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Damit Rückenschmerz nicht chronisch wird

Die Teilnehmer am Bielefelder Rückenmodell werden von Fachleuten medizinisch, psychologisch und sozial betreut


Grundkurs Rücken: Der Bielefelder Sportwissenschaftler Heckmann über die Wirbelsäule als "Zivilisationsopfer"

"Wenn Sie eines Morgens zum ersten Mal in Ihrem Leben mit Rückenschmerzen aufwachen: Gehen Sie nicht gleich zum Arzt", rät Dr. Detlef Bonnemann, Arzt für Orthopädie in Bielefeld. "Normalerweise verschwinden sie innerhalb weniger Tage."

Weil der Schmerz manchmal doch bleibt oder nach einiger Zeit wiederkommt, entwickelte Bonnemann vor sechs Jahren mit orthopädischen Fachkollegen und Vertretern anderer Disziplinen das "Bielefelder Rückenmodell". Mit dem aus verschiedenen Bausteinen bestehenden Behandlungskonzept setzen die niedergelassenen Mediziner neueste Erkenntnisse über Rückenschmerz und Schmerzverarbeitung in der ambulanten Regelversorgung um.


"Rückenschmerz ist keine Krankheit, sondern ein Symptom", stellt der Orthopäde klar. Weil in einigen Fällen beispielsweise ein Tumor, eine Wirbelentzündung, ein Bandscheibenschaden mit Nervenbeteiligung oder Rheuma dahinterstecken kann, analysiert der Arzt zunächst sehr genau, wie der Patient seine Schmerzen beschreibt, und untersucht sorgfältig die Wirbelsäule.

Individuelle Wahrnehmung

Bei den oben genannten Diagnosen wird die übliche fachgerechte Behandlung eingeleitet, gegebenenfalls eine spezielle Schmerztherapie. Liegt keine erkennbar ernste Erkrankung vor und verschwinden die Beschwerden trotz gezielter Behandlung nicht, prüfen die Ärzte, ob womöglich die Schmerzverarbeitung oder die Bewegungsfunktion gestört ist. Damit der Patient kein Dauerleiden entwickelt, setzt dann das Bielefelder Rückenmodell ein. Chronischer Rückenschmerz zählt zu den häufigsten und teuersten Krankheitsbildern weltweit. Als "Goldstandard", also derzeit beste Methode für die Früherkennung gilt heute das Aufdecken von Schwierigkeiten bei der Schmerzverarbeitung.

Schmerzen sind eine Sinneswahrnehmung wie etwa auch das Hören oder Sehen, können also von Mensch zu Mensch sehr unterschiedliche Gefühle, Gedanken, Vorstellungen und Reaktionen auslösen. Daher suchen die Bielefelder mittels Gesprächen und Checklisten den jeweiligen Schmerztypus. Ihr im Modell verwendetes System kann mit mehr als 80-prozentiger Sicherheit vorhersagen, ob der Rückenschmerz – ohne gezielte Therapie – in sechs Monaten noch vorhanden sein wird. Die Aussagekraft ist damit nachweislich höher als das Ergebnis einer alleinigen körperlichen Untersuchung einschließlich bildgebender Verfahren wie Röntgen oder Kernspin.

 

Typ "heiterer Verdränger"

Ebenso wichtig für den Verlauf der weiteren Therapie sind Faktoren aus der Lebenssituation, also Probleme im privaten Umfeld oder am Arbeitsplatz sowie materielle Sorgen. Am Ende dieser Bestandsaufnahme können Detlef Bonnemann und seine Kollegen ihre Patienten einem bestimmten Schmerzverarbeitungstypus und einer Kategorie von Bewegungsstörung zuordnen.

Marina Schäfer zählt gemäß dieser Typisierung zu den "heiteren Verdrängern" und hat eine zu schwache tiefe Muskulatur im Rücken. Die 32-jährige Groß- und Außenhandelskauffrau leidet seit Jahren in unregelmäßigen Abständen an Kreuzweh. "Meistens passiert es nachts. Ich habe extra ganz viele Kissen im Bett, damit ich meine Beine hochlegen kann." Erst vor einem Monat sah die junge Frau ein, dass es so nicht ihr Leben lang weitergehen kann, und ließ sich einen Termin bei Detlef Bonnemann geben.



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Ullrich Jackus / Apotheken Umschau; 20.05.2010, aktualisiert am 08.02.2011
Bildnachweis: W&B/Fritz Stockmeier

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