Wie Sie die richtige Matratze finden

Kaltschaum, Latex oder Federkern? Hart oder weich? Einzel- oder Doppelmatratze? Boxspringbett? Worauf Sie achten sollten, wenn Sie eine Matratze suchen

von Dr. Martina Melzer, 26.08.2016

Wer gut geschlafen hat, ist gut gelaunt – die richtige Matratze trägt dazu bei

Thinkstock/Hemera

Ein Drittel seines Lebens verbringt ein Mensch durchschnittlich mit Schlaf. Währenddessen erholt sich der Körper, wichtige Stoffwechselvorgänge laufen ab und der Schlafende verarbeitet die Ereignisse des Tages. Dafür allerdings muss die Nacht auch wirklich erholsam verlaufen. Die Matratze spielt dabei eine nicht unwesentliche Rolle.

Gibt es das perfekte Matratzenmaterial?

Nein! Das müssen Sie für sich herausfinden. Zu den gängigen Materialien gehören Federkern, Kaltschaum und Latex. Federkernmatratzen bestehen aus zahlreichen Metallfedern, die miteinander verbunden sind. Handelt es sich um eine Bonellfederkernmatratze, befindet sich zwischen den Federn Luft. Bei einer Taschenfederkernmatratze umhüllen kleine Stoffsäckchen die Federn. Beide Typen leiten Feuchtigkeit und Wärme schnell ab und sorgen für eine gute Durchlüftung. Schwitzen Sie nachts viel, profitieren Sie von diesem Material. Der Nachteil: Insbesondere die Bonellfedervariante passt sich nur wenig der Körperform an und schwingt beim nächtlichen Umherwälzen nach. Die Taschenkernvariante besitzt dagegen eine höhere Punktelastizität. Das bedeutet, sie biegt sich nicht wie eine Hängematte durch, sondern gibt nur an den Stellen nach, an denen Sie in die Matratze einsinken. An den anderen stützt sie den Körper.


Kaltschaummatratzen bestehen aus Schaumstoff. Früher galt dieser als bretthart und unbequem. Moderne Matratzen zeichnen sich jedoch durch eine hohe Punktelastizität aus und passen sich dem Körper gut an. Obwohl das Material Feuchtigkeit abtransportiert, hält es Wärme besser zurück als die Federkernvarianten. Das erfreut verfrorene Typen. Achten Sie beim Kauf auf das sogenannte Raumgewicht. Es gibt die Dichte des verwendeten Schaums an. Je höher es ist, desto hochwertiger ist die Matratze. Experten sagen, das Raumgewicht sollte pro Kubikmeter mindestens 40 Kilogramm betragen.

Latexmatratzen passen sich dem Körper des Liegenden sehr gut an und versprechen angenehme Nächte. Allerdings wiegen diese Matratzen einiges und bereiten deshalb, zum Beispiel beim Wenden der Schlafunterlage, Probleme. Zudem gehören sie ins höherpreisige Sortiment.

Welcher Härtegrad ist der richtige?

Das müssen Sie selbst entscheiden. Denn die Hersteller geben bei jeder Matratze zwar an, ob diese hart, mittelhart oder weich ist. Diese Angaben unterliegen aber keiner Norm. Das heißt, jeder Produzent definiert "hart" anders. Prinzipiell sollten Menschen, die etwas schwerer sind, eine härtere Matratze wählen. Doch "ist diese zu hart, wälzen Sie sich nachts mehr herum und schlafen schlechter", gibt Dr. Peter Geisler, Leiter des schlafmedizinischen Zentrums am Bezirksklinikum Regensburg, zu bedenken. Sind Sie ein eher schlanker Typ, eignet sich für Sie normalerweise eine weichere Schlafunterlage besser. Aber auch hier können Probleme auftauchen: "Bei einer zu weichen Matratze biegt sich die Wirbelsäule durch, was Rückenschmerzen auslösen kann", sagt Geisler. Ihnen bleibt daher nichts anderes übrig, als die Matratze im Laden auszuprobieren und nach Ihrem Gefühl zu gehen. Der Schlafmediziner empfiehlt: "Gehen Sie in ein Geschäft, in dem Sie fachmännisch beraten werden und das Recht haben, die Matratze nach einigen Tagen umzutauschen."

