Rheuma ist nicht gleich Rheuma: Der Begriff steht für weit über 200 verschiedene Erkrankungen des Bewegungssystems. Die chronisch-rheumatische Gelenkentzündung, die rheumatoide Arthritis, kommt dabei am häufigsten vor. Und: Die Krankheit trifft nicht nur ältere Menschen – selbst Kinder können betroffen sein. Die Patienten haben mit Schwellungen, Schmerzen und Überwärmung der Gelenke zu kämpfen, die in der Früh oftmals auch noch eine Weile steif sind.
Um die Gelenke so beweglich wie möglich zu halten, besteht die Therapie aus verschiedenen Komponenten: speziellen Medikamenten, Physio-, Ergo- und auch physikalischer Therapie. Bei letzterer gibt es eine ganze Reihe von Verfahren. "Welche Form der physikalischen Therapie der Patient bekommt, entscheidet der Arzt", sagt Mathias Roder, Leiter der physikalschen Therapie der Rheumaklinik Aachen. Eine Übersicht der einzelnen Methoden.
Massagen
"Klassische Massagen kommen bei Muskelverspannungen zur Anwendung", erklärt Roder. Sie lockern und entspannen die Muskulatur, fördern die Durchblutung, regen den Stoffwechsel an und wirken schmerzdämpfend.
Eine weitere Form der Massage ist die manuelle Lymphdrainage. Mit ihr werden Ödeme (Schwellungen aufgrund vermehrter Ansammlung von Flüssigkeit im Gewebe) mit leichten, speziellen Massagegriffen beseitigt. Experte Roder arbeitet außerdem mit Reflexzonentherapien wie zum Beispiel der Bindegewebs- oder Fußreflexzonenmassage.
Thermotherapie
Bei der Thermotherapie unterscheidet man zwischen Wärme- und Kältebehandlungen. Zur Wärmetherapie zählen Fangopackungen. "Das sind Moorpackungen, die auf etwa 48 bis 50 Grad erwärmt werden", sagt Roder. Die ernorme Wärme fördert die Durchblutung, regt den Stoffwechsel an und lindert die Schmerzen. Fangopackungen wirken beispielsweise sehr gut bei chronischen Rückenschmerzen.
Auch beim Wildbad, beim Gehbad und der Dampfdusche setzen die Therapeuten auf die wohltuende Wirkung von Wärme. Beim Wildbad liegt der Patient in 38 Grad warmen Thermalwasser. Dabei strömt gleichzeitig aus zwei Düsen Wasser auf den Rücken. Anschließend geht es ins Gehbad. Dieses hat eine Temperatur von 36 Grad. Im Gehbad kann sich der Patient mittels mehrerer Stufen im Wasser bewegen. Die Auftriebskraft und der Reibungswiderstand des Wassers ermöglichen eine entlastenden, schmerzfreie Bewegung.
Die Dampfdusche dient zur Wärme und Schmerztherapie. "Hier strömt aus einem Abstand von 50 Zentimeter ein Wasserdampf von etwa 50 Grad gezielt auf die schmerzhafte Körperregion", erklärt Experte Roder.
Zur Kältetherapie gehören beispielweise Eispackungen, Eismassagen oder Kaltluft. Die Temperatur der Kaltluft beträgt zwischen minus 20 bis minus 25 Grad. Kälte wirkt schmerzdämpfend, beugt Schwellungen vor und wird häufig in Verbindung mit Bewegungstherapie zur Mobilisierung von Gelenken angewendet.
Elektrotherapie
"Bei dieser Anwendung therapieren wir mit niederfrequenten, mittelfrequenten und hochfrequenten Strömen", sagt Roder. Auch Ultraschallbehandlungen, Kominationsbehandlungen von Ultraschall und Reizstrombehandlungen sowie Iontophorese werden eingesetzt. Bei der Iontophorese führt ein Gleichstrom dazu, dass bestimmte, äußerlich angewandte Arzneistoffe schneller über die Haut aufgenommen und zum Gelenk transportiert werden.
Hydroelektrische Bäder
Zu ihnen zählen das Stangerbad und das Vierzellenbad. Das Stangerbad ist mit circa 600 Liter warmem Wasser gefüllt. "Hier wird, sobald der Patient im Wasser liegt, ein Gleichstrom von wenigen Milliampere ins Wasser geleitet", erklärt Roder. Die Anwendung ist schmerzdämpfend, durchblutungsfördernd und regt den Stoffwechsel an. Das Vierzellenbad besteht aus vier kleinen Wannen – zwei für die Hände und zwei für die Füße. Auch hier kommt zusätzlich ein schwacher Strom zum Einsatz.
Vanessa von Blumenstein-Langer / www.apotheken-umschau.de;
23.09.2010, aktualisiert am 21.07.2011
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