Ober- und Unterkiefer passen nicht richtig aufeinander: Ein "falscher Biss" kann Gesichtsschmerzen verursachen
Kraniomandibuläre Dysfunktionen (Fehlfunktionen im Zahn- und Kieferbereich)
Schmerzquelle: Der medizinische Fachbegriff kraniomandibulär setzt sich zusammen aus dem lateinischen Wort cranium, Schädel, und mandibula, Unterkiefer, und bezieht das ganze Kausystem mit ein. Dazu gehören Ober- und Unterkiefer, Kiefergelenke, Zähne und Kaumuskeln. Fehlstellungen der Kiefer oder Zähne („falscher Biss“) führen zu Muskelverspannungen und –überlastungen. Auch nächtliches Zähneknirschen (Bruxismus) wirkt sich auf Zähne und Kiefergelenk aus. Zähne werden abgerieben, splittern oder lockern sich, die Fehlfunktionen verstärken sich, das Kiefergelenk verändert sich krankhaft durch Entzündungen oder Verschleiß. Entzündet kann es allerdings auch im Rahmen einer rheumatoiden Arthritis sein.
Die Veränderungen können ebenso Folgen für die Halswirbelsäule haben. Umgekehrt lösen auch Muskel- und Strukturprobleme an der Halswirbelsäule (Verschleiß, Wirbelgelenkarthrosen, knöcherne Anbauten der Wirbelkörper) mitunter Muskelschmerzen im Gesicht aus. Die unangenehmen Schmerzen beeinflussen häufig auch die Psyche. Ebenso führen seelische Belastungen nicht selten zu Verspannungen und Fehlhaltungen mit entsprechenden Schmerzfolgen.
Symptome: In erster Linie leiden die Betroffenen unter Schmerzen in den Gesichts- und Kaumuskeln sowie den Kiefergelenken. Die Beschwerden können beim Kauen oder durch Bewegen des Kiefergelenks ausgelöst werden. Manchmal knackt oder reibt es dabei auch. Die Patienten haben zudem oft Probleme, den Kiefer weit zu öffnen, die Gelenke selbst bzw. die Gelenkkapseln können druckempfindlich sein. Dazu können weitere Leiden wie Zahnschmerzen, Kopfschmerzen, Schwindel, Tinnitus, Schulter- und Rückenschmerzen kommen, aber auch depressive Verstimmungen bis hin zu ernsten Depressionen.
Diagnose: Das Schmerzbild und entsprechende zahnärztliche und kieferorthopädische Untersuchungen, eventuell mit Röntgenaufnahme, geben meist schon entscheidende Hinweise. Auch die psychische Situation der Betroffenen sollte der Arzt mit einbeziehen. Allerdings werden Gesichtsschmerzen manchmal vorschnell dem Zahn-Kiefer-Bereich zugeordnet, was dann teilweise unnötige Eingriffe zur Folge hat. Deshalb ist es wichtig, dass andere Schmerzformen ausgeschlossen werden.
Therapie: Die Schmerzen legen sich in der Regel nach erfolgreicher Therapie der Ursache. Je nach zugrunde liegendem Störungsbild können schon kleine Zahnkorrekturen genügen. Aufwendigere Sanierungen im Zahn- und Kieferbereich sind in der Regel nur notwendig, wenn die Schäden eindeutig festgestellt wurden. Sogenannte Aufbiss-Schienen helfen, Fehlhaltungen zu korrigieren oder nächtliches Zähneknirschen zu beseitigen. Manuelle Therapie, Physiotherapie und Entspannungsverfahren tragen dazu bei, die Muskulatur zu entlasten und Stress abzubauen. Eine wirksame Muskelentspannung lässt sich manchmal mit Hilfe einer elektrischen Nervenstimulation über die Haut (TENS = transkutane elektrische Nervenstimulation) erreichen. Die Patienten können das Verfahren selbst zu Hause anwenden. Aus einem tragbaren Gerät kommen elektrische Impulse, die über Elektroden durch die Haut ins Nervensystem gelangen, die Schmerzweiterleitung hemmen und die irritierten Nerven beruhigen können. Des Weiteren werden die Ärzte je nach Schmerzzustand den Einsatz von schmerz- und entzündungshemmenden oder muskelentspannenden Medikamenten sowie von Antidepressiva vorschlagen.
Andrea Blank-Koppenleitner / www.apotheken-umschau.de;
24.03.2009, aktualisiert am 15.09.2011
Bildnachweis: Ingram/ RYF
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