Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose)

Bei der Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) produziert das Organ zu viel von den Schilddrüsenhormonen Thyroxin und Trijodthyronin. Mehr zu Ursachen, Symptomen und Therapie

aktualisiert am 28.09.2015

Wichtiges Organ: Die Schilddrüse (hier gelb eingefärbt)

W&B/Martina Ibelherr

nach obenWas ist eine Schilddrüsenüberfunktion?

Die Schilddrüse ist ein schmetterlingsförmiges Organ, das sich unterhalb des Kehlkopfes an die Luftröhre schmiegt. Aus Eiweiß und Jod produziert die Schilddrüse die lebenswichtigen Schilddrüsenhormone Trijodthyronin (T3) und Thyroxin (T4). Diese werden ins Blut abgegeben, wobei ein in der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) gebildetes Hormon mit Namen TSH diesen Vorgang reguliert.

Die Schilddrüsenhormone beeinflussen neben Stoffwechsel, Kreislauf und Wachstum auch unser psychisches Wohlbefinden. Produziert die Schilddrüse zu viele Hormone, liegt eine Überfunktion (Hyperthyreose) vor. Steckt ein Jodmangel hinter der Überfunktion, ist die vergrößerte Schilddrüse häufig als Vorwölbung im Halsbereich zu sehen. Umgangssprachlich wird dies als Kropf bezeichnet. Vorwiegend Frauen sind davon betroffen.


Anzeichen einer Schilddrüsenüberfunktion können unter anderem Gewichtsverlust trotz gutem Appetit, Ruhelosigkeit, ein beschleunigter Puls, Zittern, Durchfälle sowie übermäßiges Schwitzen sein.

Ohne entsprechende Therapie heilt eine Hyperthyreose in den meisten Fällen nicht aus, sondern bedeutet für den Organismus eine ständige Belastung mit der Möglichkeit lebensbedrohlicher Komplikationen.

Wichtig: Patienten mit einer Hyperthyreose sollten Ärzte auf ihr Leiden hinweisen. Bei bestimmten Untersuchungsmethoden, bei denen zum Beispiel jodhaltige Kontrastmittel eingesetzt werden, kann es sonst möglicherweise zu Komplikationen kommen. Auch bei der Verordnung von Medikamenten muss das Leiden unter Umständen berücksichtigt werden.


Lage: Die Schilddrüse befindet sich vor der Luftröhre

W&B/Martina Ibelherr

nach obenUrsachen

Die Ursachen sind zwar vielfältig, doch mehr als 95 Prozent der Hyperthyreosen werden durch die Basedowsche Erkrankung (Morbus Basedow) oder durch eine Autonomie verursacht.

  • Basedowsche Erkrankung

Hierbei handelt es sich um eine so genannte Autoimmunerkrankung. Aus bisher nicht geklärten Gründen werden verschiedene Antikörper gegen die Schilddrüse gebildet. Die wichtigsten (TSH-Rezeptor-Autoantikörper, "TRAK") stimulieren dabei die hormonbildenden Zellen, wodurch es zu einer gesteigerten Produktion von Schilddrüsenhormonen kommt. Da diese Produktion sich nicht mehr am tatsächlichen Bedarf des Körpers orientiert, kommt es zu einer Schilddrüsenüberfunktion. Meist ist das auch mit einer Vergrößerung der Schilddrüse verbunden (Kropf).

Typisch für den Morbus Basedow ist, dass sich der Autoimmunprozess nicht nur an der Schilddrüse, sondern auch am Gewebe der Augenhöhlen (endokrine Orbitopathie) und an der Haut des Unterschenkels (prätibiales Myxödem) bemerkbar macht (siehe Abschnitt "Symptome").

  • Autonomie

Eine funktionelle Autonomie bedeutet: Teile der Schilddrüse (einzelne Knoten beziehungsweise "autonome Adenome") oder das gesamte Schilddrüsengewebe bilden selbstständig Hormone. Die sogenannten autonomen Areale unterliegen damit nicht mehr der Steuerung durch die Hirnanhangsdrüse (Hypophyse). Das kann zu einer Überfunktion führen, sofern die Hormonproduktion den Bedarf des Körpers übersteigt.

