Gesichtsschmerzen: Trigeminusneuralgie

Schmerzen im Gesicht können von Nerven ausgehen. Am häufigsten ist eine Trigeminusneuralgie
von Andrea Blank-Koppenleitner, aktualisiert am 25.11.2014

So verläuft der Trigeminusnerv

W&B/Ulrike Möhle

Trigeminusneuralgie

Schmerzquelle: Schmerzen, die vom fünften Hirnnerv, dem Trigeminusnerv, ausgehen, gehören zu den heftigsten Schmerzerfahrungen überhaupt. Trigeminus ist das lateinische Wort für Drilling. Die drei Hauptäste des Nervs versorgen wichtige Gesichtsabschnitte mit Sensibilität, wie die Stirn und den angrenzenden Kopfbereich, Augen und Nase sowie die Regionen um Oberkiefer, Unterkiefer- und Kinn. Darüber hinaus sind sie für die Aktivität (Motorik) zum Beispiel der Kau- und Schläfenmuskulatur zuständig.

Der Nerv kann in seinem gesamten Verlauf irritiert werden. Das kann durch ein benachbartes, verändertes Blutgefäß im unteren Gehirnabschnitt (Hirnstamm) geschehen – eine häufige Erscheinung bei Formen der Trigeminusneuralgie, bei denen keine erkennbare Grunderkrankung festzustellen ist. Ebenso sind mitunter auch der Nervenknoten unten in der Schädelbasis (Felsenbein) betroffen sowie natürlich die Abschnitte, die im Gesicht selbst verlaufen.

Symptome: Die Schmerzen schießen meist auf einer Seite unvermittelt scharf und stechend ein, vornehmlich oberflächlich am Kinn sowie an der Wange, dort besonders auch an der Falte von der Nase zum Mund, aber auch die Zähne können weh tun. Die Attacken halten oft nur Sekunden an und können in kurzen Abständen mehrmals hintereinander an einem Tag auftreten. Danach folgen längere, schmerzfreie Phasen, bis der nächste Anfall eintritt. Bei wenigen Betroffenen bleibt dazwischen ein dumpfes Dauerschmerzgefühl bestehen. Häufig sind es bestimmte Ereignisse, die die blitzartigen Schmerzen auslösen, sogenannte Trigger, etwa ein Luftzug, eine Berührung im Gesicht, Zähneputzen, Kauen oder Sprechen, aber auch Stresssituationen. Im Zuge einer Schmerzattacke kommt es mitunter auch zu Muskelkrämpfen auf der betroffenen Gesichtsseite.

Manchmal lässt sich eine zugrunde liegende Erkrankung feststellen, die zu den Nervenschmerzen führt. Das kann ein Hirntumor sein, eine Multiple Sklerose oder die Folge einer Kopfverletzung. Dann fehlen oft die beschwerdefreien Phasen zwischen den Attacken und es können beide Gesichtsseiten betroffen sein. Auch haben die Patienten nicht selten Gefühlsstörungen in dem erkrankten Bereich. Bei solchen Beschwerden wird der Arzt prüfen, ob hier nicht eher eine Trigeminusneuropathie vorliegt, bei es zu einer Nervenschädigung gekommen ist (siehe auch Kapitel "Weitere Ursachen").

Diagnose: Der typische Schmerzverlauf gibt dem Arzt meist schon wesentliche Hinweise. Weiterführende Untersuchungen nimmt in der Regel ein Neurologe vor. Er wird feststellen, ob eine Nervenerkrankung, ein Tumor oder Verletzungen vorliegen, und andere Formen von Gesichtsschmerzen ausschließen. Dazu kann er eine Kernspin- oder Computertomographie veranlassen, ebenso Bluttests und je nach Verdacht gegebenenfalls eine Untersuchung von Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit (sogenanntes Nervenwasser oder Liquor) sowie weiterführende Untersuchungen bei einem HNO-Arzt, Kieferorthopäden oder Zahnarzt.

Therapie: Liegt keine erkennbare Grunderkrankung vor, stehen zunächst Medikamente und teilweise auch operative Eingriffe als Therapiemaßnahmen zur Verfügung. Hier kommt es jedoch darauf an, dass die Diagnose eindeutig gestellt wurde, damit keine unnötigen Eingriffe, etwa im Zahn- und Kieferbereich, vorgenommen werden, die das Leiden nicht lindern, sondern unter Umständen nur noch erhöhen. Schmerzmittel helfen nicht, da die Attacken zu kurz sind. Mittel der ersten Wahl sind Antiepileptika, Medikamente zur Behandlung von Epilepsien. Sie können den Schmerzanfällen vorbeugen, da sie auch auf die Erregbarkeit und Leitungsfähigkeit schmerzempfindlicher Nervenbahnen einwirken.
Operationen
erwägen die Ärzte nur, wenn Medikamente nicht helfen können oder die Schmerzursache einen chirurgischen Eingriff nahelegt, etwa bei einem Tumor oder mitunter bei Multipler Sklerose. Operative Maßnahmen zielen vornehmlich darauf ab, den gereizten oder unter Druck stehenden Nerven zu entlasten (Dekompression) oder die Schmerzleitung durch Ausschaltung am Nervenknoten zu unterbinden. Das kann mit Verfahren wie der Thermokoagulation geschehen, oder auch in radiochirurgischer Behandlung mit dem sogenannten Gamma-Knife, neuerdings zum Teil auch Cyber-Knife. Hier fokussiert ein spezielles Bestrahlungsgerät, beim Cyber-Knife eine Art Operationsroboter, Strahlenenergie präzise auf das Gewebe. Es wird damit gewissermaßen messerscharf, aber ohne Skalpell beseitigt oder ausgeschaltet.
Bleibende Folgen von operativen Eingriffen können Gefühlsstörungen, seltener Hör- oder auch Hornhautstörungen und damit Sehprobleme sein. Auch kommt es immer wieder zu Rückfällen.


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