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Nachtschweiß – Ursachen: Krebs- und Bluterkrankungen

Nachtschweiß kann unter anderem ein frühes Symptom einiger Tumore sein. Er tritt vor allem bei Lymphdrüsenkrebs und Leukämie auf, sowie bei verwandten Bluterkrankungen wie der Myelofibrose


Lymphbahnen mit Lymphknoten

Lymphome, Tumore des Lymphsystems

Neben dem Blutgefäßsystem durchzieht das Lymphsystem den ganzen Körper. Die Lymphbahnen transportieren wichtige Stoffe, nehmen „Abfälle“ aus dem Stoffwechsel auf, auch Krankheitserreger. Lymphgefäße, Lymphflüssigkeit und Lymphknoten bilden mit dem Knochenmark, der Milz und dem Thymus das lymphatische System. Die Lymphflüssigkeit, die Lymphe, befördert unter anderem die Lymphozyten, weiße Blutkörperchen, in das Blut. Diese werden in Knochenmark, Milz, Thymusdrüse und Lymphknoten gebildet und spielen eine grundlegende Rolle für das Immunsystem. In den Lymphknoten wird die Lymphe gleichsam gefiltert und von Schadstoffen und Krankheitskeimen gereinigt. Lymphknotenschwellungen haben verschiedene Ursachen (siehe dort).

In den einzelnen Organen des Lymphsystems können aufgrund vielfältiger Faktoren, äußerer Einflüsse, innerer Veränderungen und Fehlsteuerungen auch Zellen unkontrolliert wachsen und Schwellungen oder Tumore bilden. Solche Lymphome sind gut- oder bösartig (maligne). Bösartige Krebszellen können sich über das Lymphsystem verbreiten und auch andere Organe befallen. Bei den insgesamt eher seltenen malignen Lymphomen unterscheiden die Mediziner zwei Hauptgruppen: die Hodgkin Lymphome (Hodgkin-Krankheit, Morbus Hodgkin, Lymphgranulomatose) und die Non-Hodgkin-Lymphome. Sie entwickeln sich in vier Stadien und weisen unterschiedliche Symptome auf. Konkrete Ursachen lassen sich oft nicht ermitteln. Aids-Erkrankungen oder Behandlungen mit das Immunsystem unterdrückenden Medikamenten stehen als Risikofaktoren bei Hodgkin-Lymphomen in Verdacht. Aber auch die Wirkung von Chemikalien in Holzschutzmitteln zum Beispiel wird seit längerem diskutiert, mitunter kontrovers. Bei Non-Hodgkin-Lymphomen spielen möglicherweise angeborene oder erworbene Immunschwächen, Bestrahlungsfolgen, Virus- und andere Infektionen eine auslösende Rolle.


Symptome: Bei Hodgkin-Lymphomen fallen anfangs häufig geschwollene, nicht schmerzhafte Lymphknoten am Hals auf. Sie können auch über dem Schlüsselbein, unter den Achseln oder in den Leisten auftreten. Manche Betroffene leiden zunächst nur unter Allgemeinsymptomen, die durch starkes nächtliches Schwitzen, Fieberwellen über 38 Grad sowie unerwünschten Gewichtsverlust gekennzeichnet sind (sogenannte B-Symptome). Leistungsabfall, Juckreiz, Atembeschwerden, Druckgefühl hinter dem Brustbein, Reizhusten, Bauchschmerzen und Durchfälle können dazukommen. Typisch ist mitunter der sogenannte Alkoholschmerz. Hier schmerzen die erkrankten Lymphknoten nach Alkoholgenuss.
Non-Hodgkin-Lymphome verursachen zunächst ebenfalls schmerzlose Lymphknotenschwellungen. Manchmal treten auch nur allgemeine Beschwerden auf, wie Müdigkeit, Übelkeit, Sodbrennen, Appetitlosigkeit. Die sogenannten B-Symptome, Nachtschweiß, Fieber, Gewichtsverlust können ebenfalls Anfangszeichen sein. Weitere Krankheitszeichen sind möglicherweise erhöhte Infektanfälligkeit, Blutungsneigung, Hautveränderungen, chronische Nasennebenhöhlenentzündung.

Diagnose: Der Arzt wird aufgrund der Krankengeschichte, der geschilderten Symptome – richtungweisend können hier unter anderem die B-Symptome sein – und einer ersten körperlichen Untersuchung, bei der er etwa geschwollene Lymphknoten und eventuell eine vergrößerte Leber oder Milz tastet, weitere Tests veranlassen. Dazu gehören ein sogenanntes großes Blutbild sowie eine Lymphknotenbiopsie. Hierzu wird ein verdächtiger Lymphknoten entnommen und feingeweblich (histologisch) im Labor untersucht. Meist lassen sich dabei schon für die jeweilige Erkrankung charakteristische Zellen erkennen. Röntgenaufnahmen vom Brustkorb, Ultraschallbilder von Hals und Bauchraum und gegebenenfalls Computertomografien können Organ- und Gewebeveränderungen sowie die Verbreitung der Tumore aufzeigen. Ergänzend können eine Knochenmarkspunktion, eine Skelettszintigrafie oder eine Positronen-Emissions-Tomografie (PET) angezeigt sein.