Häufig produzieren die gesunden Schilddrüsenregionen zum Ausgleich weniger Hormone, wodurch der Hormonspiegel im Lot gehalten werden kann. Nehmen Betroffene längere Zeit zuviel Jod auf oder bekommen sie bestimmte Medikamente verabreicht – oder etwa jodhaltige Kontrastmittel, die bei bestimmten bildgebenden Untersuchungsverfahren verwendet werden – kann dies dazu führen, dass die kranken, unreguliert arbeitenden Areale plötzlich zu viel Schilddrüsenhormone abgeben. Ein Ausgleich ist nicht mehr möglich, der Hormonspiegel gerät in den roten Bereich.

Die Ursache einer Schilddrüsenautonomie ist oft eine länger bestehende, durch Jodmangel bedingte, Vergrößerung der Schilddrüse (Jodmangelstruma / Kropf). Die Knotenbildung gehört dabei zu den häufigen, aber nicht notwendigen Begleiterscheinungen. Typisch ist, dass sich autonome Knoten bei der Szintigrafie-Untersuchung – einem bildgebenden Verfahren, das Auskünfte über die Aktivität des Schilddrüsengewebes geben kann – sehr aktiv zeigen (sogenannte "heiße Knoten").

  • Seltenere Ursachen

Bei Schilddrüsenentzündungen kann es zeitlich begrenzt auch zu einer Überfunktion kommen. Sehr selten sind hormonproduzierende Tumoren (zum Beispiel Schilddrüsentumoren oder Tumoren der Hirnanhangdrüse) Ursache einer Hyperthyreose. Wird in der Frühschwangerschaft ein bestimmtes Hormon, das im Mutterkuchen gebildet wird (HCG), in zu großen Mengen produziert, kann es ebenfalls zu einer vorübergehend auftretenden Überfunktion führen, oft verbunden mit heftigem Erbrechen. Auch bei einer zu hoch dosierten Schilddrüsenhormontherapie kann es zu Hyperthyreose-Symptomen kommen, die nach einer Dosiskorrektur aber wieder verschwinden.


Zu groß? Einen Kropf kann man oft ertasten

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nach obenSymptome

Schluckbeschwerden, Heiserkeit oder Probleme beim Zuknöpfen des Kragenknopfes können Anzeichen einer vergrößerten Schilddrüse sein. Auf Schilddrüsenknoten können Vorwölbungen oder Schwellungen im vorderen Halsbereich hinweisen. Weitere mögliche Symptome einer Schilddrüsenüberfunktion sind:

  • Nervosität, Reizbarkeit, Rastlosigkeit, Konzentrationsschwäche
  • Zittern
  • Schlafstörungen
  • Hoher Blutdruck, heftiger Puls und zu schneller Herzschlag (Herzrasen); im Extremfall auch lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen.
  • Gewichtsverlust trotz guten Appetits
  • Warme, feuchte Haut, Schweißausbrüche, Wärmeunverträglichkeit
  • Haarausfall, brüchige Nägel
  • Durchfall
  • Muskelschwäche, Muskelschmerzen
  • Manchmal dunkle Hautverfärbungen oder weiße Flecken (Vitiligo)
  • Menstruationsstörungen; Verminderung von Libido und Potenz
  • Teigige Unterschenkelschwellungen (Myxödem) bei der Basedowschen Erkrankung
  • Augensymptome im Rahmen der Basedowschen Erkrankung. Dazu gehören: Tränenfluss, Fremdkörpergefühl, Lichtscheu, Druckgefühl (manchmal schmerzhaft), Rötung der Augenbindehaut, Lidschwellung, Hervortreten der Augen (Exophthalmus) und Sehstörungen (oft Doppelbilder)

Komplikationen

Bei der (eher seltenen) sogenannten hyperthyreoten Krise ist die Schilddrüsenaktivität hochgradig gesteigert, es kommt zu Symptomen wie Fieber, ungewöhnlicher Schwäche und Bewusstseinsstörungen. Im schlimmsten Fall kann Bewusstlosigkeit eintreten (thyreotoxisches Koma). Herz- und Leberschäden sind möglich und es besteht Lebensgefahr. Rasche und intensive Therapiemaßnahmen sind erforderlich.

