Ein Indianer kennt keinen Schmerz, lautet ein geflügeltes Wort. Doch medizinisch gesehen ist das falsch. Schmerzen üben eine wichtige Warnfunktion des Körpers aus. Daher sollten sie ernst genommen und, wenn möglich, gar nicht erst chronisch werden. Allerdings ist nicht jedes Unwohlsein oder Zwicken immer ein Hinweis auf eine schlimme Erkrankung. Bei diesen sieben Schmerzarten gilt es, besser möglichst rasch zum Arzt gehen:
Signal Nummer 1: Kopfschmerzen
Häufig wissen wir ziemlich genau, warum uns Kopfschmerzen plagen: zu viel Alkohol am Vorabend getrunken, zu viel geraucht, zu lange ohne Kopfbedeckung in der Sonne gewesen, zu wenig Flüssigkeit aufgenommen, viel Stress gehabt. Frauen leiden manchmal während des Zyklus aufgrund von Hormonschwankungen unter Kopfschmerzen. Zu den Umständen, die Kopfschmerzen begünstigen können, zählen zudem Verspannungen der Nackenmuskulatur – etwa, wenn man Zugluft abbekommen hat oder in schlechter Haltung zu lange vor dem Computer saß. Den Arztbesuch nicht lange herauszögern sollte ein Kopfschmerzgeplagter bei Erkältungen oder Entzündungen der Nasennebenhöhlen, Ohren oder Zähne. Wer das Gefühl hat, er habe plötzlich noch nie gekannte, fürchterliche, geradezu vernichtende Kopfschmerzen, muss sofort in die Notaufnahme! Es könnte eine Hirnblutung dahinter stecken. Grundsätzlich sollten alle Kopfschmerzen, die neu auftreten oder sich verändern, einmal vom Arzt abgeklärt werden – um die optimale Therapie zu finden, und um (seltene) ernste Ursachen wie einen Hirntumor auszuschließen.
Signal Nummer 2: Brustschmerzen
Wenn die Brust plötzlich schmerzt, kann das ganz unterschiedliche Ursachen haben: Im schlimmsten Fall zum Beispiel eine Erkrankung des Herzens oder der Lunge (etwa Lungenembolie). Möglich sind aber auch eine Rippenfellentzündung, Erkrankungen der Speiseröhre oder Bauchspeicheldrüse, der Muskeln, Knochen, Nerven oder der Psyche. Menschen, deren schon bekannte Brustschmerzen sich verändern, zum Beispiel intensiver auftreten oder länger dauern als sonst, sollten unbedingt zum Arzt. Wenn erstmals Brustschmerzen auftreten, insbesondere falls Verdacht auf Herzinfarkt besteht – also bei Enge- oder Druckgefühl hinter dem Brustbein oder über dem Herzen – gilt: Sofort den Notarzt holen!
Signal Nummer 3: Schmerzen zwischen den Schulterblättern oder im unteren Rücken
Wem der Bereich zwischen den Schulterblättern weh tut, sollte ebenfalls zum Arzt gehen. Zahlreiche Ursachen kommen infrage: von einer Arthritis im weitesten Sinn bis zum Herzinfarkt – letztlich ähnlich wie bei Brustschmerzen. Wenn der untere Rücken streikt, kann auch mal ein Unterleibsproblem dahinter stecken. Grundsätzlich gilt: Alle Rückenschmerzen sollten ernst genommen werden. Es muss ja nicht immer gleich an der Bandscheibe liegen. Dennoch gelten auch Rückenschmerzen als wichtiges Warnsignal, das abgeklärt werden sollte.
Signal Nummer 4: Starke Unterleibsschmerzen
Da stellt sich natürlich zunächst die Frage: Haben Sie Ihren Blinddarm noch? Falls ja, bloß nicht zögern, da es sich um eine Blinddarmentzündung handeln könnte. Auf keinen Fall einen Durchbruch riskieren und deswegen schnell zur Notaufnahme eines Krankenhauses fahren. Aber auch Menschen ohne Blinddarm sollten Unterleibsschmerzen nicht auf die leichte Schulter nehmen. Die Beschwerden können unter Umständen Anzeichen einer Nierenbeckenentzündung sein oder von Harnleitersteinen, einem Leistenbruch oder einer Eileiterschwangerschaft, die schnell gefährlich werden kann, ausgehen. Manchmal kann auch der Dickdarm dahinter stecken. Das sind natürlich nur einige der möglichen Ursachen. Bevor Sie lange leiden und womöglich Ihre Gesundheit riskieren – bei starken Schmerzen im Unterleib immer zügig einen Arzt aufsuchen!
Signal Nummer 5: Schmerzen in Wade, Leiste oder Kniebeuge
Nicht zu unterschätzen ist die Gefahr einer Thrombose. Wenn in den tiefen Beinvenen ein Blutgerinnsel entsteht, führt das oft zu Schwere- und Spannungsgefühl sowie zu ziehenden Schmerzen in der Wade. Manchmal tut es auch in der Kniebeuge, mitunter in der Leiste weh. Dahinter können sich allerdings noch viele andere Ursachen verbergen. Lösen sich Blutgerinnsel aus den Beinvenen, kann das eine unter Umständen tödlich verlaufende Lungenembolie auslösen. Wer also Schwellungen und Schmerzen in den Waden spürt, sollte sofort zum Arzt. Besonders gefährdet sind unter anderem Bettlägerige, Schwangere, Menschen, die lange mit abgewinkelten Beinen etwa im Flugzeug sitzen, Menschen mit Übergewicht oder Krampfadern.
Signal Nummer 6: Brennende Füße oder Beine
Wenn Füße oder Beine brennen, sich anfühlen, als würden sie mit Nadeln gestochen werden, empfiehlt es sich, einen Arzt aufzusuchen. Denn diese Beschwerden können eventuell auf eine Nervenschädigung bei Diabetes hindeuten. Daneben kommen verschiedene andere Ursachen infrage.
Signal Nummer 7: Unerklärliche Schmerzen
Unterschiedliche Schmerzen, für die die Ärzte auch nach gründlicher Untersuchung keine Erklärung finden, können zum Beispiel auf eine Depression hindeuten. Weitere Anzeichen: Wer an einer Depression erkrankt, verliert oft das Interesse an Aktivitäten, die ihm früher Spaß gemacht haben. Er kann sich nicht mehr richtig konzentrieren, das Denken fällt schwer, er zieht sich zurück. Bei Depressionen ist es besonders wichtig, sich rechtzeitig Hilfe zu holen. Den meisten Patienten kann sehr gut geholfen werden. Auch eine Fibromyalgie kann mit zunächst unerklärlichen Schmerzen verbunden sein.
Achtung: Diese Aufzählung stellt nur eine Auswahl wichtiger Symptome dar. Auch viele weitere – nicht genannte Beschwerden oder Schmerzen – können unter Umständen problematisch sein und einen raschen Arztbesuch erforderlich machen. Im Zweifel gilt deshalb immer: Den Arzt um Rat fragen.
Sibylla Machens / www.apotheken-umschau.de;
11.05.2010, aktualisiert am 25.06.2010
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