Krokusse sprießen, Birken ergrünen, Forsythien strahlen. Und wir? Wir machen die Augen zu und schlafen. Denn wieder einmal geht sie um – die große Frühjahrsmüdigkeit. Woher kommt diese enorme Welle der Schläfrigkeit bloß? Sie überrollt uns jährlich, sobald der lang ersehnte Lenz die ersten Zeichen schickt.
Wieso passiert das und was kann man dagegen tun? Wir haben nachgefragt. Und zwar bei dem Schlafforscher und wissenschaftlichen Berater des Schlafmedizinischen Zentrums am Universitäts- und Bezirksklinikum Regensburg, Jürgen Zulley.
Das Phänomen wird vor allem durch den Klimawechsel verursacht. Wenn die Temperaturen steigen, muss sich der Körper langsam daran gewöhnen. Im Winter haben wir eine etwas niedrigere Kerntemperatur als im Sommer. Wenn es nun wieder wärmer wird, passt sich der Organismus mit einer typischen Reaktion an. Die Blutgefäße stellen sich weit, der Blutdruck sackt ab. Das macht uns müde.
Die Frühjahrsmüdigkeit tritt meist ein, wenn es bereits ein paar Tage lang warm war. Wenn das Wetter verrückt spielt, und es zu mehreren Warm-Kalt-Perioden kommt, dann kann sich auch die Müdigkeit mehrmals zeigen. Neben dem Blutdruck spielt übrigens auch der Melatoninspiegel eine Rolle. Nach den langen Wintermonaten ist die Konzentration des sogenannten Schlafhormons im Blut besonders hoch.
Man sollte sich auf keinen Fall schonen. Stattdessen können drei Tricks helfen, schnell wieder munter zu werden.
Am besten hilft Sport. Das ist gut für den Blutdruck und macht insgesamt fit. Neueinsteiger ab 35 Jahre und chronisch Kranke lassen sich vor dem Start am besten grünes Licht vom Arzt geben. Auch leichte Bewegung wie ein Spaziergang lohnt sich schon.
Nein, Wetterfühlige sind insgesamt viel öfter betroffen, als Menschen, die die Witterung eher unbeeinflusst lässt. Außerdem leiden vor allem diejenigen, die sowieso schon einen niedrigen Blutdruck haben. Das sind in der Regel häufiger Frauen als Männer. Auch ältere Menschen klagen öfter über Frühjahrsmüdigkeit. Je fitter ein Mensch ist, desto besser kommt er meistens mit dem Klimawechsel klar.
Wichtig: Wer sich über längere Zeit oder ungewöhnlich stark erschöpft fühlt, sollte auf jeden Fall seinen Arzt um Rat fragen. Denn es kommen auch viele andere Ursachen infrage. Mehr erfahren Sie im Beitrag: Symptom Müdigkeit.
Zulley ist außerplanmäßiger Professor für Biologische Psychologie an der Universität Regensburg, wissenschaftlicher Berater des Schlafmedizinischen Zentrums am Universitäts- und Bezirksklinikum Regensburg sowie Buchautor.
Sophie Kelm / www.apotheken-umschau.de;
18.03.2010, aktualisiert am 15.03.2012
Bildnachweis: W&B/Privat, iStock/craftvision
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