Report: Schlafstörungen nehmen zu

Immer mehr Menschen in Deutschland finden nachts keine Ruhe. Das geht aus einer Krankenkassen-Studie hervor. Die wenigsten nehmen aber professionelle Hilfe gegen ihre Schlafstörungen in Anspruch

von dpa / Stephan Soutschek, aktualisiert am 17.03.2017

Schlaflos? Die Zahl der Betroffenen steigt, ergab eine Untersuchung

iStock/JHorrocks

Immer mehr Menschen in Deutschland können nach einer Untersuchung der DAK-Gesundheit schlecht ein- und durchschlafen. Seit 2010 seien die Schlafstörungen bei Berufstätigen zwischen 35 und 65 Jahren um 66 Prozent angestiegen. Das geht aus dem Gesundheitsreport 2017 "Deutschland schläft schlecht – ein unterschätztes Problem" hervor, den die gesetzliche Krankenkasse am 15. März in Berlin vorstellte.

Folgen seien Müdigkeit und Unkonzentriertheit bei der Arbeit sowie eine steigende Zahl von Fehltagen. Auch die Gefahr von Medikamentenmissbrauch nehme zu.


Vier von fünf Berufstätigen haben Schlafprobleme

Unter der besonders schweren Schlafstörung Insomnie mit Ein- und Durchschlafstörungen, schlechter Schlafqualität, Tagesmüdigkeit und Erschöpfung leide jeder zehnte Arbeitnehmer (9,4 Prozent), ein Anstieg von 60 Prozent seit 2010. Frauen seien mit elf Prozent etwas häufiger davon betroffen als Männer mit acht Prozent. Bei der Befragung berichteten der DAK zufolge etwa 80 Prozent der Erwerbstätigen von "Schlafproblemen". Fast die Hälfte sei bei der Arbeit müde.

Schlafstörungen und deren Auswirkungen auf die Arbeit sind Schwerpunktthema der Krankenkasse für ihren diesjährigen Gesundheitsreport. Die Fehltage aufgrund von Schlafstörungen nahmen demnach um rund 70 Prozent auf jetzt 3,86 Tage je 100 Versicherten zu. Eine Krankschreibung aus diesem Grund habe im Schnitt 10,9 Tage gedauert.

Wenige suchen ärztlichen Rat

Allerdings versuche die große Mehrheit, allein mit den Schlafstörungen zurechtzukommen und gehe nicht zum Arzt. Lediglich 4,8 Prozent der Erwerbstätigen seien im vergangenen Jahr deswegen in den Praxen gewesen. Selbst Arbeitnehmer mit Insomnie gingen meist nicht zum Arzt. Rund 70 Prozent der Betroffenen lassen sich der Untersuchung zufolge nicht behandeln.

Schlafstörungen sind häufig Folge oder Ursache von psychischen Störungen wie Depressionen und Angstzuständen. Mehr als jeder dritte Patient bekomme deshalb eine Psychotherapie, jeder zweite Medikamente. Im Vergleich zu 2010 nähmen heute mit 9,2 Prozent fast doppelt so viele der 35- bis 65-jährigen Arbeitnehmer Schlafmittel.

Schlafmittel können problematisch sein

Jeder zweite kaufe dabei Schlafmittel ohne Rezept – und meist ohne ausreichende Aufklärung über Risiken und Nebenwirkungen. Fast jeder Vierte nehme Schlafmittel länger als drei Jahre. Das kann bedenklich sein: Bei einer längeren Einnahmedauer können manche Mittel abhängig machen und ihre Wirkung ins Gegenteil verkehren. Dann fördern sie nicht mehr den Schlaf, sondern können Nervosität und Unruhe verursachen. Schlafmittel sollten nur nach einer fundierten Beratung eingenommen werden. Mehr zum Thema lesen Sie im Beitrag "Die Risiken von Schlafmitteln".

Schlafstörungen können unterschiedliche Ursachen haben – vom bloßen Lärm in der Nacht über Stress am Arbeitsplatz oder in der Familie bis hin zu einem generell falschen Umgang mit Schlaf.



Lesen Sie auch:

Einschlafen, was wirklich hilft

Was beim Einschlafen wirklich hilft »

Ob warme Milch oder Schäfchen zählen, Tipps und Tricks zum Einschlafen gibt es viele. Was dahinter steckt und was wirklich wirkt »

Newsletter abonnieren

Hier können Sie unseren kostenlosen Newsletter abonnieren »

Spezials zum Thema

Schlafender Mann

Schlafen Sie gut: Erholsamer Schlaf

Gut schlafen ist die Voraussetzung für optimale Leistungsfähigkeit. Zu wenig oder schlechter Schlaf kann gereizt, unkonzentriert und sogar krank machen. Was Sie über Schlaf wissen sollten »

Lesen Sie den Beipackzettel von Medikamenten?

© Wort & Bild Verlag Konradshöhe GmbH & Co. KG

Weitere Online-Angebote des Wort & Bild Verlages