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Einschlafen: Was hilft wirklich?

Ob warme Milch oder Schäfchen zählen – Tipps und Tricks zum Einschlafen gibt es viele. Doch was bringen sie?


Wer krampfthaft Schäfchen zählt, findet erst recht keinen Schlaf

Wieder eine schlaflose Nacht gehabt? Viele Menschen kämpfen mit Einschlafproblemen. Häufig sind es Stress und Sorgen, die uns um die verdiente Nachtruhe bringen.

Wer dauerhaft Einschlafprobleme hat, sollte besser seinen Hausarzt aufsuchen. Manchmal ist eine Untersuchung im Schlaflabor oder bei einem Psychiater oder Neurologen sinnvoll. Kurzfristige Abhilfe versprechen sich viele von Tipps wie warmer Milch, Sport vor dem Einschlafen oder dem berühmten Schäfchen zählen. Jeder hat da seine eigene Methode. Doch was hilft wirklich? Wir stellen die bekanntesten Tricks und Hausmittel auf den Prüfstand:


Milch

Das Glas warme Milch mit Honig ist ein beliebtes Hausmittel. Viele schwören auf seine schlaffördernde Wirkung. „Wissenschaftlich nachgewiesen ist der Effekt allerdings nicht“, sagt Professor Dieter Riemann, Schlafforscher am Universitätsklinikum Freiburg. Zwar enthält Milch das Hormon Melatonin, doch die Dosierung ist zu gering, um wirklich das Einschlafen zu beschleunigen. „Warme Milch dürfte eher einen psychologischen Effekt haben“, vermutet Riemann. Sie macht satt, entspannt und hilft so zur Ruhe zu kommen.

Schäfchen zählen

Die wohl bekannteste Einschlafhilfe kann tatsächlich helfen. „Das Zählen ist ein sehr monotoner und reizarmer Vorgang. Es lenkt von Problemen und Gedanken ab, die einen am Schlaf hindern könnten“, sagt Dr. Helen Slawik vom Schlafmedizinischen Zentrum der Technischen Universität München. Natürlich sind die Schafe dabei nicht das Entscheidende. Auch andere beruhigende, reizarme Gedanken können eine einschläfernde Wirkung haben. So hilft es auch, sich eine schöne Landschaft vorzustellen. Wichtig ist, dass man sich dabei entspannt. Wer sich beim Schäfchen zählen zu viel Druck macht, wird erst recht am Schlaf gehindert. Es lohnt sich, Entspannungsübungen schon einmal tagsüber zu üben. So fallen sie nachts leichter.

Lesen

Eine sinnvolle und nützliche Methode: Lesen hilft ähnlich wie Schäfchenzählen beim Abschalten. Allerdings nur, solange die Lektüre nicht zu emotional aufwühlend ist. Lesen Sie außerdem besser nicht direkt im Bett.

Fernsehen

Als Einschlafmethode weniger geeignet als das Lesen ist das Fernsehen. Das blaue Licht, das TV ebenso wie Computer ausstrahlen, scheint die Produktion von Melatonin zu hemmen. Es kann somit ein schnelles Einschlafen verhindern.

Sport

Wer Sport treibt, wird müde und kann danach besser schlafen. Klingt soweit logisch und ist auch richtig. Allerdings benötigen Körper und Geist nach sportlichen Aktivitäten Zeit zum Abschalten. Deshalb sollte man spätestens zwei bis drei Stunden vor dem Schlafengehen keinen Sport mehr treiben. Der ideale Zeitpunkt ist am späten Nachmittag. So bleibt dem Körper genug Zeit, um zur Ruhe zu kommen.

Duschen

Verhilft duschen vor dem Schlafengehen zu ruhigen Nächten? Kommt darauf an. Kalt abduschen wirkt kreislaufanregend und vertreibt deshalb eher die Müdigkeit. Anders sieht es mit einer warmen Dusche oder einem Bad aus. Die Extremitäten erwärmen sich dabei, das kann das Einschlafen erleichtern. Deshalb können auch dicke Socken hilfreich sein. Allerdings sind Socken im Bett bekanntlich nicht jedermanns Geschmack. Auch die Temperatur im Schlafzimmer spielt beim Einschlafen eine Rolle. „Die ideale Raumtemperatur zum Schlafen beträgt etwa 18 Grad“, erklärt Slawik.

Alkohol

Das Feierabendbier ist bei vielen beliebt. Tatsächlich fördert Alkohol ein rascheres Einschlafen. Wegen der Nebenwirkungen ist er dennoch nicht als Einschlafhilfe geeignet. Alkoholkonsum führt zu einem weniger tiefen Schlaf. Man wacht infolgedessen nachts häufiger auf. „Wer über einen längeren Zeitraum größere Mengen Alkohol zu sich nimmt, kann seine Schlaftiefe und -kontinuität nachhaltig stören“, sagt Slawik.


Gibt es die perfekte Einschlafmethode?

Wohl eher nicht. Die meisten Mittel haben vor allem einen psychologischen Nutzen. Ganz gleich, ob das nun Kräutertees, Milch oder die zahlreichen anderen Lebensmittel sind, denen eine schlaffördernde Wirkung nachgesagt wird. „Beim Einschlafen spielt der Placebo-Effekt eine wichtige Rolle“, sagt Slawik. Deshalb muss jeder für sich selbst herausfinden, was ihn am besten in den Schlaf wiegt. Wichtig ist, dass Körper und Gehirn zur Ruhe kommen. Deswegen sollte man nach Möglichkeit abends Stress vermeiden und sich mit einem entspannten Abendprogramm auf die Schlafenszeit einstimmen.

Außerdem sind feste Gewohnheiten hilfreich. Rituale wie lesen, einen kurzen Spaziergang machen oder ein Glas Milch trinken, erleichtern das Einschlafen. Damit kann man den Körper regelrecht auf Schlaf programmieren. Er verbindet dann beispielsweise das Lesen fest mit der bevorstehenden Nachtruhe und stellt sich entsprechend ein. Und das Bett sollte nur zum Schlafen da sein, damit der Körper es mit keiner anderen Tätigkeit assoziiert. Auch feste Bettgehzeiten sind empfehlenswert.

Der krampfhafte Versuch, endlich einzuschlafen, führt meist nur zum Gegenteil. Dann gerät man schnell in einen Teufelskreis, bei dem man grübelnd im Bett liegt und erst recht nicht zur Ruhe kommt. In solchen Fällen ist es besser, wieder aufzustehen und sich für ein paar Minuten mit einer anderen Beschäftigung abzulenken. Beispielsweise mit Musik hören oder bügeln. Wenn Sie die Gedanken sortiert haben, legen Sie sich wieder ins Bett.

Ernste und dauerhafte Schlafstörungen lassen sich mit diesen Tipps aber nur begrenzt behandeln. In diesen Fällen sollten Sie sich besser an Ihren Arzt wenden.




Bildnachweis: iStock/Sdominick, Thinkstock/Hemera

Stephan Soutschek / www.apotheken-umschau.de; aktualisiert am 26.02.2014, erstellt am 30.06.2011
Bildnachweis: iStock/Sdominick, Thinkstock/Hemera

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