Nervenbotenstoffe im Gehirn, wie etwa Serotonin und Noradrenalin, die mit zu den Reglern von Wachen und Schlafen gehören, steuern neben anderen auch den Gemütszustand, das Wahrnehmen und Denken. Schwankungen und Ausfälle in den zuständigen Nervenzentren wirken verändernd auf die Psyche. Ebenso provozieren äußere Einflüsse wie andauernder negativer Stress, Trauer, nicht bewältigte traumatische Erlebnisse, unbekannte Auslöser oder degenerative Prozesse Störungen in den Nervenfunktionen. Hieraus können wiederum psychische bzw. psychiatrische Erkrankungen entstehen. Wie eng die Verbindung zwischen Schlaf und Psyche ist zeigt auch, dass Schlafmangel, zum Beispiel verursacht durch eine Schlafapnoe (siehe dort), zu depressiven Verstimmungen, Denkstörungen bis hin zu Halluzinationen führen kann.
Depressionen gehen am häufigsten mit Schlafstörungen einher. Weitere wichtige Krankheitsbilder sind Angststörungen, Suchterkrankungen wie Alkoholismus, Essstörungen, Persönlichkeitsstörungen wie das Borderline Syndrom, Schizophrenien sowie Demenzerkrankungen.
Depressionen
Während eine depressive Verstimmtheit vorübergeht, legt sich eine Depression wie ein Schatten über das ganze Leben der Betroffenen. Konkrete Ursachen für die seelische Erkrankung zu finden ist häufig nicht möglich. Belastende Lebensereignisse, familiäre Veranlagung, körperliche Erkrankungen sowie auch Schlafstörungen können das Entstehen einer Depression begünstigen. Bei manchen Betroffenen gibt es jedoch auch keinerlei Hinweise auf mögliche Auslöser. Meist spielen mehrere Faktoren zusammen.
Mediziner teilen Depressionen in unterschiedliche Formen und Schweregrade ein. Depressionen können phasenweise auftreten oder beständig vorhanden sein. Eine Form ist die bipolare Depression mit einem Wechsel von manischen und depressiven Phasen. Untersuchungen im Schlaflabor zeigten, dass bei depressiven Erkrankungen nicht nur der gesamte Schlafverlauf gestört sein kann, sondern auch manchmal die Tiefschlafphasen vermindert sind und der REM-Schlaf (siehe dazu Kapitel "Warum Schlaf so wichtig ist") heftig und unkontrolliert abläuft. Menschen mit einer schweren Depression sind besonders gefährdet, Suizid zu begehen.
Symptome: Auffallend ist die Verbindung von Antriebsmangel, Müdigkeit am Tage und nächtlicher Unruhe. Die Betroffenen wachen häufig sehr früh morgens auf und können dann nicht mehr einschlafen, oft von Grübeleien, Sorgen und Schuldgefühlen belastet. Dazu treten kennzeichnende Symptome wie tiefe Niedergeschlagenheit, Gefühlsleere, Konzentrations- und Leistungsstörungen, sozialer Rückzug auf.
Ebenso zeigen sich vielfach körperliche Beschwerden, wie Kopfschmerzen, Schwindelgefühle, Magen-Darm-Probleme, Atembeschwerden, Herzbeklemmung bzw. Herzrhythmusstörungen, Schweißausbrüche. Bei bestimmten Depressionsformen sind innere Unruhe und Getriebenheit oder rastlose Aktivität Ausdruck der seelischen Störung.
Bei der bipolaren Depression folgen der Niedergeschlagenheit und seelisch-geistigen Starre Phasen übersteigerter Hochstimmung und Leistungsfähigkeit. In dieser manischen Phase haben die Betroffenen mitunter nur ein extrem geringes Schlafbedürfnis.
Diagnose: Ein wesentlicher erster Schritt ist, dass die Betroffenen selbst ihre seelische Problematik anerkennen und sie dann auch ihrem Arzt schildern. Häufig gibt das Beschwerdebild dem Hausarzt die nötigen Hinweise. Er wird durch körperliche Untersuchungen abklären, ob nicht eine Erkrankung vorliegt, die für die Schlafstörung sowie die depressiven Symptome verantwortlich sein könnte. Auch eine Schlafstörung wie eine Schlafapnoe oder eine nächtliche Bewegungsstörung kann ihrerseits eine Depression auslösen. Bei Verdacht auf eine Depression wird der Hausarzt seinen Patienten an einen Psychotherapeuten oder Psychiater zur weiteren Diagnose überweisen. Um sicher festzustellen, ob eine Schlafapnoe oder schlafbezogene Bewegungsstörungen bestehen, kann mitunter auch die Überprüfung in einem Schlaflabor angezeigt sein.
