Sekundenschlaf: Wie Sie vorbeugen

Wer übermüdet ein Auto lenkt, ­gefährdet sein Leben und das anderer. Was dagegen hilft

von Christian Krumm, aktualisiert am 14.01.2015

In der Dämmerung am Steuer einnicken? Das kann lebensgefährlich werden

Mauritius Images/Jochen Tack

Nur wenige Sekunden entscheiden täglich auf Autobah­nen und Landstraßen über Leben und Tod. Viele Verkehrsunfälle sind auf den Sekundenschlaf zurückzuführen.

Welche Gefahren das kurze und meist unbemerkte Ein­nicken am Steuer birgt, darauf weist der Ös­ter­reichi­sche Automobilclub hin: „Wer bei 130 Stunden­­kilome­tern auf der Autobahn fünf ­Sekunden einnickt, ist 180 Meter völlig reaktionslos unterwegs.“ Eine er­schre­cken­de Vorstellung.


Fit bleiben auf der Fahrt

  • Ausgeruht starten: Wer eine längere Fahrt vor sich hat, zum Beispiel in den Urlaub, sollte vorher unbedingt ausreichend geschlafen haben.

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  • Nachtfahrt vermeiden: Wer zu Müdigkeit oder Schläfrigkeit neigt, sollte auf nächtliche Fahrten generell verzichten.

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  • Erholung: Legen Sie möglichst oft Pausen ein. Berücksichtigen Sie das bereits bei Ihrer Routenplanung!

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  • Bewegung: Gehen Sie an die frische Luft – zu jeder Jahreszeit. Das macht fit für die nächste Etappe.

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  • Ablenkung: Flotte Musik aus dem Radio oder ein anregendes Gespräch mit dem Beifahrer hält einigermaßen fit, ersetzt aber nicht die erfrischenden Pausen und den notwendigen Schlaf.

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  • Kurzer Schlaf: Ein Nickerchen auf dem Rastplatz macht vorerst wieder munter. Doch länger als 15 oder 20 Minuten sollte es nicht dauern, sonst erreicht man die Tiefschlafphase und fühlt sich ­danach wie gerädert.

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  • Fahrerwechsel: Wechseln Sie sich nach Möglichkeit öfter mit dem ­Beifahrer ab.

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Kein Autofahrer ist vor dem Phänomen sicher. „In erster Linie sind Lkw-Fahrer betroffen, die oft unter Zeitdruck lange Strecken zurücklegen müssen“, sagt Professorin Maritta Orth, Schlafmedizinerin am Theresienkrankenhaus in Mannheim. Aber auch wer lange zum Urlaubsort unterwegs ist oder beruflich nachts fährt, unterschätzt oft, wie gefährlich es ist, sich müde ans Steuer zu setzen. Besonders häufig tritt das Sekundenschlaf-Phänomen während der physiologischen Tagesleistungstiefs auf, also vor allem nachts zwischen zwei und sechs Uhr, aber auch in der Zeit zwischen 12 und 16 Uhr.

Die klassische Situation sei aber die lange Nachtfahrt auf schnurgerader Autobahn mit wenig Verkehr, ohne jegliche Ablenkung, erklärt Orth. „Schläfrigkeit beinhaltet den zwang­haften Drang ungewollten Einschlafens insbesondere in monotonen ­Situationen“, sagt die Schlafexpertin. Menschen mit Tagesschläfrigkeit haben ein besonders hohes Risiko, am Steuer zu verunglücken.

So gebe es rund 80 verschiedene Krankheitsbilder, die Menschen schläfrig machen können. Das weitaus häufigste Beschwerdebild, das für Sekundenschlaf verantwortlich sein kann, ist das obstruktive Schlafapnoe-Syndrom. Dabei handelt es sich um eine Erkrankung, bei der die Betroffenen nachts schnarchen und längere Atem­aussetzer haben.

Schlafmangel schränkt Fahrtüchtigkeit ein

Doch auch Tagesschläfrigkeit aufgrund von Schlafmangel darf nicht unterschätzt werden. Sie schränkt die Fahr­tauglichkeit erheblich ein: Die Konzentration lässt nach, die Reaktionszeit verlängert sich, und außerdem überschätzt der Fahrer seine Fähigkeiten leichter. Die ersten Symptome sollten daher ernst genommen werden.

„Der Sekundenschlaf kündigt sich oft schon durch eine ­Abnahme der Lidschlagfrequenz an, wobei die Augenlider länger geschlossen sind als im Wachzustand. Die Fahrer haben das Bedürfnis, sich zu rekeln, suchen nach Bewegung, die sie sich im Auto aber schlecht verschaffen können“, beschreibt Maritta Orth die kritische Situation. Man beginnt sich die Augen zu reiben, zu gähnen, zu frösteln und mit den Gedanken abzuschweifen. Spätestens dann sollte der Fahrer im eigenen Interesse den nächsten Rastplatz ansteuern. Allgemein gilt, dass man bei längeren Fahrten spätes­tens nach 80 Minuten die erste Pause einlegen sollte.

Auch die Automobil­hersteller versuchen dem Problem Sekundenschlaf entgegenzuwirken. So entwickelte ein deutsches Unternehmen ein System, das ständig die Lidschlagfrequenz und andere Merkmale wie das Lenk- und Schaltverhalten ermittelt und auswertet. Bei eindeutigen Auffälligkeiten ertönt eine Warnmeldung. Doch auch damit kommt man um die wichtigste Maßnahme nicht herum: eine ordentliche Portion gesunden Schlaf.




Bildnachweis: Mauritius Images/Jochen Tack
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