Gut geschützt in den Urlaub

Niemand möchte sich im Ausland mit gefährlichen Krankheitserregern infizieren. Ein guter Impfschutz kann das Risiko dafür minimieren

von Dr. Achim G. Schneider, aktualisiert am 17.12.2015

Für viele der Inbegriff von Urlaub: Am Strand liegen und die Sonne genießen

Shotshop/Danstar

Die Mehrzahl der Deutschen zieht es mindestens einmal im Jahr ins Ausland. Es lockt unter anderem die Aussicht, im Urlaub etwas Neues zu entdecken. Die Bekanntschaft mit neuen Krankheitserregern zählt nicht dazu, lässt sich aber nicht immer vermeiden. Infektionen, die sich daraus ergeben, trüben die Ferienfreude, schlimmstenfalls bedrohen sie unser Leben.

Es lohnt sich also, das Immunsys­tem möglichst gut auf die Reise vorzubereiten. Denn Impfungen können viele Erkrankungsrisiken drastisch verringern. Allerdings benötigt unsere körpereigene Abwehr etwas Zeit, um sich gegen einen Krankheitserreger zu wappnen. Oft sind zwei bis drei Impfungen nötig, um dieses Ziel zu erreichen.

Sechs Wochen vorm Urlaub beraten lassen

"Viele Urlauber kommen erst wenige Tage vor ihrer Reise zu uns. Das reicht nicht, um einen guten Impfschutz aufzubauen", sagt Professor Tomas Jelinek, wissenschaftlicher Leiter des Centrums für Reise- und Tropenmedizin in Düsseldorf. Besser wäre es, sich rund sechs Wochen vorher reisemedizinisch beraten zu lassen. Jelinek: "Dann bleibt genug Zeit, um in Ruhe zu überlegen und zu entscheiden."


Welche Impfungen geboten sind, hängt von mehreren Dingen ab: natürlich vom Urlaubsziel und der Art zu reisen, doch auch vom Gesundheits­zustand, vom Lebensalter und dem Bedürfnis nach Sicherheit. Wer dazu eine persönliche Beratung wünscht, erhält sie in vielen Apotheken, Arztpraxen und bei der Krankenkasse. Diese informiert auch darüber, inwieweit sie die Kos­ten für Reiseimpfungen übernimmt. Grundsätzlich müssen die gesetzlichen Versicherungen nur die Standardimpfungen bezahlen – nach den Vorgaben einer Richtlinie.

Schutz vor Hepatitis-A-Viren

Die für die meisten Urlauber wichtigste Immunisierung schützt vor Hepatitis-A-Viren. In Deutschland sind rund 27 Prozent aller Erwachsenen dagegen geimpft, berichtet das Robert Koch-­Institut (RKI) in Berlin. Sie zählen nicht zu den gefährlichsten Erregern, doch sie sind weit verbreitet und leicht übertragbar. "Südlich der ­Alpen und östlich der Oder sollte man dagegen geimpft sein", rät Jelinek.

Touristen können sich beispielsweise damit infizieren, wenn sie öffentliche Toiletten benutzen, verschmutztes Wasser trinken oder damit gewaschenes Obst und Gemüse essen. Die Viren ver­ur­sachen eine Entzündung der Leber (Hepatitis), die meist nach einigen Wochen wieder abklingt. Doch es kommt auch vor, dass sich der Zustand des Entgiftungsorgans verschlechtert, bis es schließlich versagt. Die Impfungen der vergangenen Jahre haben viele Infektionen verhindert, wie die Zahlen des RKI belegen: So gab es im vergangenen Jahr nur noch 676 gemeldete Fälle. Im Jahr 2000 waren es noch rund viermal so viele.

Gelbfieber-Gefahr in den Tropen

Welche Reiseimpfungen man wahrnimmt, bleibt der eigenen Entscheidung überlassen. Mit einer Ausnahme: Für Gelbfieber besteht in vielen tropischen Ländern Afrikas und Südamerikas eine Impfpflicht, die Epidemien verhindern soll.

Weltweit sterben rund 30.000 Menschen pro Jahr an Gelbfieber. Wer daran erkrankt, hat ein Risiko von zehn bis 20 Prozent, die Infektion nicht zu überleben. Doch auch die Impfung mit inaktivierten Gelbfieber-Viren birgt Gefahren: In Einzelfällen kann es zu Schäden kommen. In Deutschland dürfen nur spezielle Zentren gegen Gelbfieber impfen.

Wer aus einem Risikogebiet kommt und die Impfpflicht missachtet, muss mit drastischen Maßnahmen rechnen. Reisemediziner Jelinek kennt Beispiele: "Südafrika schickt die ankommenden Touristen sofort wieder zurück, in Tansania werden sie zwangsgeimpft."

Keine Impfung gegen Malaria und Denguefieber möglich

Längst nicht für jeden bedrohli­chen Erreger gibt es Impfstoffe – weder gegen Malaria-Parasiten noch gegen Denguefieber-Viren. Allein diese Erreger verursachen weltweit jährlich Hunderte Millionen Infektionen. Für Touristen ist es wichtig, sich in Risiko­gebieten möglichst gut gegen Mückenstiche zu wappnen, mit denen die Erreger übertragen werden: Tagsüber schützen Repellents, die auf freie Hautstellen aufgetragen werden, und lange Kleidung; nachts halten Moskitonetze, die mit Insektiziden imprägniert sind, die Blutsauger am besten fern. In Malaria-Gebieten ist es zudem geboten, Medikamente zur Vorbeugung einzunehmen.

Doch nicht nur exotische Krankheitskeime bergen Gefahren. Wer im Urlaub einen möglichst guten Infektionsschutz anstrebt, sollte auch seinen allgemeinen Impfstatus überprüfen lassen. Denn die Standardimpfungen in Deutschland machen immun gegen Erreger, die auch in vielen Gegenden der Welt verbreitet sind.

Gegen Tetanus impfen lassen!

Tetanusbakterien etwa finden sich überall im Boden, Schmutz und Straßenstaub. Winzige Verletzungen genügen ihnen, um in den Körper einzudringen und Wundstarrkrampf zu verursachen, eine Krankheit, die unbehandelt meist mit dem Tod endet.

"Ich halte die Tetanus-Impfung für den wichtigsten Basisschutz, den jeder Urlauber unbedingt haben sollte", meint Dr. Markus Frühwein, Reise- und Tropenmediziner in München. Es gilt die allgemeine Empfehlung für Erwachsene, sich alle zehn Jahre gegen Tetanus impfen zu lassen, am besten mit einem Kombinationspräparat, das auch gegen Diphtherie und Keuchhusten immunisiert.

Masern nicht unterschätzen

Das es in Deutschland immer wieder zu Masernausbrüchen kommt, liegt an der niedrigen Impfquote in Deutschland: Nur 38 Prozent aller Erwachsenen wurden jemals gegen Masern immunisiert. Noch geringer ist der Anteil derjenigen, die zwei Impfdosen erhalten haben, so wie es empfohlen wird. "Gerade auf Reisen ist dieser Schutz besonders wichtig. Denn in vielen Ländern ist das Risiko, sich mit Masern anzustecken, viel höher als in Deutschland", sagt Frühwein. Einer von rund 1000 Infizierten stirbt daran.



Bildnachweis: Shotshop/Danstar

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