Die Symptome eines Schlaganfalls erkennen

Bei einem Hirnschlag zählt jede Minute. Welche Anzeichen auf einen Schlaganfall hinweisen können und was dann zu tun ist
von Dr. Martina Melzer, aktualisiert am 10.05.2017

Verschwommene Sicht? Auf einen Schlaganfall können viele Symptome hindeuten

Stockbyte/ RYF

Ein Paar sitzt gemütlich auf der Terrasse. Die Frau will aufstehen – doch ihr Bein reagiert nicht, ist wie taub und lässt sich nicht bewegen. Denken Sie in diesem Moment an einen Schlaganfall? Wohl nicht. Und genau darin liegt die Gefahr, sagt Professor Martin Grond.

"Die Symptome sind ziemlich unspektakulär und wirken wenig bedrohlich", erklärt der Neurologe. Grond leitet die neurologische Klinik am Kreisklinikum Siegen und ist Vorsitzender der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft. Seiner Erfahrung nach gehört die oben genannte Lähmungserscheinung zu den häufigsten Anzeichen eines Hirninfarkts.

Typische Symptome im Überblick:

•  Lähmungserscheinungen: Die Lähmung taucht meistens einseitig auf und kann Bein, Fuß, Arm oder Hand betreffen. Es können mehrere Regionen gleichzeitig funktionsunfähig sein. Auch wenn Sie auf einmal Ihren Arm nicht mehr heben und eine Tasse nicht mehr greifen können, sollten Sie aufmerksam werden.

•  Einseitige Lähmung im Gesicht, Sprechstörungen: Ein herabhängender Mundwinkel, auch erkennbar durch schiefes Grinsen, kann auf einen Schlaganfall hinweisen. Sprachprobleme beschreibt Experte Grond als eine Art Kauderwelsch, bestehend aus komischen Wörtern oder zusammenhangslosen Satzteilen. Es ist auch möglich, dass Sie Ihr Gegenüber nicht mehr richtig verstehen.

•  Weitere Symptome: Es kann zu einseitigem Erblinden, Doppelbildern oder verschwommenem Sehen kommen. Mehr Beschwerden können Sie in unserem Ratgeber nachlesen: Schlaganfall.

Weitere Hinweise auf einen möglichen Schlaganfall

Bemerken Sie bei einem Menschen solche Anzeichen, können Sie folgende Schritte austesten: Fordern Sie den Betroffenen zum Lächeln auf. "Grinst er schief und schneidet eine Art Grimasse, ist dies ein Warnzeichen", so Grond. Sagen Sie der Person, sie soll die Arme hochhalten, anschließend die Beine nacheinander hochheben und die Position für jeweils mindestens fünf Sekunden halten. Schafft derjenige das nicht und sacken Arm oder Bein ungewollt in sich zusammen, kann dies ebenfalls auf einen Hirninfarkt hindeuten. Bitten Sie Ihr Gegenüber, einen einfachen Satz zu sagen, zum Beispiel "Heute ist es schön". Bereitet der Satz Probleme, ist auch das ein Hinweis.

Warten Sie nicht ab! Treten die Symptome eines Schlaganfalls auf, dann rufen Sie sofort die Notrufnummer 112 – auch wenn Sie sich unsicher sind. Sagen Sie dem Rettungsdienst, dass ein Schlaganfall vorliegen könnte. Bis der Notarzt eintrifft, sollten Sie Ruhe bewahren. Verliert der Betroffene das Bewusstsein, müssen Sie Erste Hilfe leisten. "Auf keinen Fall dürfen Sie einem möglichen Schlaganfall-Patienten etwas zu essen oder zu trinken geben", warnt Neurologe Grond. Denn oft führt der Hirnschlag zu Schluckproblemen. Die Gefahr dabei: Die Person verschluckt sich unbemerkt, Nahrung fließt ungehindert in die Atemwege und kann zu einer Lungenentzündung führen, die wiederum schwere Komplikationen zur Folge haben kann.

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TIA steht für transitorische ischämische Attacke. Hierbei kommt es zu einer vorübergehenden Durchblutungsstörung im Gehirn. Die Symptome gleichen denen eines Hirninfarkts. Der Unterschied besteht in der Dauer: Eine TIA hält meist nur für wenige Minuten, maximal aber für 24 Stunden an, dann verschwinden die Beschwerden wieder. "Auch wenn Sie die Symptome eines Schlaganfalls nur für kurze Zeit verspüren, sollten Sie umgehend einen Arzt aufsuchen", erläutert der Siegener Experte. Denn eine TIA weist auf ein erhöhtes Schlaganfallrisiko hin und kann Vorbote eines Schlaganfalls sein.

Wer hat ein erhöhtes Schlaganfallrisiko?

Leiden Sie an Bluthochdruck oder haben Sie eine spezielle Herzrhythmusstörung – das sogenannte Vorhofflimmern – dann sollten Sie besonders auf sich Acht geben. "Diese beide Gruppen haben ein hohes Schlaganfallrisiko", sagt Grond. Weitere Risikofaktoren für einen Schlaganfall decken sich weitgehend mit denen für Gefäßverkalkung: Rauchen, Diabetes mellitus und erhöhte Blutfettwerte zählen zum Beispiel dazu. Wichtig: Ein Hirnschlag betrifft nicht ausschließlich alte Menschen, sondern manchmal auch junge.


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