Jodhaltige Röntgenkontrastmittel oder Medikamente können eine bereits schwere Schilddrüsenüberfunktion bis hin zur thyreotoxischen Krise verschlimmern. Der Jodgehalt in Nahrungsmitteln stellt kein Problem dar. Andere mögliche Auslöser einer Krise sind Infektionen, Trauma, Operationen, das Absetzen von Schilddrüsenmedikamenten und Stresssituationen – aber auch nur dann, wenn bereits eine schwer behandelbare Schilddrüsenüberfunktion vorliegt.


Ultraschall: So lässt sich die Größe der Schilddrüse beurteilen

W&B/Bello & Knapp

nach obenDiagnose

Meist geben die Schilderungen des Patienten dem Arzt schon erste Hinweise auf die Erkrankung. Eine Vergrößerung der Schilddrüse lässt sich unter Umständen bereits beim Abtasten des Halses feststellen. Mit weiterführenden Untersuchungen wie der Bestimmung von Blutwerten sowie bildgebenden Verfahren wie Ultraschall und Szintigrafie kann der Mediziner dann den Verdacht bestätigen und nach den Ursachen forschen

Blutuntersuchungen

Zunächst wird der Wert des Hormons TSH bestimmt. TSH wird in der Hirnanhangsdrüse produziert und steuert die Produktion der Schilddrüsenhormone und ihre Abgabe ins Blut. Daneben oder anschließend wird gegebenenfalls die Konzentration der Schilddrüsenhormone ermittelt. Bei einer Überfunktion der Schilddrüse liegt der TSH-Wert meist unterhalb des Normbereichs, während die Schilddrüsenhormonwerte im Blut erhöht oder noch normal sind (kompensierte Hyperthyreose). Ist der TSH-Wert normal, ist eine Überfunktion der Schilddrüse fast ausgeschlossen. Bei der Basedowschen Erkrankung lassen sich in mehr als 90 Prozent der Fälle Schilddrüsenantikörper im Blut nachweisen.

Sonographie (Ultraschall)

Mit Ultraschall werden Größe und Struktur der Schilddüse beurteilt. Das Erscheinungsbild im Ultraschall kann dem Arzt auch bereits Hinweise auf die Ursache der Vergrößerung geben. Unter Ultraschallkontrolle können gegebenenfalls mit einer feinen Nadel auch Gewebeproben (Biopsien) entnommen werden.

Schilddrüsenszintigrafie

Sind die Ultraschallergebnisse auffällig, zum Beispiel wenn eine Vergrößerung, oder knotige Veränderungen vorliegen, kann eine Funktionsprüfung mittels Schilddrüsenszintigrafie klären, wie und in welchem Umfang die Schilddrüse Jod aufnimmt. Dem Patienten wird dazu eine radioaktiv markierte Substanz in die Vene gespritzt. Bei einer Überfunktion nehmen typischerweise entweder die ganze Schilddrüse oder nur einzelne Bereiche ("heiße Knoten") die markierte Substanz verstärkt auf.

Zusätzliche Untersuchungen

Im Einzelfall können eine Computertomografie des Halses, Röntgenaufnahmen der Luftröhre oder die Farbultraschalluntersuchung der Schilddrüse nötig sein, um weiteren Aufschluss über Ausmaß und Ursache der Erkrankung zu geben.

