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Tagesmüdigkeit: Harmlos oder gefährlich?

Sie sind tagsüber regelmäßig so müde und erschöpft, dass Sie nicht mehr gegen Ihr Schlafbedürfnis ankämpfen können? Wir sagen Ihnen, was dahinter stecken kann und was dagegen hilft


Unangenehm: Wenn im Meeting einfach die Augen zufallen

Der Raum ist leicht abgedunkelt, es ist warm, es ist gemütlich. Die Müdigkeit legt sich wie eine schwere Decke über den ganzen Körper. Die Augen fallen zu. Eigentlich eine angenehme Situation – wenn das ganze bloß nicht während der Powerpointpräsentation des Chefs passieren würde!

Viele Menschen leiden unter Tagesmüdigkeit. Sie können manchmal auch in Situationen, in denen sie eigentlich wach bleiben wollen, nicht gegen ihr Schlafbedürfnis ankämpfen. Besonders wenn es ruhig wird, das Licht gedimmt ist und sie nicht aktiv agieren müssen. Zum Beispiel im Kino oder im Theater. Leider aber auch in Meetings oder während Vorträgen.


Der Unterschied zwischen Schläfrigkeit und Müdigkeit

"Wir unterscheiden zwischen den Begriffen Müdigkeit und Schläfrigkeit", erklärt Professor Thomas-Christian Wetter, Co-Leiter des Schlafmedizinischen Zentrums der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Bezirksklinikum Regensburg. Müdigkeit ist für die Schlafmediziner ein anderer Begriff für Erschöpfung. Schläfrig ist jemand, der gegen das Einschlafen ankämpfen muss.

Wenn der Kollege im Meeting einschläft, trifft also der Begriff Schläfrigkeit zu. Mann kann andererseits sehr müde sein, ohne einschlafen zu können. Menschen mit Schlafstörungen leiden oft unter enormer Müdigkeit – sie sind völlig erschöpft. Trotzdem können sie teilweise keinen Schlaf finden.

Nicht genügend Schlaf in der Nacht

Aber zurück zu unserem Thema: "Wenn jemand tagsüber über chronische Müdigkeit klagt und sogar gegen seinen Willen einschläft, kann das unterschiedliche Gründe haben", so der Schlafmediziner. Der häufigste und auch ungefährlichste Fall ist, dass man nachts einfach nicht genügend Schlaf bekommen hat.

Diese Erklärung ist simpel und einfach zu beheben. Selbst wenn Sie meinen, genug zu schlafen – solange Sie tagsüber müde werden, reicht der Nachtschlaf nicht aus. "Gehen Sie früher zu Bett. Sorgen Sie dafür, dass Sie abends zur Ruhe kommen", rät Wetter.

Ab und zu lässt sich eine kurze Nacht nicht vermeiden. Was hilft, wenn die große Müdigkeit kommt? "Koffein, also Kaffee oder Cola", sagt Wetter. Außerdem sollte der Raum nicht zu warm sein. Helles Licht und frische Luft können ebenfalls helfen. Wenn Sie die Möglichkeit haben, machen Sie einen Powernap von bis zu 20 Minuten. Also einen Kurzschlaf, um Energie zu tanken.


Kennen Sie die extreme Tagesmüdigkeit?

Wer tagsüber ständig müde ist, obwohl er definitiv genügend schläft, kann auch unter einer Krankheit leiden. "Häufig sind es Schlafapnoe und das Restless Legs Syndrom", erklärt der Schlafmediziner.

Schlafapnoe

Bei der Schlafapnoe treten während der Nachtruhe immer wieder Atemaussetzer von mindestens zehn Sekunden auf. Der Betroffene ist dann tagsüber manchmal so müde, dass ihm die Augen zufallen. "Das passiert besonders häufig in monotonen, ruhigen Situationen. Zum Beispiel am Steuer auf der Autobahn. Enorm gefährlich", warnt Wetter. Es gibt verschiedene Behandlungsansätze, mehr daszu erfahren Sie in unserem Artikel zur Schlafapnoe. Vielen Betroffenen helfen zum Beispiel spezielle Atemmasken für die Nacht.

Restless Legs Syndrom

Beim Restless Legs Syndrom plagt die Betroffenen ein starker Bewegungsdrang und häufig Missempfindungen in den Beinen. "Oft stehen die Patienten aus dem Bett auf, laufen herum und können keine Ruhe finden", weiß Wetter. Bis sie irgendwann so erschöpft sind, dass sie doch einschlafen. Manchmal gehen die Beinbewegungen im Schlaf weiter. Ein Restles Legs Syndrom lässt sich unter anderem mit Medikamenten behandeln.

Es gibt auch noch verschiedene andere Auslöser für Müdigkeit. Zum Beispiel eine Schilddrüsenunterfunktion, Depressionen oder Blutarmut. Auch bestimmte Medikamente können dafür sorgen, dass man tagsüber müde wird. Der erste Ansprechpartner für Betroffene ist meist der Hausarzt. Er überweist falls nötig zum Beispiel zum Schlafmediziner oder Neurologen.


Narkolepsie – eine gravierende, chronische Krankheit

Schlussendlich gibt es noch eine ganz besonders extreme Form der Tagesschläfrigkeit: die Narkolepsie. "Das ist eine gravierende, chronische Krankheit, die oft in der Pubertät beginnt", erklärt Wetter. Deutschlandweit gibt es laut Schätzungen etwa 30.000 bis 40.000 Betroffene. Narkoleptiker haben einen großen Schlafdruck. Sie schlafen teilweise im Gespräch, beim Laufen oder während des Essens ein.

Der amerikanische Schlafforscher Jerry Siegel hat einmal gesagt: "Wenn Sie jemals 48 Stunden nicht geschlafen haben, haben Sie die Schläfrigkeit erlebt, die ein Narkolepsie-Patient jeden Tag empfindet." Narkolepsie muss ein Mediziner diagnostizieren und behandeln.




Bildnachweis: Thinkstock/Wavebreak Media

Sophie Schöninger / www.apotheken-umschau.de; aktualisiert am 31.01.2013, erstellt am 31.01.2013
Bildnachweis: Thinkstock/Wavebreak Media

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