Unterleibsschmerzen bei Männern und weitere Ursachen

Typische Auslöser für Schmerzen im Beckenbereich beim Mann sind Hodentorsionen oder Prostataentzündungen. Weitere Ursachen sind Rückenprobleme, Venenthrombosen oder die Fibromyalgie
von Andrea Blank-Koppenleitner, aktualisiert am 25.01.2017

Auch Männer können Unterleibsprobleme haben

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Hodentorsion: Schmerzen im Hoden und Unterbauch

Bei manchen Männern, oft im Kindes- und Jugendalter, sind die Hoden meist aufgrund einer anatomischen Veranlagung besonders beweglich. Dann kann es passieren, dass sich ein Hoden um den Samenstrang beziehungsweise zusammen mit ihm um die eigene Achse dreht. Zu einer solchen Hodenstiehldrehung kommt es mitunter auch bei Sportunfällen. Sie ist sehr schmerzhaft und muss sofort behandelt werden (Notfall!), da die Torsion im Samenstrang verlaufende Blutgefäße abdrückt und damit Hodengewebe zugrunde gehen kann.

Symptome: Erwachsene Männer erleben sofort nach dem Ereignis heftige Schmerzen im Hoden, oft auch in der Leistengegend sowie im Unterbauch. Übelkeit, Erbrechen, Blässe können dazukommen. Der betroffene Hoden verfärbt sich rötlich bis bläulich, ist geschwollen und steht meist etwas höher. Später kann ein Schockzustand mit Schweißausbrüchen und Herzrasen eintreten.

Hinweise bei kleinen Kindern sind unklare Bauchschmerzen, geschwollene, bläuliche Hoden, möglicherweise Erbrechen oder eine Schwellung in der Leistengegend.

Ausführliche Informationen zu Symptomen, Folgen, Diagnose und Therapien erhalten Sie im Ratgeber "Hodentorsion".

Anatomie beim Mann: Geschlechtsorgane

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Prostataentzündung: Unterbauchschmerzen, wenn es chronisch wird

Unterbauchschmerzen treten eher bei der chronischen Form der Prostataentzündung auf. Betroffen sind häufiger ältere Männer und solche, die einen Blasenkatheter tragen. Akute Entzündungen erleiden meist junge Männer durch aufsteigende Infektionen. Eine chronische Prostatitis entwickelt sich unter anderem im Zusammenhang mit einer Prostatavergrößerung, einer Harnröhrenverengung mit häufigen Harnwegsinfekten oder einer Krebserkrankung. Die genauen Ursachen sind jedoch noch nicht geklärt.

Symptome: Probleme und Schmerzen bei der Harnentleerung, Schmerzen im Dammbereich, eventuell auch im Unterleib, die in die Leisten und Lenden, manchmal auch bis in Kreuz ausstrahlen. Dazu können sexuelle Probleme wie Erektionsstörungen kommen.

Lesen Sie mehr zu Ursachen, Diagnose und Therapie von akuten und chronischen Krankheitsverläufen im Ratgeber "Prostataentzündung (Prostatitis)".

Zusammen mit einer Prostataentzündung, manchmal auch gesondert, tritt mitunter eine Samenblasenentzündung (ein- oder beidseitig) auf. Verantwortlich sind Infektionen mit Erregern, die unter anderem zu Harnröhrenentzündungen und sexuell übertragbaren Krankheiten führen.

Symptome: Kennzeichnende Beschwerden sind, ähnlich wie bei einer Blasenentzündung, Schmerzen und Probleme beim Wasserlassen. Dazu kommen Unterbauchschmerzen, oft auch nach dem Geschlechtsverkehr, und möglicherweise Blut im Urin oder Sperma. Eine chronische Entzündung hat bisweilen sexuelle Funktionsstörungen zur Folge.

Diagnose und Therapie erfolgen ähnlich wie bei einer Prostataentzündung (siehe Ratgeber).

Beckenvenenthrombose: Geschwollenes Bein, Schmerzen in Leiste und Unterleib

Hinter einseitigen Schmerzen in der Leistengegend kann eine Beckenvenenthrombose stecken. Ein Blutgerinnsel (Thrombus) in den tiefen Beinvenen kann sich von den Beinvenen in die Beckenvene verlagern (das passiert meistens auf der linken Seite) oder sich dort bilden. Das Gerinnsel blockiert mitunter den betroffenen Venenabschnitt oder löst sich und gelangt in ein Lungengefäß. Dann besteht die Gefahr einer lebensbedrohlichen Embolie.

