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Schlafwandeln: Gefährliche Nachtwanderungen

Schlafwandeln ist kein harmloses Phänomen. Wer nachts unbewusst durch die Wohnung schleicht, kann sich leicht verletzen


Schlafwandler haben ein hohes Verletzungsrisiko

Comics und Karikaturen leben von überzeichneten Situationen. Schlafwandler werden darin gerne im Nachthemd gezeigt, wie sie mit ausgestreckten Armen durch die Gegend wandern. „Es wäre gar nicht mal so verkehrt, wenn das so abliefe, weil sie Hindernisse dann eventuell leichter erkennen und Verletzungen vermeiden könnten“, sagt Professor Axel Steiger, Leiter der Schlafambulanz am Münchner Max-Planck-Institut für Psychiatrie. Es sind aber nicht nur die Ecken und Kanten in der Wohnung, die das Schlafwandeln gefährlich machen. „Theoretisch ist es sogar denkbar, dass man sich im Schlaf ins Auto setzt und losfährt“, warnt Professor Ingo Fietze, Leiter des Schlafmedizinischen Zentrums an der Berliner Charité.

Ungeklärtes Phänomen

Meist sind es jedoch ganz gewöhnliche Handlungen in den eigenen vier Wänden, die Schlafwandler während einer Tiefschlafphase ausführen. Sie gehen zur Toilette oder holen sich in der Küche einen Happen zu essen – ohne etwas davon mitzubekommen, geschweige denn, sich am nächs­ten Morgen daran zu erinnern.


Normalerweise ist während des Schla­fens die Muskelspannung vermindert oder – wie in den REM-Schlafphasen – sogar weitgehend unterdrückt. „Das ist auch sinnvoll, denn das spart Energie und verhindert heftige Bewegungen im Traumschlaf“, erläutert Ingo Fietze. Warum sich allerdings Schlafwandler sogar gut koordiniert bewegen können, ist noch nicht bekannt. „Sicher ist nur, dass ein Zusammenspiel mehrerer Gehirnareale dafür verantwortlich ist“, erklärt der Schlafmediziner. Auch Schlafforscher Axel Steiger kann nur vermuten: „Wahrscheinlich liegt eine Art Reifungsstörung im Gehirn vor.“

Test im Schlaflabor

Bei Kindern kommt das Phänomen relativ häufig vor: Etwa jedes fünfte Kind unter zwölf Jahren schlafwandelt hin und wieder. Im Lauf der Jahre verschwindet das Phänomen. Nur noch et­wa drei bis vier Prozent der Erwachsenen sind nachts im Schlaf unterwegs.


Wichtige Schlafphasen

  • Tiefschlafphase

    Hier sind die Hirnstromwellen am langsamsten. Die Tiefschlafphasen werden im Lauf der Nacht kürzer und schwächer.


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  • REM-Phase

    Sie ist durch schnelle Augenbewegun­gen gekennzeichnet (englisch: „Rapid Eye Movement“). In dieser Zeit finden die meisten Träume statt.


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Ingo Fietze geht jedoch von einer ­hohen Dunkelziffer aus: „Es kommen ja nur jene Betroffenen zu uns, die eine ­gefährliche Episode erlebt haben, die im Tiefschlaf also beispielsweise auf die Straße gelaufen sind.“ Dann sei es durchaus ratsam, im Schlaflabor weitere Untersuchungen durchzuführen. Man könne dabei die Bewegungs­aktivität im Tiefschlaf und die Dauer der Tiefschlafphasen ermitteln, die bei Betroffenen oft besonders lang und ausgeprägt sind.

„Wichtig ist eine Untersuchung vor allem, um beispielsweise eine Epilepsie-Erkrankung auszuschließen. Diese müsste ganz anders behandelt werden“, erläutert Axel Steiger. Vielleicht liege auch eher eine REM-Schlaf-Verhaltensstörung vor. Dabei bewegen sich die Betroffenen während der REM-Schlafphasen im Bett, fallen heraus oder verletzen gar den Partner, weil sie sich im Traum irgendwo festklammern. In erster Linie gilt es, entsprechende Vorsichtsmaßnahmen zu treffen, damit die nächtliche Wandertour nicht zu Verletzungen führt. Gegebenenfalls sollte man Fenster und Türen sichern sowie am besten nachts das Schlafzimmer absperren.


Apotheken Umschau-Chefredakteur Hans Haltmeier erklärt, wie Schlafwandeln in der Realität aussieht

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Vom Licht angezogen

„Schlafwandler haben oft die Tendenz, zu Lichtquellen zu gehen. Man kann also versuchen, die Wohnung so zu gestalten, dass sie nur im Schlafzimmer ein Licht sehen und nicht auf die Idee kommen, woanders hinzugehen“, rät Ingo Fietze. Vor allem aber gelte es, ­gelassen zu bleiben, so der Berliner Mediziner. Nur in Ausnahmefällen, wenn keine anderen Maßnahmen helfen, könne man in enger Abstimmung mit einem Schlafmediziner medikamentös eingreifen.

Übrigens: Auch wenn es in den Comics oft anders dargestellt wird, darf man einen Schlafwandler jederzeit wecken – wenn es denn überhaupt gelingt. In den meisten Fällen ist das aber nicht nötig. Am besten, Sie geleiten ihn einfach wieder vorsichtig ins Bett zurück.



Christian Krumm / Apotheken Umschau; 24.01.2012
Bildnachweis: Getty Images/Melanie Acevedo

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