Ab ins Blaue: Reisen per Wohnmobil

Einfach losfahren, frei und unabhängig sein – mit dem Camper kein Problem. Denn Bett, Bad und Küche sind immer mit dabei. Immer mehr Urlauber schwärmen davon
von Silke Droll, 11.05.2017

Zufällig das Paradies entdecken – davon träumen viele Wohnmobil-Reisende

istock/cookeIma

Neue Städte und Landschaften entdecken, spontan und selbstbestimmt unterwegs sein, tun und lassen, was und wie es einem gefällt. Unisono schwärmen Wohnmobil-Urlauber so von ihren Reisen mit Bett, Bad und Küche an Bord.

Aber ist das nicht das Wesen des ­Urlaubs an sich? Das Nichts-Müssen? Nicht unbedingt, sagen die Reisemobilisten. Man solle nur einmal an die festen Frühstückszeiten im Hotel denken. Und flexibel seien Pauschal-Touristen auch nicht wirklich. Hält ein Ort nicht, was er verspricht, ist das für Urlauber mit Wohnmobil dagegen kein Problem. "Dann fahren wir am selben Abend weiter. Und wenn es irgendwo richtig schön ist, bleiben wir vielleicht sogar eine Woche", sagt Manfred M. Für den 50 Jahre alten Beamten aus Mittelfranken ist sein Wohnmobil der Inbegriff von Freiheit.


Gebraucht, nagelneu oder geliehen

So wie er sehen das offenbar zunehmend mehr Menschen in Deutschland. Der Urlaub mit dem Wohnmobil boomt. Die Zahl solcher Ferienreisen hat im Vergleich zu 2005 laut der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (FUR) um 64 Prozent zugelegt. Die Caravaning-Branche setzte im Jahr 2016 die bisherige Rekordsumme von 8,74 Milliarden Euro um. Alles klettert nach oben: die Verkaufszahlen von Neu- und Gebrauchtfahrzeugen, die Vermietungen von gewerblichen Anbietern und von Privatleuten via Internetportalen sowie auch die Zahl der Wohnmobil-Stellplätze.

Von diesen gibt es in Deutschland mittlerweile rund 3640, die meisten für zehn oder mehr Fahrzeuge. "Sie müssen fast nie weiter als 20 Kilometer bis zum nächsten Platz fahren, falls einmal einer belegt ist", sagt Winfried Krag, Vorsitzender der Reisemobil-­Union. In der Hochsaison kann das durchaus passieren – die Kehrseite des Tourismustrends.

Anknüpfen an Jugenderlebnisse

Jüngere Reisemobilisten besitzen meist einen kompakten und günsti­geren Kastenwagen, den sie auch im Alltag nutzen, mieten ein Fahrzeug oder kaufen ein gebrauchtes. Für hochwer­tige Neufahrzeuge entscheiden sich vor allem Menschen ab 50. Die Kinder sind aus dem Haus, sie haben Geld und Freizeit, sind gesund, wollen noch etwas sehen von der Welt und dabei möglichst unabhängig bleiben.

Viele ältere Wohnmobil-Fans knüpfen damit auch an ihre Jugenderlebnisse an. "Als ich jung war, bin ich mit einem selbst ausgebauten alten Kleinbus nach Griechenland gefahren", erzählt etwa Bernhard G., Kriminaldirektor außer Dienst aus Kirchheim unter Teck. Später erkundete der heute 61-Jährige mehrmals die USA mit einem gemieteten Wohnmobil. Jetzt will er ein eigenes Fahrzeug – für Wochenend-Trips, Reisen in die Nachbarländer und durch Deutschland.


Mobile zum Mieten

Sie wollen eine Wohnmobil-Reise ausprobieren? Händler bieten meist auch Mietfahrzeuge an. Preisbeispiel: circa 2000 Euro für ein Mittelklasse-Mobil mit Platz für vier Personen für zwei Wochen in der Nebensaison. Günstiger wird es über Internetportale, wo Privatleute ihre Fahrzeuge vermieten. Zur Reiseplanung empfiehlt sich ein Stellplatz-Führer als Buch oder App. Der Führerschein Klasse B genügt für Wohnmobile bis 3,5 Tonnen.


Viele bleiben in der Nähe

Tatsächlich geht es oftmals nicht allzu weit weg. Mehr als 30 Prozent aller Wohnmobil-Reisen, die die Deutschen unternehmen, haben laut FUR ein Ziel in der Heimat. Danach folgen Italien, Frankreich, Kroatien und Österreich – wobei es im Grunde oft kein eigentliches Ziel gibt.

Während Wohnwagen-Urlauber eher einen Campingplatz ansteuern und dort auch stehen bleiben, wechseln Wohnmobil-Reisende immer wieder den Ort. "Die Stellplätze sind günstiger als Campingplätze und oft sogar besser gelegen. Also näher an der Innenstadt oder direkt an der Natur", sagt Experte Winfried Krag. Auf den einfachen Anlagen gibt es lediglich Strom, Frischwasser für Bad und Küche sowie die Möglichkeit, Abwasser zu entsorgen. Andere Stellplätze bieten außerdem Gemeinschaftstoiletten und -duschen. Manchmal liegen sie sehr nah an der Küste oder idyllisch an einem Flussufer. Es gibt Stellplätze neben Frei­bädern, auf Bauern­höfen oder auch ­direkt am Strand.


Auf großer Fahrt ins Abenteuer

Doch nicht alle Wohnmobil-Touristen suchen die Nähe zur Natur, Einsamkeit und Ruhe, viele reizt auch das Abenteuer. "Ich heb mir nichts auf bis zur Rente", sagt etwa Rolf S. Der 61-Jährige war nach drei Fahrten durch Italien, Frankreich und Kroatien so ­begeistert von dieser Art des Reisens, dass er sich ein halbes Jahr Auszeit nahm. Er ließ sein Wohnmobil verschiffen, holte es in Buenos Aires ab und machte eine geführte Tour durch Südamerika.

Im Wohnmobil fuhr er entlang der Panamericana, übernachtete an Gletscherseen, auf Bergen in 4000 Metern Höhe und an der Küste neben Seelöwen-Kolo­nien. Er schwärmt: "Bei so einer Tour ist es unglaublich angenehm, immer sein eigenes Bett dabeizuhaben und sich heimisch zu fühlen. Egal wo man gerade ist."



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