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Ein Plädoyer für den Mittagsschlaf

Müde in der Mittagspause? Geben Sie dem Schlafbedürfnis nach. Ein kurzes Nickerchen am Tag entspricht unserem natürlichen Biorhythmus und ist sehr gesund


Nicht faul, sondern klug. Ausgeschlafen arbeitet man viel effektiver

Der Kaffeestrahl aus der Kanne trifft die Tastatur. Die "Ich-bin-so-müde"-Email an die Kollegin landet aus Versehen beim Chef und am Büro-Telefon melden Sie sich mit Ihrem Kosenamen? Diagnose: ziemlich schweres Mittagstief. Aber verzweifeln Sie nicht, Sie sind nicht allein.

"Die Tendenz, mittags zu schlafen, ist in jedem Menschen angelegt", erklärt Professor Göran Hajak, Leiter des Schlafmedizinischen Zentrums der Universität Regensburg. Das Mittagstief ist Teil unserer Biologie, unser "zirkadianen Rhythmik" wie der Fachmann sagt. Unser inneren Uhr – wie der müde Otto-Normal-Schläfer murmelt.


Die bleierne Schwere zeigt sich oft besonders deutlich nach dem Mittagessen. Aber auch ohne einen Kartoffelauflauf im Bauch durchleben die meisten Menschen zwischen 13 und 15 Uhr ein Leistungstief. Oft verbunden mit einem ausgeprägten Schummerbedürfnis. Was hilft dagegen? Mittagsschlaf! Klingt altbacken, ist aber topaktuell, effektiv und sinnvoll.

Im Ausland ist man uns voraus

Was in Deutschland noch weitgehend unvorstellbar ist, gehört in Amerika und Asien bereits oft zum Alltag – das mittägliche "Powernapping". Und zwar mit Recht! "Menschen, die mittags kurz schlafen, sind leistungsfähiger, leben gesünder, erkranken seltener an Depressionen oder Infektionskrankheiten und erfreuen sich einer insgesamt besseren Befindlichkeit", preist auch Hajak den kleinen Energie-Schlummer für Zwischendurch.

Ganz wichtig: Schlafen Sie nie zu lange. Eine viertel bis halbe Stunde ist optimal. Nach zirka 20 Minuten setzt der Tiefschlaf ein. Wenn der erst einmal erreicht ist, dann kommt der biologische Rhythmus durcheinander. Der Körper denkt, es sei nun Abend und man wacht schlaftrunken und gerädert auf. "Es kann bis zu zwei Stunden dauern, bis der ganze Apparat wieder hochgefahren ist", so Hajak. Wecker stellen also nicht vergessen.

Auch Dalí war Powernapper

Dazu eine kleine Anekdote. Auch dem spanischen Maler Salvador Dalí soll sein Mittagsschläfchen heilig gewesen sein. Um zu verhindern, dass er zu lange schlummerte setzte sich der Künstler in seinen Lieblingssessel, nahm einen Löffel in die Hand und legte unter die Stuhllehne einen Teller. Trat der Tiefschlaf ein, entspannte sich des Malers Hand, der Löffel fiel mit lauten Geschepper auf das Porzellan und Dali war wieder wach und voller Tatendrang.

Wer die Möglichkeit hat, kann sich für das Powernapping selbstverständlich hinlegen. Aber auch ein gemütlicher Sessel oder Bürostuhl tut einen guten Dienst. "In Japan legen die Büroangestellten oft einfach nur den Kopf auf die gekreuzten Arme auf dem Tisch und beschreiben auch diese Variante allgemein als sehr erholsam", weiß Hajak.

Das passiert im Körper

Was ist nun eigentlich das Gesunde an dem Mittagsschlaf? In erster Linie geht es um Stressabbau. Wir Menschen stehen ständig unter einer gewissen Anspannung. Der kurze Schlaf führt einmal schnell zwischendurch zu einer großen Entspannung. Der Kreislauf fährt herab, beruhigende Hormone werden ausgeschüttet, die Muskeln relaxieren. Kein Wunder, dass man danach erfrischt und erholt aufwacht.

Ein Mittagsschläfchen eignet sich für jeden, so Schlafforscher Hajak. Die komplette Entspannung tut allen Menschen gut, sogar Schlafstörungs-Patienten. Die 20 Minuten ohne Tiefschlaf rechnet der Körper nicht auf das nächtliche Schlafkonto an. Ganz im Gegenteil, die tägliche Stresspause kann Schlummergestörten sogar helfen, ihre Probleme zu überwinden. Auch Depressive können laut Hajak von einem kurzen Mittagsschlaf profitieren. Wer an Schlafstörungen oder Depressionen leidet, sollte aber trotzdem mit seinem Arzt sprechen.

Powernappen dürfen Sie übrigens gerne täglich. Tun Sie es einfach, so oft Sie die Möglichkeit dazu finden. Mit steigendem Alter nimmt die Tendenz zu, mittags zu ermüden. "Das liegt am biphasischen Biorhythmus des Alters", erklärt Hajak. Und besonders die älteren Semester sollten ihrem Schlummerbedürfnis nachkommen. Denn ausgeschlafen ist die Gefahr zu stürzen deutlich geringer.



Sophie Kelm / www.apotheken-umschau.de; 10.01.2011, aktualisiert am 16.02.2011
Bildnachweis: Thinkstock/iStockphoto

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