Therapie: Hodgkin-Lymphome haben heute in der Regel gute Heilungschancen. Die Behandlung richtet sich nach dem Stadium der Erkrankung und nach dem jeweiligen Untertyp bei den Non-Hodgkin-Lymphomen. Strahlen- und Chemotherapie stehen hierbei im Vordergrund, da die Krebszellen sehr sensibel darauf reagieren. Die Behandlung sollte in spezialisierten Zentren oder Praxen durchgeführt werden.

Hier erfahren Sie mehr zu Hodgkin-Lymphomen und zur Non-Hodgkin-Krankheit.

Eine andere bösartige Erkrankung des Lymphsystems ist die chronische lymphatische Leukämie. Sie zählt zu den Non-Hodgkin-Lymphomen, aber auch zu den Leukämie-Erkrankungen (siehe unten). Hier sind die Krebszellen nicht nur im lymphatischen System, sondern auch im Blut vorhanden. Sie betrifft vor allem ältere Menschen. Zu den Symptomen zählen geschwollene Lymphknoten, Leber- und Milzvergrößerungen sowie, vor allem später, B-Symptome (Fieber, Nachtschweiß, Gewichtsverlust), Müdigkeit und Infektanfälligkeit. Die Diagnose erfolgt über Bluttests und bildgebende Verfahren. Behandelt wird die Erkrankung meist nur bei ausgeprägten Beschwerden oder in einem fortgeschrittenen Stadium, in der Regel mit Medikamenten.

Leukämie

Im allgemeinen Sprachgebrauch wird Leukämie als Blutkrebs bezeichnet. Der Fachbegriff kommt aus dem Griechischen und bedeutet „weißes Blut“. Die vergleichsweise seltenen Krebserkrankungen entstehen allerdings nicht direkt im Blut, sondern in den Bereichen, in denen die Blutkörperchen gebildet werden, wie Knochenmark und Lymphsystem (siehe auch oben). Bei einer Leukämie verändern sich die weißen Blutkörperchen oder Blutzellen, sie teilen sich und wachsen unkontrolliert, noch bevor sie ausgereift sind. Damit sind sie auch nicht in der Lage, die ihnen zugedachten Aufgaben zu übernehmen. Darüber hinaus nehmen sie gesunden Blutzellen den Platz oder verhindern deren Reifung. Die Folgen sind unter anderem eine erhöhte Infektanfälligkeit, Blutungsneigung oder Blutarmut. Über das Blut erreichen die kranken Zellen auch andere Organe. Das Lymphsystem, die Leber- und Nierenfunktion oder auch das Gehirn können in Mitleidenschaft gezogen werden. Es gibt unterschiedliche Formen der Leukämie – je nachdem von welchen Zellen die Krebsentwicklung ausgeht, die akut einsetzen oder chronisch verlaufen kann. Die Ursachen sind nicht genau geklärt. Erbfaktoren könnten eine Rolle spielen, ebenso äußere Einflüsse durch radioaktive Strahlung, Giftstoffe wie Benzol oder Viren. Leukämien treten gehäuft bei Kindern (akute lymphatische Leukämie) und dann wieder bei älteren Menschen (akute myeloische Leukämie) auf. Zwischen Leukämien und Lymphomen, den Non-Hodgkin-Lymphomen (siehe oben), gibt es Überschneidungen.

Symptome: Bei einer akuten Leukämie setzen die Symptome relativ kurzfristig ein. Die ersten Beschwerden können in kennzeichnenden Allgemeinsymptomen wie Abgeschlagenheit, Fieber und Nachtschweiß bestehen. Eine erhöhte Anfälligkeit für Infektionen, Hautentzündungen, Pilzbefall wie Soor, Blässe, Müdigkeit, Atemnot, eine verstärkte Neigung zu blauen Flecken und Nasenbluten können weitere Krankheitszeichen sein. Manche Betroffene haben geschwollene Lymphknoten, Kopfschmerzen, Hautjucken, Knochenschmerzen, Zahnfleischentzündungen oder Lähmungserscheinungen. Eine chronische Leukämie beginnt in der Regel schleichend, es können vier bis sechs Jahre vergehen bis die beschriebenen Allgemeinsymptome allmählich auftreten. Ein Druckempfinden im linken Oberbauch deutet auf eine vergrößerte Milz hin. Es tritt dann eine deutliche Verschlechterung ein mit möglichen Sehstörungen, Sodbrennen, Rückenschmerzen, dauerhaftem Fieber, Gewichtsverlust.