Untersuchungsergebnisse bei typischen Ursachen

Ist die Diagnose Überfunktion bestätigt, müssen die Ursachen geklärt werden. Hierbei gilt:

  • Autonomie: Ein höheres Lebensalter sowie eine deutliche und knotige Schilddrüsenvergrößerung lassen an eine Autonomie denken. Die Sonografie zeigt meist mehr oder weniger ausgeprägte knotige Veränderungen. Bei der Szintigrafie treten die Knoten als "heiße Knoten" zum Vorschein, das heißt sie nehmen besonders viel radioaktiv markierte Substanz auf.
  • Basedowsche Erkrankung: Die Basedowsche Erkrankung tritt eher bei jüngeren Patienten auf, die Schilddrüse ist meist nur mäßig vergrößert und in der Regel liegen keine Knoten vor. Augensymptome beweisen einen Morbus Basedow. Im Blut sind hohe Schilddrüsenantikörperwerte zu erwarten. Im Ultraschall zeigt sich die Schilddrüse echoarm (eher dunkel); die Szintigrafie zeigt eine diffuse und stark erhöhte Aufnahme der radioaktiven Substanz.

Bestimmte Medikamente hemmen die Hormonproduktion der Schilddrüse

W&B/Martin Ley

nach obenTherapie

Die Basedowsche Erkrankung neigt in einigen Fällen zur Selbstheilung. Bis zum Abklingen der Symptome der Schilddrüsenüberfunktion gilt eine medikamentöse Therapie als sinnvoll. Allerdings ist beim Morbus Basedow die Rückfallquote mit etwa 50 Prozent hoch. Dann kommen andere Therapieformen wie eine Operation oder die Behandlung mit radioaktivem Jod (Radiojodtherapie) zum Einsatz.

Medikamente, welche die Schilddrüsenfunktion hemmen (Thyreostatika), können auch die Symptome einer Autonomie lindern. Doch die autonomen Regionen werden durch eine solche Therapie nicht beseitigt, weshalb Medikamente hier meist nur als Überbrückung in der Zeit bis zu einer Operation oder Radiojodtherapie dienen.

  • Medikamente

Die Einnahme von Thyreostatika, den "Schilddrüsenblockern", ist die bei der Schilddrüsenüberfunktion übliche anfängliche Behandlung. Hat sich dadurch die im Blut gemessene Hormonkonzentration wieder normalisiert, kommen für die abschließende Heilung eine Radiojodtherapie oder eine Operation infrage. Zwar hemmen Thyreostatika die Produktion der Schilddrüsenhormone. Doch da zu Beginn noch ein Überschuss davon vorhanden ist, dauert es etwa eine Woche, bis der Patient die Besserung verspürt. Schwer verlaufende Überfunktionen können manchmal nicht ausreichend durch Medikamente stabilisiert werden. Dann erfolgt die Operation oder Radiojodtherapie frühzeitig, noch bevor sich die hormonelle Situation normalisiert hat – trotz noch vorhandener Überfunktion. Welches Vorgehen das passende ist, hängt also immer vom individuellen Krankheitsfall ab.

Bei der Basedowschen Erkrankung werden die Thyreostatika zunächst über etwa zwölf Monate gegeben. In ungefähr der Hälfte der Fälle bessert sich die Erkrankung nach dieser Zeit längerfristig. Die übrigen Patienten müssen mit anderen Verfahren weiterbehandelt werden.

Während der Schwangerschaft – die eine Schilddrüsenüberfunktion verstärken kann – sind Thyreostatika die Therapie der Wahl. Die Dosis muss dabei so niedrig wie möglich gehalten werden.

In manchen Fällen sind auch Betablocker sinnvoll, die sonst zum Beispiel als Blutdrucksenker eingesetzt werden. Diese Medikamente verringern den Einfluss der Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin auf den Körper. Sie verlangsamen so den Herzschlag und können das bei manchen Patienten mit Hyperthyreose auftretende Zittern mildern.

  • Radiojodtherapie

Das Prinzip: Zerstörung von Gewebe durch radioaktive Strahlung. Dabei wird dem Patienten radioaktives Jod verabreicht. Zerstört werden Schilddrüsenzellen, deren Hormonstoffwechsel gesteigert ist. Denn solche Zellen nehmen vermehrt radioaktives Jod auf. Beim Morbus Basedow sind davon alle Zellen betroffen. Bei der Autonomie werden vor allem die erkrankten knotigen Bereiche der Schilddrüse vom Radiojod erreicht.

