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Wie Vorhoffflimmern zu einem Schlaganfall führt

Vorhofflimmern, eine Herzrhythmusstörung, verursacht zahlreiche Schlaganfälle. Konsequentes Messen der Blutgerinnung könnte das in vielen Fällen verhindern


Kommt es zu einem Schlaganfall, kann das Herz (rot eingezeichnet) schuld sein

Einen winzigen Blutstropfen, einen Teststreifen und ein Messgerät: Mehr braucht Marianne Klas nicht, um mit ihrem persönlichen Minilabor eine einfache, aber lebenswichtige Diagnose zu stellen. Alles in Ordnung, weiter wie bisher – oder: Zielbereich verfehlt, Tablettendosis ändern. „Das ist eine Sache von fünf Minuten“, berichtet die 71-Jährige. „Es vermittelt mir Sicherheit und erspart mir viele lästige Arztbesuche.“   



Marianne Klas leidet seit rund zehn Jahren an Bluthochdruck und Vorhofflimmern. Die Vorhöfe ihres Herzens, in denen sich das aus Körper und Lunge zurückströmende Blut sammelt, leiten dieses nicht aktiv an die Hauptkammer des Organs weiter. Statt kraftvoll zu pumpen, zittern die Vorhöfe lediglich – eine Folge ungeordneter Impulse in den Nervenfasern. Rund eine Million Menschen in Deutschland leiden daran.


Vorhofflimmern selbst ist nicht lebensbedrohlich. Es kann aber langfristig schwere Folgen wie eine Herzschwäche nach sich ziehen – und birgt auch eine akute Gefahr. Weil der Fluss des Blutes in den zitternden Vorhöfen stockt, droht es zu gerinnen. Wird ein solcher Blutpfropf ausgeschwemmt, kann er ein Gefäß verstopfen, schlimmstenfalls eine Ader im Gehirn. Ein Schlaganfall ist dann die Folge.

15 bis 25 Prozent der Schlaganfälle gehen auf das Konto von Vorhofflimmern, schätzen Experten. Doch mehr als die Hälfte davon ließe sich verhindern, unter anderem, indem die Gerinnungsfähigkeit der Blutflüssigkeit gesenkt wird. Dies bewirken die Tabletten mit dem Wirkstoff Phenprocoumon, die Marianne Klas täglich nimmt. Sie agieren als Gegenspieler des Vitamins K. Dieses ist an mehreren Schritten der Reaktionskaskade beteiligt, die das Blut gerinnen lässt.

Falsch dosiert, hat Phenprocoumon jedoch eine gefährliche Nebenwirkung: Hemmt es die Blutgerinnung zu stark, steigt die Gefahr von Blutungen, die ebenfalls das Leben bedrohen können. Hinzu kommt: Jene Arzneidosis, bei der die Schlaganfallgefahr sinkt und das Blutungsrisiko noch nicht wesentlich steigt, hängt von vielen individuellen Faktoren ab – vom Erbgut, von der Ernährung, von der Wechselwirkung mit anderen Medikamenten.

Deshalb muss die Gerinnungsneigung des Blutes individuell eingestellt und laufend überprüft werden. Bei Vorhofflimmern liegt der dabei zu erreichende Zielbereich bei einer „INR“ (International normalized ratio) von zwei bis drei, das heißt, die Gerinnung braucht die doppelte bis dreifache Zeit. Wer künstliche Herzklappen hat, benötigt sogar eine noch stärkere Blockade. „Diesen Wert sollte man im Normalfall einmal wöchentlich kontrollieren“, sagt Dr. Heribert Brück, niedergelassener Kardiologe in Erkelenz. Dazu ist im Prinzip ein Besuch beim Arzt nötig, der die Blutprobe ans Labor schickt. Doch weil viele Patienten die häufigen Termine nicht einhalten können oder wollen, verstreicht zwischen zwei Messungen oft viel mehr Zeit. „Besonders als ich noch berufstätig war, war das sehr lästig“, bestätigt Marianne Klas.

Patienten wie der früheren Berufsschullehrerin kann Heribert Brück eine deutlich komfortablere Lösung anbieten: das Minilabor zu Hause. Mit einem handlichen, einfach zu bedienenden Gerät misst die Pensionärin seit zwei Jahren ihren Gerinnungswert selbst. „Wenn mein Leben in normalen Bahnen verläuft, ich nicht verreise, nicht erkältet bin, dann messe ich ziemlich konstant 2,5“, sagt sie. Sie ist „gut eingestellt“, heißt das im Fachjargon der Ärzte.



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Dr. Reinhard Door / Apotheken Umschau; 21.09.2010
Bildnachweis: Fotolia/Sebastian Kaulitzki/2010

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