Diagnose: Ersten Aufschluss kann dem Arzt eine Blutuntersuchung geben. Die Zahl bestimmter weißer Blutkörperchen (Leukozyten) ist deutlich erhöht. Das alleine genügt jedoch noch nicht für die Diagnose. Erst eine Untersuchung eingefärbter Blutzellen unter dem Mikroskop kann genauere Hinweise auf unreife Zellen geben. Sie lassen sich im dann auch in einer Untersuchung des Knochenmarks nachweisen und zuordnen. Das Knochenmark wird durch eine Punktion oder eine Biopsie entnommen. Weitere Untersuchungsmaßnahmen sind Ultraschalluntersuchungen des Bauches und der Lymphknoten, eventuell eine Computertomografie, um vergrößerte Lymphknoten und mögliche Beeinträchtigungen innerer Organe noch präziser zu erfassen, sowie eine Kernspintomografie.

Therapie: Die Behandlung liegt in Händen von Spezialisten (Hämato-Onkologen) und richtet sich danach, welche Leukämieform vorliegt. Sie erfolgt in erster Linie mit einer individuell zusammengestellten Chemotherapie, die in verschiedenen Stufen verläuft und zu einer vollständigen Normalisierung des Blutbildes führen kann. In manchen Fällen kann außerdem eine Bestrahlung sinnvoll sein. Wesentlich ist es auch, den Erkrankten, besonders in der Anfangsphase der Behandlung, vor zusätzlichen Infektionen zu schützen. Je nach Form und Krankheitsverlauf kann auch eine Knochenmarkstransplantation angezeigt sein.

Hier erfahren Sie mehr zu akuter Leukämie.

Myelofibrose

Eine den Leukämien verwandte Erkrankung, die auch in eine Leukämie übergehen kann, ist die Myelofibrose oder Osteomyelofibrose. Sie stellt eine eigenständige Krankheit (idiopathische Myelofibrose) dar oder tritt als Folge einer anderen, das Knochenmark betreffenden Krankheit ein (sekundäre Myelofibrose). Bei dieser Form der Knochenmarkserkrankung verändern sich Blutstammzellen. Es vermehrt sich Bindegewebe (Fibrose) im Knochenmark und blutbildendes Gewebe vernarbt. Die normale Blutbildung wird so gestört, unreife Blutzellen gelangen ins Blut und es bilden sich Blutzellen in Milz und Leber. Das führt zu Blutarmut sowie einer vergrößerten Milz und Leber. Die Ursachen der idiopathischen Form sind weitgehend unbekannt. Genetische Veränderungen, Alterungsprozesse oder der Einfluss von Giftstoffen und radioaktiven Strahlen könnten als Risikofaktoren infrage kommen. An Osteomyelofibrose erkranken häufig ältere Menschen zwischen 60 und 65 Jahren.

Symptome: Zu Beginn bereitet die Erkrankung oft keine Beschwerden. Erst wenn die gestörte Blutzellenproduktion weitere Ausmaße annimmt, treten erste Symptome in Form von Allgemeinbeschwerden wie Müdigkeit, Nachtschweiß, Gewichtsverlust, mitunter Fieber auf. Dazu kommen häufig Schmerzen oder Druckgefühl im linken Oberbauch, Blässe, Kurzatmigkeit. Eine vermehrte Neigung, Thrombosen zu entwickeln, kann im Anfangsstadium auffällig sein. Gelenkschmerzen, Blutungsneigung und erhöhte Infektionsanfälligkeit können im weiteren Verlauf dazukommen.

Diagnose: Die Allgemeinsymptome wie Abgeschlagenheit, Nachtschweiß und Gewichtsabnahme sowie eine vergrößerte Milz und damit verbunden ein Druckgefühl im linken Oberbauch geben dem Arzt wichtige Hinweise. Das Blutbild zeigt kennzeichnende Veränderungen, allerdings oft erst in einem fortgeschritteneren Stadium der Erkrankung. Ergänzend kommt ein Gentest in Betracht. In Ultraschalluntersuchungen lässt sich feststellen, ob und wie stark Milz und Leber vergrößert sind. Es werden eine Knochenmarkspunktion und eine Beckenkammbiopsie durchgeführt. Das entnommene Knochenmark wird genau untersucht, wobei sich veränderte Zellen und Bindegewebsanteile erkennen und andere Knochmarkserkrankungen ausschließen lassen. Weitere mögliche Untersuchungen können Röntgenaufnahmen des Rumpfes sowie eine Computertomografie sein.

Therapie: Die Behandlung liegt in Händen von Fachärzten für Bluterkrankungen, Hämatologen, die auf solche Erkrankungen spezialisiert sind. Die Ärzte behandeln meist erst, wenn Krankheitszeichen und Blutbildveränderungen eintreten. Für die Therapie stehen unterschiedliche Medikamente zur Verfügung. Bluttransfusionen können bei einer schweren Blutarmut angezeigt sein. Stellt die vergrößerte Milz ein wesentliches Problem dar, kann es sein, dass sie operativ entfernt wird. Weitere Therapiemaßnahmen können eine Strahlentherapie und, seltener, eine Stammzelltransplantation, vornehmlich bei jüngeren Betroffenen, sein.



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Andrea Blank-Koppenleitner / www.apotheken-umschau.de; 15.12.2009, aktualisiert am 27.10.2011
Bildnachweis: Illustration: W&B/ J. Neisel

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