In der Nacht von Samstag auf Sonntag ist es wieder einmal so weit: Deutschland darf eine Stunde länger schlafen. Um 3.00 Uhr drehen wir den Zeiger einfach wieder auf 2.00 Uhr zurück – und gönnen uns, anlässlich der Umstellung auf die Winterzeit, zusätzliche 60 Minuten Nachtruhe. Wir befinden uns dann wieder in der sogenannten Normalzeit.
Dieser kleine mechanische Schritt spaltet das Land in zwei Lager. Die einen finden den Vorgang überflüssig. Die Mitglieder machen zwar notgedrungen mit, sie wollen ja nicht ein halbes Jahr lang überall eine Stunde zu früh erscheinen, aber verschwenden sonst keinen Gedanken an die frisch bezogene Zeitzone. Andere sehen das völlig anders. Diese Gruppe leidet enorm unter der Verschiebung des gewohnten Tagesrhytmuses und braucht oft sehr lange, um sich umzugewöhnen.
Doch während wir mit beruhigender Regelmäßigkeit alle paar Monate über Minuten debattieren, gibt es eine Berufsgruppe, die sich viel häufiger und mit weitaus größeren Zeitreisen beschäftigt: Fernstrecken-Piloten. Mal fliegen sie der Uhr voraus, mal reisen sie der Zeit hinterher. Und dabei müssen sie stets fit und in höchster Leistungsbereitschaft bleiben.
Wer also wäre besser geeignet, uns bodennahen Bundesbürgern ein paar Tipps für den reibungslosen Eintritt in die Normalzeit zu geben? Miriam Pfannmüller ist eine erfahrene Langstreckenpilotin bei der Lufthansa. Sie fliegt in der Regel viermal pro Monat Langstrecke. Das heißt, so oft setzt sie ihren Körper Zeitverschiebungen von bis zu acht Stunden aus. "Das entspricht dem üblichen Pensum meiner Berufsgruppe", so Pfannmüller.
Meistens fliegt die Pilotin dreimal im Monat nach Fernost und einmal an die amerikanische Westküste. Also sogar in entgegengesetzte Zeitzonen. "Nach dem Hinflug haben wir 48 Stunden frei. In dieser Zeit können wir uns erholen", so Pfannmüller. Sie selber versucht, sich so schnell wie möglich der neuen Ortszeit anzupassen: "Wenn wir um elf Uhr Morgens landen, lege ich mich nur schnell zwei Stunden hin und stelle mir dann den Wecker." Sonst bekäme sie in der Nacht kein Auge zu.
Also, erster Tipp: Gleich in die neue Zeit einsteigen. Gehen Sie Sonntag Abend zur gewohnten Zeit ins Bett, auch wenn Sie glauben, noch gar nicht müde zu sein. So gewöhnt sich der Körper am schnellsten um.
Nach zwei Tagen Erholungszeit vor Ort fliegt die Mannschaft dann wieder zurück. Der nächste Kraftakt steht bevor. "Ich achte immer darauf, genügend Wasser zu trinken. Das hält mich fit", so Pfannmüller. Auch dies, ein leicht umzusetzender Ratschlag für den Normalbürger, der mit der Zeitumstellung kämpft. Das Trinken ist gut für den Kreislauf und sorgt für einen frischen Geist.
Wie wappnet sich die Pilotin sonst noch für die Reisen durch die Zeit? "Ich mache viel Sport und ernähre mich sehr gesund." Ein fitter und gestärkter Körper kann zusätzliche Belastungen besser verkraften als ein untrainierter. Ein Tipp der Pilotin: "Yoga hilft mir zusätzlich dabei, meine innere Mitte zu finden."
Was machen Piloten eigentlich, wenn sie in den 48 Stunden Erholungszeit, trotz aller Tricks, kein Auge zumachen konnten? "Im schlimmsten Fall müssen wir den Rückflug absagen und ein Kollege übernimmt die Tour. Wir tragen eine viel zu große Verantwortung, als dass man ein Risiko eingehen würde." Ansonsten sitzen bei Fernstreckenflügen immer drei Piloten im Cockpit. "So können wir uns reihum ausruhen", erklärt Pfannmüller.
Flugzeug-Crews müssen sich zwar mit viel extremeren Zeitverschiebungen herumschlagen, dafür tauchen sie jeweils nur kurz in die andere Zeitzone ein. Wir müssen unseren Organismus dauerhaft umgewöhnen. Aber mit den Tipps unserer Pilotin werden wir die Aufgabe auch in diesem Herbst wieder meistern!
Sophie Kelm / www.apotheken-umschau.de;
23.10.2009, aktualisiert am 10.01.2011
Bildnachweis: Ingrid Friedl/Lufthansa
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