Mit tiefen Bein- und/oder Beckenvenenthrombosen haben Frauen in der Schwangerschaft und im Wochenbett viermal so häufig zu tun wie außerhalb dieser Zeit. Aber auch die Pille (oder andere Verhütungsmittel, die entsprechende Hormone enthalten, wie der Vaginalring oder das Verhütungspflaster), erhöhen das Thromboserisiko etwas, vor allem im ersten Anwendungsjahr.

Bei Frauen kommen darüber hinaus noch andere Gründe zum Tragen, die auch für Männer zutreffen. Das können etwa eine krankhaft erhöhte Gerinnungsneigung des Blutes, höheres Alter oder mitunter auch eine Krebserkrankung sein.

Symptome: Hinweise auf eine Thrombose in den Beckenvenen sind häufig Schmerzen und Spannungsgefühle in der Leiste, die abnehmen, wenn sich der Betroffene hinlegt. Schwellungen in den Beinen und in der Leistengegend, auch auf einer Seite, Wärmegefühl und bläulich verfärbte Haut sind Warnzeichen, die unbedingt zum Arzt führen sollten.

Beinschwellungen sind in der Schwangerschaft bis zu einem gewissen Ausmaß normal. Eine Thrombose kann auch weitgehend unbemerkt verlaufen. Daher sollten schwangere Frauen oder Frauen, die mit der Pille oder vergleichbaren hormonellen Mitteln verhüten, im Zweifelsfall immer zum Arzt. Beim geringsten Verdacht auf eine Thrombose wird der Frauenarzt einen Venenspezialisten hinzuziehen, der die Situation im Vorfeld mit einer Ultraschalluntersuchung gut abklären kann. Das gilt ebenso für Menschen mit Venenproblemen.

Eingehend zu Ursachen, Diagnose und Therapie von Venenerkrankungen können Sie sich in den Ratgebern "Krampfadern (Varikose, Varikosis, Varizen)" und "Thrombose" informieren.

Rückenprobleme: Manchmal schmerzt es auch im Unterbauch

Probleme vor allem in den unteren Wirbelsäulenabschnitten machen sich mitunter auch in Unterleibsschmerzen bemerkbar. Dabei kann es sich unter anderem um Fehlbildungen und Abnutzungserscheinungen an der Lendenwirbelsäule und im Kreuzbein handeln (siehe dazu den Ratgeber "Schmerzen im Gesäß/Kreuz").

Auch ein Bandscheibenvorfall kommt in Frage. Hier stehen jedoch in der Regel ziehende, stechende Schmerzen im Kreuz, die bis ins Bein ausstrahlen, mitunter sogar Lähmungserscheinungen, im Vordergrund.

Fibromyalgiesyndrom: Vielfältige Beschwerden, auch Unterleibsschmerzen

Dieses vielschichtige Krankheitsbild, das mit Schmerzen in Gelenken und Muskeln sowie mit weiteren Krankheitszeichen einhergeht, kann auch mit Unterleibsschmerzen verbunden sein. Zu den oft beschriebenen Schmerzbereichen gehört auch ein Muskel, der am Beckenkamm ansetzt. Ebenso können häufig auftretende Blasen- und Darmprobleme Unterbauchbeschwerden auslösen. Die Erkrankung betrifft überwiegend Frauen. Die Beschwerden lassen sich nicht unmittelbar auf spezielle krankhafte körperliche Veränderungen zurückführen.

Die Ursachen für diese Schmerzerkrankung sind noch nicht geklärt. Unterschiedliche Faktoren spielen möglicherweise zusammen. Neuere Untersuchungen ergaben, dass kleinste Nervenfasern in der Haut, die Schmerzempfindungen weiterleiten, geschädigt sind. Dazu kommt eine veränderte Schmerzverarbeitung im Gehirn. Als Risikofaktoren gelten eine familiäre Veranlagung, starke psychische Belastungen, Übergewicht, Bewegungsmangel. Die Beschwerden können zudem infolge schon bestehender rheumatischer Erkrankungen sowie autoimmunologischer Bindegewebskrankheiten (Kollagenosen) auftreten.

Symptome: Kennzeichnend sind Schmerzen in Muskeln und Gelenken verschiedener Körperbereiche, beid- oder einseitig, die länger als drei Monate anhalten. Dazu kommen typischerweise Müdigkeit und Schlafstörungen. Vor allem morgens können Füße und Hände anschwellen, die Gelenke sind steif, der Kopf schmerzt. Zu weiteren Beschwerden gehören Reizdarm (siehe Kapitel "Darmprobleme") oder Reizblase (siehe Kapitel "Harnwege"), Unterleibsschmerzen, Menstruationsbeschwerden. Zudem treten Schweißausbrüche, Mundtrockenheit, Atemnot und viele andere mögliche Symptome auf.

Ursachen, Diagnose und Therapien sind eingehend im Ratgeber "Fibromyalgie" beschrieben.



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