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Rheumatoide Arthritis

Der Begriff Rheuma umfasst über 100 verschiedene Erkrankungen. Die rheumatoide Arthritis (chronische Polyarthritis), ist die häufigste chronische Gelenkentzündung. Mehr zu Ursachen, Symptomen und Behandlung


Polyarthritis: Verschiedenste Gelenke können betroffen sein

Rheumatische Erkrankungen, im Volksmund kurz "Rheuma" genannt, umfassen über 100 verschiedene Krankheitsbilder, die durch Entzündungen oder Stoffwechselstörungen hervorgerufen werden und die vorwiegend das Bewegungssystem betreffen. Die rheumatoide Arthritis ist die häufigste chronisch verlaufende Gelenkentzündung.

Die Entzündung befällt vorwiegend die Innenhaut (Membrana synovialis) von Gelenken, Sehnenscheiden und Schleimbeuteln. Die Gelenkinnenhaut produziert die Gelenkflüssigkeit. Diese dient zur Ernährung des Gelenkknorpels und gleichzeitig als Schmiersubstanz, um die Reibung an den Gelenkflächen zu reduzieren.



UNSER EXPERTE: Professor Ekkehard E.W. Genth, Arzt für Innere Medizin und Rheumatologe

Weltweit sind 0,5 bis 1 Prozent der Bevölkerung von der rheumatoiden Arthritis betroffen, Frauen etwa doppelt so häufig wie Männer. Die rheumatoide Arthritis kann in jedem Lebensalter auftreten, sogar im Kindesalter (Rheumafaktor-positive Polyarthritis). Mit zunehmendem Alter nimmt bei beiden Geschlechtern auch die Erkrankungshäufigkeit zu. Die Krankheit beginnt meist im vierten bis fünften Lebensjahrzehnt.

Die Ursachen der rheumatoiden Arthritis sind noch nicht vollständig geklärt. Autoimmunprozesse, aber auch eine erbliche Veranlagung spielen eine Rolle. Umwelteinflüsse (wie zum Beispiel Rauchen) und möglicherweise auch Infektionen sind an der Entstehung der Krankheit beteiligt.

Eine rheumatoide Arthritis kann plötzlich, aber auch schleichend auftreten. Erste Anzeichen sind Schwellungen, Überwärmung und Rötung sowie morgendliche Steifheit der Gelenke. Die Beschwerden sind meist symmetrisch und treten häufig zunächst an den Grund- und Mittelgelenken der Finger oder Zehen auf. Es können aber auch andere Gelenke wie Hand-, Knie, Schulter, Hüft- oder Fußgelenke und auch die obere Halswirbelsäule betroffen sein.

Typisch ist ein Verlauf in Schüben, die über mehrere Wochen anhalten. Es kann zu Gelenkverformungen bis zur kompletten Gelenkzerstörung kommen. Seltener sind andere Organe, wie  Tränen- oder Speicheldrüsen, Lunge, Herz, Blutgefäße und Augen beteiligt.

Die rheumatoide Arthritis ist nicht heilbar, der Verlauf kann jedoch sehr unterschiedlich sein. In schweren Fällen drohen Behinderung und Invalidität. Je früher die Diagnose gestellt und die Erkrankung behandelt wird, desto besser lässt sich das Voranschreiten der Gelenkzerstörung verhindern. Neben Medikamenten kommen sowohl Physio- als auch Ergotherapie sowie physikalische Therapien zum Einsatz. Bei schweren Gelenkveränderungen sind oft auch Operationen und gegebenenfalls ein Gelenkersatz notwendig.


Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.

Experten-Sprechstunde mit Dr. Roth



Priv.-Doz. Dr. med. Andreas Roth ist Facharzt für Orthopädie


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Kann sich Rheuma auch zuerst an den Zehen bemerkbar machen?

Wenn tatsächlich nur die Zehengelenke schmerzen, wäre das ein sehr untypischer Verlauf einer rheumatoiden Arthritis. In dem Fall wird ein Orthopäde sicher abklären, ob nicht eine andere Erkrankung wie zum Beispiel ein Senk-Spreiz-Fuß diese Symptome verursacht. Üblicherweise fangen bei rheumatoider Arthritis die Finger- und Zehengelenke akut an zu schmerzen. Dazu kommen allgemeine Symptome wie Abgeschlagenheit und nächtliches Schwitzen. Die Fingergelenke schmerzen vor allem bei Bewegung oder wenn man sich die Hand gibt (Händedruck). Die Grund- und Mittelgelenke können anschwellen und sich warm anfühlen. Typisch ist, dass die Beschwerden morgens am stärksten sind und eine sogenannte Morgensteifigkeit auftritt. Oft verläuft die rheumatoide Arthritis in Schüben, das heißt es wechseln sich Phasen mit geringeren Schmerzen und Phasen mit heftigeren Beschwerden ab.


Priv.-Doz. Dr. med. Andreas Roth


Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.


Was lässt sich bei Rheuma gegen Verformungen der Finger tun?

Geringe Verformungen der Gelenke können mit einer sogenannten Gelenktoilette gebessert werden. Dabei werden Knochensporne und durch den Verschleiß entstandene freie Gelenkkörper, bestehend aus Knorpel- oder Knochengewebe, operativ entfernt. Beim Daumengrundgelenk und an den Mittel- und Endgelenken der Finger kann es zu Fehlstellungen durch Sehnenabrisse kommen. Diese Sehnenabrisse entstehen durch die chronische Entzündung der Sehnenscheiden. In dem Fall kann eine Versteifung durchgeführt werden. Eine vollständige Wiederherstellung der ursprünglichen Form ist dabei nicht möglich, jedoch eine deutliche kosmetische Verbesserung. Das Wesentliche ist aber die dadurch erzielte Schmerzfreiheit und eine deutliche Optimierung der Funktion. Bei schmerzhaften Verformungen durch Zerstörung der Grundgelenke der Finger können Silikon-Prothesen eingesetzt werden. Bei Sehnenverletzungen, wenn diese nicht zu alt sind, kann zum Beispiel eine Sehnennaht die Fehlstellung beseitigen.


Priv.-Doz. Dr. med. Andreas Roth

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Was bringt die Radiosynoviorthese bei Gelenkrheuma ?

Wie funktioniert sie?

Bei der Radiosynoviorthese spritzt der Arzt ein sogenanntes Radionuklid in das Gelenk. Dadurch wird die entzündete Gelenkinnenschleimhaut bestrahlt und ihre oberflächlichen, verdickten Schichten werden zerstört. Die tiefen Schichten bleiben intakt, so dass die Schleimhaut dort erhalten bleibt und ihre Funktion als Produzent von Gelenkflüssigkeit weiter wahrnehmen kann. Das Knorpelgewebe wird dabei nicht geschädigt. Das ist möglich, weil diese Radionuklide eine Strahlung von nur wenigen Millimetern Reichweite aussenden. Diese örtliche Bestrahlung bewirkt einen Rückgang der Entzündung im Bereich der Gelenkinnenschleimhaut.


Priv.-Doz. Dr. med. Andreas Roth


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www.apotheken-umschau.de; 13.09.2005, aktualisiert am 21.05.2012
Bildnachweis: DGRh/Arne Sattler, W&B/Sturm

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