Therapie: Die Behandlung richtet sich nach Form und Ausgeprägtheit der Depression. Mit einer individuell abgestimmten Kombination aus Medikamenten, meist Antidepressiva, und Psychotherapie lassen sich Depressionen in der Regel sehr gut behandeln. Manchmal hilft der Aufenthalt in einer psychosomatischen Klinik den Erkrankten, den für sie passenden Therapieweg zu finden und auch fortzuführen. Da einige Antidepressiva ohnehin auch erfolgreich als Schlafmittel eingesetzt werden, bessern sich die Schlafprobleme meist mit der Behandlung. Antriebssteigernde Antidepressiva können jedoch ihrerseits zu nächtlicher Unruhe führen. Das wird der Arzt bei Wahl und Einsatz des Medikaments berücksichtigen. Bei hartnäckigen Krankheitsbildern zeigten zusätzlich Behandlungen mit kontrolliertem Schlafentzug Erfolge. Bei leichteren, jahreszeitliche bedingten Depressionen kann auch eine Lichttherapie wirksam sein (siehe dazu unter „Schichtarbeit“)
Hier erfahren Sie mehr über Depressionen.
Angststörungen
Ängste treten oft zusammen mit einer Depression auf und stören den Nachtschlaf teilweise erheblich. Die ängstliche Anspannung, in der sich die Betroffenen dauerhaft oder phasenweise befinden, wirkt auch im Schlaf noch weiter. Häufige Angsterkrankungen sind Panikstörungen und Phobien, wobei Phobien (die Angst vor etwas, einer Situation, einem Tier und ähnlichem) oft mit Panikattacken einhergehen. Mit den Attacken ist eine Reihe körperlicher Symptome verbunden. Eine andere Form sind beständig vorhandene chronische Angstgefühle. Ein besonderes Problem besteht darin, dass die Betroffenen versuchen, die Ängste zu dämpfen, indem sie zu Alkohol und Beruhigungsmitteln greifen. Daraus entsteht eine Sucht, die Schlafprobleme wie Ängste nur noch verstärkt.
Symptome: Bei chronischen Angststörungen besteht eine andauernde innere Unruhe, die sich manchmal in Übererregung entlädt und zu Einschlaf- und Durchschlafschwierigkeiten führt. Bei Phobien tritt panische Angst in bestimmten Situationen auf. Zu den körperlichen Zeichen der Panikattacken gehören Zittern, Unsicherheitsgefühle wie „weiche Knie“, Schwindel, Atembeschwerden, Brustenge, Herzrasen, Schweißausbrüche, Kopfschmerzen.
Diagnose und Therapie: Erster Ansprechpartner ist der Hausarzt. Die genaue Diagnose und die Therapie erfolgt dann durch einen Psychotherapeuten bzw. Psychiater. Verhaltenstherapie hat sich, teilweise in Verbindung mit Medikamenten wie niedrig dosierten Neuroleptika und Antidepressiva, als sehr erfolgreich erwiesen.
Hier erfahren Sie mehr über Angsterkrankungen.
Weitere psychische Erkrankungen
Einen starken Einfluss auf den gesamten Schlafverlauf haben Suchterkrankungen, Demenzen sowie schizophrene Krankheitsbilder.
Bei Alkoholsucht ist einmal die Nachtruhe allgemein unterbrochen, vor allem gegen morgen, wenn der Alkohol abgebaut ist und Entzugserscheinungen auftreten. Zum anderen verkürzt die nervenschädigende Wirkung des Alkohols auch die Tiefschlafanteile. Der REM-Schlaf ist oft besonders unruhig und mit Albträumen verbunden. Für einen erfolgreichen Ausstieg aus der Sucht ist die Einsicht des Betroffenen grundlegend. Vielen gelingt es, mit einer Entzugstherapie in einer Suchtklinik und der Teilnahme an Selbsthilfegruppen, dauerhaft die Sucht zu überwinden. Hier erfahren Sie mehr über Alkoholabhängigkeit.
Menschen, die an der Alzheimer-Krankheit oder einer anderen Demenzform leiden, haben häufig ausgeprägte Schlafstörungen. Neben Einschlaf- und Durchschlafproblemen ist der Tiefschlaf beeinträchtigt, der REM-Schlaf lebhaft. Heftige Träume, Trugbilder und Wahnvorstellungen lassen die Betroffenen nicht nur häufig aus dem Schlaf aufschrecken, sie stehen dann auch oft mitten in der Nacht auf und irren umher. Einige leiden auch unter ausgeprägter Tagesmüdigkeit (Hypersomnie). Eine Demenzerkrankung bedarf einer speziellen Diagnose, Therapie und Begleitung. Hier erfahren Sie mehr über die Alzheimer-Krankheit.
Eine Schizophrenie geht in der Regel mit Insomnien, Schlaflosigkeit, einher, der Tiefschlaf ist reduziert, der REM-Schlaf verändert. Dazu kommt oft ein übermäßiges Schlafbedürfnis am Tage (Hypersomnie). Die Therapiemöglichkeiten für diese schwere psychiatrische Erkrankung haben sich in den letzten Jahren deutlich verbessert. Hier erfahren Sie mehr über das Krankheitsbild der Schizophrenie.
Andrea Blank-Koppenleitner / www.apotheken-umschau.de;
29.10.2009, aktualisiert am 21.05.2012
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