HWS-Syndrom
Schluss mit Nackenschmerzen

Kommt jemand mit chronischen Nackenschmerzen zum Arzt, ist die Diagnose meist schnell gestellt. Halswirbelsäulen- oder kurz HWS-Syndrom lautet der Bescheid für den gequälten Patienten.

Wie viele unter dem HWS-Syndrom leiden, lässt sich nicht genau sagen. „Die meisten Patienten sind im Alter zwischen 20 und 55. Das HWS-Syndrom ist eine typische Krankheit von Berufstätigen“, so Experte Dr. Peter Schöps, Leiter der Klinik für Physikalische Medizin am Universitätsklinikum Großhadern. Nach einer amerikanischen Untersuchung leidet jeder zehnte mindestens einmal im Leben darunter.

Bis vor einigen Jahren folgte auf die schnelle Diagnose häufig eine langwierige Therapie. Inzwischen gibt es Hoffnung für alle Patienten mit chronischen Nackenverspannungen, Hals- und Schulterschmerzen.

Eine Untersuchung von Dr. Schöps legt den Schluss nahe, dass es sich um mindestens fünf verschiedene Erkrankungen handelt, die zum Teil ganz unterschiedlich behandelt werden müssen. Um herauszufinden, wo die Schmerzen herrühren, verlässt sich der Arzt weniger auf Röntgenbilder als auf die Angaben des Patienten und auf sein Tastgefühl. „Die Befragung des Patienten und die Tastuntersuchung liefern mir meist den Großteil der Diagnose“, sagt Schöps. Er unterteilt das HWS-Syndrom in fünf Beschwerdebilder. Die typischen Zeichen liefern auch dem Patienten erste Anhaltspunkte, die richtige Diagnose kann aber nur der Arzt stellen:

1.) Überlastung der Halswirbelsäule

Typisches Zeichen: Bleibt der Kopf lange Zeit in einer Position, schmerzt der Nacken, oder die bereits bestehenden Beschwerden werden noch stärker. Der Schmerz strahlt in den Schultergürtel aus. Auffällig: Der Kopf wird oft ganz schief gehalten.

Wie können Sie die Beschwerden lindern?
Versuchen Sie, sich im Alltag aufrecht zu halten und machen Sie zwischendurch öfter mal Dehnübungen.

2.) Muskelverhärtungen

Typisches Zeichen: Durch Druck auf bestimmte Punkte lässt sich der Schmerz auslösen. Der Patient kann den Kopf nicht längere Zeit in einer Position halten, ohne zu ermüden.
Wie können Sie die Beschwerden lindern?
Machen Sie so oft es geht zwischendurch Dehnungsübungen. Wärmeanwendungen und Entspannungsverfahren helfen langfristig.

3.) Reizsymptomatik

Typisches Zeichen: Bestimmte Bewegungen sind nur unter Schmerzen möglich. Der Schmerz hält lange an und strahlt in die Schulter aus. Die Beschwerden treten auch nachts auf.

Wie können Sie die Beschwerden lindern?

Kurzfristige Hilfe: Schmerzmittel, vom Arzt verschrieben.
Kühlkompressen aus der Apotheke können oft bei akuten Beschwerden lindern.

Langfristige Hilfe: Lassen Sie sich vom Arzt spezielle Krankengymnastik verordnen.

4.) Beweglichkeitsstörungen

Typisches Zeichen: Der Schmerz geht von den Wirbelgelenken aus. Verspannungen spielen eine untergeordnete Rolle. Die Beweglichkeit des Halses kann erhöht oder verringert sein. Es ist sogar möglich, dass der Hals in eine Richtung weiter gedreht werden kann als in die andere. Auch in diesem Fall hat der Patient oft Druckschmerzpunkte, die von Muskelverspannungen herrühren.

Wie können Sie die Beschwerden lindern?
Nur mit Schmerzmitteln, die der Arzt verordnen muss. Bei eingeschränkter Beweglichkeit hilft spezielle Krankengymnastik.
Ist die Halswirbelsäule zu instabil oder ermöglicht sie zu viel Bewegungsspielraum kommt eine operative Korrektur in Betracht.

5.) Nervenreizungen

Typisches Zeichen: Der Schmerz kann bis in den Arm ausstrahlen. Kraftverluste und Lähmungserscheinungen sind möglich. Veränderungen der Wirbelsäule führen dazu, dass Nerven gereizt oder gequetscht werden.

Wie können Sie die Beschwerden lindern?
Schmerzmittel, die der Arzt verordnen muß und eine vom Arzt verschriebene Krankengymnastik. Der Arzt entscheidet auch, ob spezielle Untersuchungen wie Computertomographie oder Kernspinaufnahmen der Halswirbelsäule nötig sind.
In schwersten Fällen hilft nur eine Operation.
Zur Selbsthilfe gibt es in der Apotheke TENS-Geräte, die verspannte Muskeln durch Elektro-Stimulation lockern.

Quelle ApothekenUmschau