Da Betroffene während der Behandlung auch radioaktives Jod ausscheiden, werden sie bei gutartigen Schilddrüsenerkrankungen für drei, in Ausnahmefällen bis maximal fünf Tage isoliert in speziellen Abteilungen der Krankenhäuser untergebracht. Besonders bei Erwachsenen mit nur mäßig vergrößerter Schilddrüse wird dieses Verfahren eingesetzt.

Die Erfolgsrate ist hoch, allerdings ist der Wirkungseintritt verzögert. Und: Es kommt als Folgewirkung häufig zu einer Schilddrüsenunterfunktion, die auch noch Jahre nach der Behandlung auftreten kann. Diese Nebenwirkung der Therapie kann jedoch mit Schilddrüsenhormonen in Tablettenform behandelt werden. Die Patienten müssen diese Medikamente allerdings lebenslang einnehmen.

  • Operation

Eine Operation wird in Erwägung gezogen, wenn die vergrößerte Schilddrüse auf die Luftröhre drückt oder wenn zahlreiche Knoten mit erhöhter Hormonproduktion nachgewiesen wurden. Auch beim Verdacht auf einen bösartigen Tumor wird die Schilddrüse durch eine Operation entfernt oder verkleinert. Muss sehr schnell eine normale Schilddrüsenfunktion hergestellt werden und gelingt dies nicht durch Medikamente, steht ebenfalls die Schilddrüsenoperation im Vordergrund. Nach dem Eingriff sinkt der Schilddrüsenhormonspiegel sofort.

Zu den Risiken zählt, dass bei der Operation der Stimmbandnerv verletzt werden kann oder dass die für den Kalziumstoffwechsel wichtige Nebenschilddrüse beeinträchtig wird. Außerdem ist ein Schnitt am Hals notwendig, der eine Operationsnarbe hinterlässt.

Im Allgemeinen ist nach der Operation die Einnahme von Schilddrüsenhormonen und Jodid notwenig. Damit wird einer Unterfunktion vorgebeugt sowie verhindert, dass verbliebenes Schilddrüsengewebe wieder unkontrolliert wächst.


Künstliche Tränen können bei trockenen Augen helfen

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nach obenTherapie von Augen-Symptomen bei Basedow

Um die mit der Basedowschen Erkrankung einhergehenden Augen-Symptome zu behandeln, sollte zunächst die Schilddrüsenfunktion mit Medikamenten, einer Radiojodtherapie oder einer Operation normalisiert werden.

Eine Lichtschutzbrille oder künstliche Tränen (als Tropfen aus der Apotheke) können bei Lichtscheu und trockenem Auge helfen, die Symptome zu lindern. Prismengläser können sinnvoll sein, wenn Patienten Doppelbilder sehen.

In der akuten Phase lässt sich der Entzündungsprozess in der Augenhöhle auch durch Glukokortikoid-Präparate und/oder eine Bestrahlung des Gewebes in der Augenhöhle eindämmen. Drückt das entzündlich geschwollene Gewebe so stark auf den Sehnerv, dass dieser in Gefahr ist, kann eine entlastende Operation nötig sein. Auch bei Doppelbildern oder kosmetisch störenden Augenveränderungen (zum Beispiel stark zurückgezogenen Lidern) kann eventuell eine Operation helfen. Voraussetzung für eine erfolgreiche Therapie ist es zudem, das Rauchen einzustellen.

Die Behandlung der Hyperthyreose, vor allem der Augensymptome im Rahmen einer Basedow-Erkrankung (endokrine Orbitopahtie) muss in spezialisierten Zentren erfolgen und erfordert eine gute Zusammenarbeit zwischen den behandelnden Ärzten und Ärztinnen verschiedener Fachrichtungen.


