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Das hilft bei Schlafstörungen

Gegen Schlafprobleme gibt es viele wirksame Methoden. Ohne den Einsatz der Betroffenen geht es aber nicht


Traumreise: Erholung suchen auf einer Waldlichtung

Oft bitten Schlafgeplagte ihren Arzt um ein schnell wirkendes Schlafmittel. Nur selten ist es damit getan, ganz im Gegenteil. Schlafmediziner Professor Geert Mayer: „Für uns war es überraschend, dass verhaltenstherapeutische Verfahren langfristig viel besser wirken als Medikamente.“

Schritt Nummer 1, damit Schlafgestörte wieder zu einer ruhigen Nacht finden: Um organische oder psychische Gründe für die Schlafprobleme wie eine Schilddrüsen-Überfunktion oder Depression auszuschließen, untersucht der Arzt den Patienten sorgfältig. Fällt der Befunde negativ aus, stehen folgende Ansätze zur Auswahl:


Verhaltenstherapeutische Ansätze

  • Psychoedukation

Zahlreiche Menschen haben unrealistische Vorstellungen, was ihren Schlaf betrifft. Um dem auf die Spur zu kommen, helfen zunächst Schlaf-wach-Protokolle und ein ausführliches Gespräch. „Dabei klären Ärzte den Patienten darüber auf, was normaler und gesunder Schlaf ist, und besprechen, wie er verbessert werden kann“, erläutert Riemann.

So sollte der Schlaflose beispielsweise abends keinen Alkohol trinken und nachts das Auf-die-Uhr-Sehen unterlassen. Ärzte empfehlen, sich mindestens zwei Wochen lang konsequent an diese Regeln zu halten.

  • Entspannungstechniken

Vor allem das autogene Training und die progressive Muskelentspannung nach Jacobson haben sich bei der Therapie von Schlafstörungen bewährt. Allerdings tritt die Wirkung erst allmählich ein. „Wir empfehlen zusätzlich Methoden, die zum jeweiligen Patienten passen, wie Meditation, Yoga und Tai-Chi. Oder Aqua-Healing“, sagt Mayer und konkretisiert: „Dabei zieht der Therapeut den Patienten sanft durchs Wasser.“ Solche Anwendungen können zusätzlich mit kognitiven Techniken kombiniert werden.

  • Schlafrestriktion

Die Zeit, die ein Patient jede Nacht im Bett verbringt, wird hierbei zunächst eine bis zwei Wochen lang stark verkürzt, etwa von zehn auf fünf Stunden. „Schläft er dann innerhalb dieser fünf Stunden drei Nächte lang 85 Prozent der Zeit, also vier und eine viertel Stunde, darf er seine Bettzeit in der nächsten Woche etwas verlängern“, sagt Mayer. Durch diese Methode erreichen die meisten Menschen mit Schlafproblemen eine Bettzeit von sechs bis siebeneinhalb Stunden.

  • Stimuluskontrolle

Bei diesem Verfahren sollen sich die Patienten nur dann ins Bett legen, wenn sie sich müde fühlen, und aufstehen, wenn sie nach zehn Minuten nicht eingeschlafen sind. Wachen sie nachts auf, sollen sie sofort aufstehen. Riemann gibt zu bedenken: „Das hört sich leichter an, als es ist. Nachts um drei überlegt jeder: Warum soll ich jetzt raus aus dem gemütlichen Bett?“ Zu diesem Vorgehen gehört auch, dass die Betroffenen jeden Tag zur gleichen Zeit aufstehen und auf ein Nickerchen tagsüber verzichten.

  • Kognitive Techniken

Um nächtliches Grübeln zu unterbrechen, gibt es verschiedene Methoden: Patienten werden etwa dazu angehalten, das beginnende Gedankenkarussell durch ein gedachtes oder laut ausgesprochenes „Stopp!“ zu unterbrechen. Auch der Sorgensack fällt darunter – ebenso wie das Training, unangenehme Vorstellungen durch beruhigende Bilder zu ersetzen. Eine weitere kognitive Technik ist die „paradoxe Intervention“: Die Patienten sollen das Nicht-einschlafen-Können bewusst herbeiführen, sich bemühen, im Bett wach zu bleiben.

  • Medikamentöse Hilfen

Benzodiazepine:
In Krisensituationen kommen kurzfristig Medikamente zum Einsatz. Als wirksam gelten die klassischen Benzodiazepine und deren Nachfolgersubstanzen. „Die Mittel sollten so kurz wie möglich und in möglichst niedriger Dosis genommen werden“, sagt Professor Wilhelm Niebling, Facharzt für Allgemeinmedizin in Titisee-Neustadt und Mitglied im Vorstand der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft. „Es besteht das Risiko einer Abhängigkeit. Zudem fehlen ausreichende Daten zu Wirksamkeit und Sicherheit in der Langzeittherapie.“

Antidepressiva:

Oft erhalten Schlaflose bestimmte Antidepressiva in niedriger Dosis. „Bislang werden sie off-label, also ohne Zulassung für Schlafstörungen, verordnet“, schränkt Niebling ein. Auch hier gibt es keine Studien zu Wirksamkeit und Sicherheit beim Einsatz gegen Schlafstörungen.

Neuroleptika:

Ärzte setzen solche Präparate ebenfalls off-label ein. Jedoch sind das hochpotente Mittel mit starken Neben- und Wechselwirkungen.



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Christine Wolfrum und Ullrich Jackus / Apotheken Umschau; 17.01.2011, aktualisiert am 26.01.2011
Bildnachweis: W&B/Fotolia/2011, ONOKY

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