". Allerdings sollte man nicht vergessen, dass auch besonders junge Mütter, beispielsweise mit 16 oder 17 Jahren, ein erhöhtes Risiko tragen.

Risiken einer späten Schwangerschaft

"Je älter die werdende Mutter ist, desto höher ist beispielsweise ihr Risiko, an Schwangerschaftsdiabetes zu erkranken", erklärt der Gynäkologe. Der "Zucker" verschwindet zwar in rund 90 Prozent der Fälle mit Ende der Schwangerschaft wieder, aber die Betroffene hat eine erhöhte Gefahr, später zur Diabetikerin zu werden. Außerdem neigen auch die Kinder zu der Stoffwechselkrankheit, genau wie auch zu Übergewicht.

Des Weiteren erleiden ältere Mütter häufiger eine Präeklampsie – dem Volksmund auch als "Schwangerschaftsvergiftung" bekannt. Der Begriff umfasst eine Mehrzahl von Störungen, die während der Schwangerschaft auftauchen können. Als zentrales Problem gilt Bluthochdruck. "Der Körper der Mutter will eine drohende Unterversorgung des Embryos ausgleichen, und steigert daher den Blutdruck", erläutert Wöckel.

Weiter Symptome einer Präeklampsie sind eine Eiweißausscheidung mit dem Urin und Veränderungen des Blutbildes. Verschiedene Organe der Mutter können betroffen sein. Eine unbehandelte Schwangerschaftsvergiftung gefährdet Mutter und Kind ernsthaft. "Bei einer engmaschigen Überwachung der Schwangeren kann das Risiko jedoch deutlich gesenkt werden", so unser Gynäkologe.

Als dritte Gefahr lauert die Frühgeburt – oft verursacht durch einen aufsteigenden Infekt. Auch in diesem Fall sind ältere Mütter häufiger betroffen. Aus all diesen Gründen fordern Frauenärzte ihre Patientinnen, die jenseits der 35 noch ein Baby austragen auf, besonders oft zur Vorsorgeuntersuchung zu kommen.

Ein weiteres Argument ist das mit dem Lebensalter der Mutter steigende Risiko, dass das Kind mit Fehlbildungen oder der dem genetischen Defekt Trisomie 21 zur Welt kommt. "Allerdings sind die medizinischen Möglichkeiten heutzutage so weit fortgeschritten, dass die allgemeinen Gefahren insgesamt reduziert werden konnten", so Wöckel.

Und die psychischen Aspekte?

So viel zu den medizinischen Komplikationen, die auftreten können. Aber wie sieht es mit der psychologischen Seite aus? "Frauen, die ihr erstes Kind spät gebären, gehören prozentual häufiger einer Schicht mit höherem Bildungsniveau an", weiß Wöckel. Diese Frauen haben sich lange Zeit auf ihre Karriere konzentriert, daher sind sie häufig ein strukturiertes Umfeld gewöhnt. "Diese Patientinnen empfinden den unberechenbaren Faktor 'Kind' oft drastischer, als jüngere Mütter."

Auf der anderen Seite haben späte Schwangere sich meistens ganz bewusst für den Nachwuchs entschieden. "Das ist natürlich positiv", findet Wöckel. Die Frauen haben oft bereits viel erreicht und können sich nun entspannt auf das kleine Wesen konzentrieren. Meist haben sie nicht mehr die Sorge, etwas aufzugeben oder zu verpassen. Außerdem gibt es inzwischen in vielen Fällen einen Partner, dem die Vaterrolle wirklich zuzutrauen ist

Es gibt Altersgrenzen

Auch wenn 40-Jährige Frauen oft problemlos Nachwuchs bekommen können, ab einem bestimmten Alter hört die biologische Fortpflanzungsfähigkeit auf. Darüberhinaus gelingt eine Schwangerschaft nur noch mit medizinischer Hilfe. So brachte im Dezember 2007 eine 64-jährige Türkin in Aschaffenburg ein Kind zur Welt. Sie hatte sich im Ausland die mit Spermien ihres Mannes befruchtete Eizelle einer jüngeren Frau einsetzen lassen. In Deutschland wäre eine derartige Praktik verboten gewesen.

Für Achim Wöckel eine "sowohl biologisch als auch psychosozial mehr als fragwürdige" Tat. "Erstens ist der Organismus einer Frau in diesem Alter für eine Schwangerschaft überhaupt nicht mehr ausgelegt und zweitens wird die Mutter ihr Kind im Zweifelsfall überhaupt nicht mehr aufwachsen sehen!", so der Frauenarzt.



Sophie Kelm / www.apotheken-umschau.de; 30.04.2010, aktualisiert am 17.02.2011
Bildnachweis: BananaStock/RYF

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