Spielt die Schlafposition bei der Auswahl der Matratze eine Rolle?

Theoretisch schon. Schlafen Sie auf dem Rücken, stützt die Matratze idealerweise die Lendenwirbelsäule und den Nackenbereich. Sie sinken dort nicht zu tief ein, die natürliche S-Form der Wirbelsäule bleibt erhalten. Schlummern Sie auf der Seite, gibt eine gute Schlafunterlage an Schultern und Becken nach. Sie sinken an diesen Stellen etwas ein, die Wirbelsäule bleibt gerade. Für Rückenschläfer gelten daher prinzipiell andere Auswahlkriterien als für Seitenschläfer. Allerdings "wechseln die meisten Menschen nachts mehrmals die Schlafposition", meint Geisler. Deshalb sollte die Matratze in beiden Schlafpositionen bequem sein. Das lässt sich nur durch Probeliegen herausfinden.

Matratzendicke, Liegezonen, Doppelbett: Was ist zu beachten?

Einige Matratzentypen weisen verschiedene Liegezonen auf. Diese Bereiche besitzen einen unterschiedlichen Härtegrad und sollen sich dem Körper optimal anpassen. Experten sagen, dass bis zu drei Zonen durchaus sinnvoll sind, mehr jedoch nicht. Denn auf einer Matratze, die aus sechs oder acht Liegezonen besteht, dürfte sich der Schlafende praktisch nicht bewegen. Außerdem müssten Körpergröße und Gewicht genau zu den verschiedenen Härtebereichen passen.

Wiegen Sie etwas mehr, dann achten Sie auf die Matratzendicke. Sie sollten beim Probeliegen keinesfalls den Lattenrost spüren. 16 Zentimeter oder mehr dürfen es schon sein. Schlafen Sie zu zweit im Bett, können Sie zwischen Einzel- und Doppelmatratzen wählen. Experten empfehlen, zwei einzelne Schlafunterlagen zu bevorzugen. Denn jeder Mensch liegt anders, ist unterschiedlich groß und schwer.

Boxspringbetten: Wie gut sind die Matratzenburgen?

Seit einigen Jahren gibt es in Deutschland Boxspringbetten zu kaufen. Insbesondere in den USA sind diese Betten, die aus mehreren Matratzenarten bestehen und ohne Lattenrost auskommen, weit verbreitet. Die Basis eines Boxspringbettes bildet meistens eine Federkernmatratze, darauf liegt eine aus Schaumstoff. Die Betten erreichen damit eine Höhe von 60 bis 70 Zentimetern und wärmen aufgrund der oberen Kaltschaummatratze gut. Von Stiftung Warentest erhielten Boxspringbetten im August 2016 jedoch eher schlechte Noten. Die getesteten Betten wiesen mehrheitlich keine gute Haltbarkeit auf – wurden mit der Zeit oft deutlich weicher – und die angegebene Härte wich bei der Hälfte der Testobjekte stark von der tatsächlichen ab.

Prinzipiell gilt: Testen Sie eine Matratze ausgiebig, bevor Sie sie erwerben – und zwar in allen Schlafpositionen. Lassen Sie sich beraten, welcher Matratzentyp zu Ihnen am besten passt. "Probieren Sie die Schlafunterlage zusammen mit Ihrem Kopfkissen aus", rät Schlafmediziner Geisler. In Kombination liegt es sich auf der Matratze womöglich ganz anders. Nach acht bis zehn Jahren sollten Sie eine neue kaufen. Denn eine alte und durchgelegene Matratze kann zu Rückenproblemen führen.



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