Gesund: Seefisch sollte regelmäßig auf dem Speiseplan stehen

PhotoDisc/ RYF

nach obenVorbeugen

Um einer vergrößerten Schilddrüse (Kropf) vorzubeugen, sollte auf eine ausreichende Jodversorgung geachtet werden. Besonders Schwangere, Stillende und Jugendliche benötigen viel Jod. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt für Schwangere eine Aufnahme von 230 µg pro Tag, für Stillende 260 µg pro Tag und für Jugendliche und Erwachsene 200 µg pro Tag. Viel Jod enthalten zum Beispiel Seefische. Sie sollten daher mindestens einmal wöchentlich auf dem Speiseplan stehen.

Sind in der Familie bereits Schilddrüsenerkrankungen aufgetreten, kann es sinnvoll sein die Schilddrüse regelmäßig durch einen Arzt untersucht zu lassen.


Unsere Expertin: Professor Dr. Petra-Maria Schumm-Draeger

W&B/Privat

nach oben nach obenBeratende Expertin

Frau Professor Dr. med. Petra-Maria Schumm-Draeger ist Internistin und Endokrinologin. 1989 habilitierte sie sich im Fach "Innere Medizin". 1995 bekam sie die Bezeichnung "außerplanmäßiger Professor" durch den Minister für Wissenschaft und Kunst des Landes Hessen verliehen. Seit 2002 leitet sie die Klink für Endokrinologie, Diabetologie und Angiologie des Klinikums Bogenhausen.


Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.



Bildnachweis: W&B/Martin Ley, PhotoDisc/ RYF, W&B/Bello & Knapp, Jupiter Images/FRENCH PHOTOGRAPHERS ONLY, W&B/Privat, Jupiter Images GmbH/Bananastock, W&B/Martina Ibelherr

Schilddrüse

rechter Seitenlappen Isthmus Kehlkopf Luftröhre linker
Seitenlappen
Pyramidenlappen Pyramidenlappen Schildknorpel Isthmus Rechte Halsschlagader Innere rechte
Hals-/Drosselvene
Läppchen mit Follikeln

Das Schilddrüsengewebe wird durch Bindegewebshäutchen in unterschiedlich große Läppchen untergliedert. In diesen Bindegewebshäutchen verlaufen sehr viele Blutgefäße, um die starke Durchblutung der Drüse, die direkt aus der Halsschlagader mit sauerstoffreichem Blut versorgt wird, sicherzustellen. Das verbrauchte Blut wird unter anderem über die linke und rechte Hals- bzw. Drosselvene wieder abgeführt. Die Bildung und Speicherung der Schilddrüsenhormone Thyroxin (T4) und Trijodthyronin (T3) erfolgt in kleinen bläschenförmigen Follikeln.

Der Isthmus (gr. schmaler Zugang) verbindet die Seitenlappen miteinander. Nur bei etwa jedem fünften Menschen befindet sich hier noch ein weiterer Lappen, der nach oben zum Schildknorpel zieht und als Pyramidenlappen bezeichnet wird.

In den Läppchen der Schilddrüse liegen die hormonproduzierenden Zellen. Den Hauptteil des Schilddrüsengewebes bilden so genannte Follikel, ungleichmäßig gestaltete Bläschen, die die beiden jodhaltigen Schilddrüsenhormone Thyroxin und Trijodthyronin bilden und speichern. Das Hormon Kalzitonin wird dagegen von C-Zellen gebildet, die eingestreut zwischen den Follikeln liegen. Es reguliert zusammen mit anderen Hormonen den Kalziumhaushalt des Körpers mit dem Ziel, den Kalziumspiegel im Gewebe konstant zu halten: Bei Bedarf wird Kalzium vermehrt in den Knochen eingebaut und damit der Kalziumspiegel im Blut gesenkt oder über die Niere vermehrt ausgeschieden. Gegenspieler des Kalzitonins ist das Parathormon aus den Nebenschilddrüsen, das Kalzium aus den Knochen freisetzt und dadurch den Kalziumspiegel im Blut erhöht.

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