Unterleibsschmerzen – Ursachen: Psyche

Zwischen der seelischen Verfassung und Magen-Darm-Beschwerden besteht bekannterweise eine enge Beziehung. Auch bei chronischen Unterleibsbeschwerden kann die Psyche eine wichtige Rolle spielen
von Andrea Blank-Koppenleitner, aktualisiert am 25.01.2017

Oft unterschätzt: Psychische Ursachen bei chronischen Unterbauchschmerzen

Stockbyte/RYF

Viele Menschen kennen das: Sie müssen ständig auf die Toilette, wenn sie sehr nervös sind. Kurzfristige Aufregung, zum Beispiel vor einer Reise oder einer Prüfung, vorübergehende Stressbelastungen, Kummer oder Freude schlagen sich oft spürbar in körperlichen Symptomen nieder. Die Unterleibsorgane reagieren besonders sensibel. Frauen haben dann oft stärkere Schmerzen vor oder während der Menstruation. Bei manchen setzt die Periodenblutung unregelmäßig ein oder ist besonders heftig, bei anderen fällt sie manchmal ganz aus.

Wenn die belastende Phase überstanden ist und Entspannung eintritt, beruhigt sich die nervöse Blase aber meist wieder. Ebenso legen sich dann das manchmal schmerzhafte Grummeln im Unterbauch, der Durchfall oder die Verstopfung, die der mitleidende Darm ausgelöst hatte.

Unklare Dauerschmerzen im Unterbauch

Unterleibsbeschwerden stellen sich manchmal jedoch dauerhaft ein, ohne dass ein unmittelbarer Zusammenhang zu einer Belastung zu erkennen wäre. Besonders Frauen leiden häufig unter Schmerzen im Unterbauch, für die der Arzt auch nach eingehenden Untersuchungen keine körperlichen Ursachen feststellen konnte. Dann liegt es nahe, möglichen seelischen Auslösern auf den Grund zu gehen.

Ständige Überlastung im Alltag, wenn Frauen zum Beispiel allen Anforderungen gerecht werden wollen oder unter einem manchmal auch selbst gesetzten hohen Perfektionsdruck stehen, kann zu Dauerschmerzen führen. Probleme in der Partnerschaft oder mit der Sexualität, traumatische Erlebnisse wie Missbrauch verbergen sich bisweilen hinter permanenten Unterleibsbeschwerden.

Depressionen gehen neben charakteristischen psychischen Symptomen oft mit körperlichen Leiden in unterschiedlichen Bereichen einher. Depressiv erkrankte Frauen empfinden nicht selten krampfartige Schmerzen oder Druckgefühle im Unterleib und haben mit Zyklusunregelmäßigkeiten, Verstopfung oder Blasenproblemen zu kämpfen.

– Chronisches Unterbauchschmerzsyndrom

Über längere Zeit immer wiederkehrende oder dauerhafte Unterleibsschmerzen ohne organische Ursache können zudem Ausdruck eines chronischen Unterbauchschmerzsyndroms sein. Mediziner ordnen dieses psychosomatische Beschwerdebild auch als sogenannte somatoforme Störung (von altgriech. soma = Körper) ein. Tief sitzende psychische Probleme, bestimmte Einflüsse und Persönlichkeitsstrukturen äußern sich hier in körperlichen Symptomen. Zudem kann eine erhöhte Reizempfindlichkeit im Bereich von Hormonen, Nerven sowie des Immunsystems eine Rolle spielen. Männer und Frauen sind etwa gleich oft davon betroffen.

Symptome: Es stellen sich häufig Unterbauchschmerzen ein, aber auch Herzbeschwerden, Brustschmerzen, Magen-Darm-Probleme oder andere Funktionsstörungen. Die Beschwerden können einen oder mehrere Organbereiche erfassen. Dazu kommen häufig psychische Symptome wie Schlafstörungen, Ängste, Niedergeschlagenheit, Konzentrationsstörungen.

Frauen, die mit Unterleibsbeschwerden aufgrund einer somatoformen Störung zu tun haben, suchen nicht selten mehrere Ärzte auf und lassen eine Vielzahl von Untersuchungen und teilweise Operationen über sich ergehen, ohne Ergebnisse. Das kann von mehrfachen Bauchspiegelungen bis hin zu Gebärmutterentfernung und anderen Maßnahmen gehen. Die Eingriffe haben dann mitunter Folgen, die die Beschwerden nur noch verstärken. Dazu gehören einmal Vernarbungen, die weitere Schmerzen hervorrufen, zum anderen damit verbundene psychische Belastungen. Anspannung und Sorge nehmen zu und mit ihr die Krankheitszeichen. Die möglichen verdeckten Konflikte verhärten sich, ohne Auflösung zu finden.

Diagnose und Therapie von psychosomatischen Unterleibsschmerzen

Die Krankengeschichte und die Lebenssituation seines Patienten geben dem Arzt oft schon erste Anhaltspunkte. Der Arzt wird jedoch immer zuerst möglichen körperlichen Ursachen nachgehen. Lässt sich auch nach eingehenden Untersuchungen kein organisches Leiden finden, kann ein offenes Gespräch zwischen Arzt und Patient über eventuelle psychische Gründe wegweisend sein. Der Hausarzt, Frauenarzt, Internist oder Spezialist für Magen-Darm-Krankheiten (Gastroenterologe) zieht dann in der Regel einen Psychiater und/oder Psychotherapeuten hinzu. Diese Spezialisten stellen mit entsprechenden Tests und in ausführlichen Gesprächen die weitere Diagnose.

Daneben gibt es eine Reihe von körperlichen Erkrankungen wie bestimmte Autoimmunerkrankungen, bei denen die Kranken psychische Begleitsymptome entwickeln, die eine zusätzliche somatoforme Störung verursachen. Auch hier müssen die Ärzte das vielfältige Krankheitsgeschehen im Blick behalten, und passende Zusatztherapien einleiten.

Psychotherapeutische Verfahren und eine Therapie mit geeigneten Medikamenten richten sich immer individuell nach dem Krankheitsbild. Bei Depressionen und somatoformen Störungen haben sich unter anderem verhaltenstherapeutische Maßnahmen als erfolgreich gezeigt.

Selbsthilfe bei Unterleibsbeschwerden: Seelische Ausgeglichenheit und körperliche Fitness

Entspannungsverfahren und gezieltes Stressmanagement helfen vielen Menschen mit nicht krankhaften Unterleibsbeschwerden, loszulassen und wieder Ruhe in ihre Basis zu bringen.

Auch wer mit Frauenleiden, Darmerkrankungen oder anderen körperlichen oder psychischen Krankheiten zu tun hat, kann durch bewusstes Entspannen den Heilungsprozess unterstützen. Ausreichend körperliche Bewegung und eine gesunde, ausgewogene Ernährung tragen ihr Übriges dazu bei, um den unteren Bauch zu entlasten und ihn zusammen mit anderen wichtigen Körperregionen zu stärken.


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