Im Kino ist die E-Zigarette schon angekommen: Im Hollywoodstreifen "The Tourist" zieht Leinwandstar Johnny Depp immer wieder hingebungsvoll an einer elektrischen Zigarette. Aber obwohl die E-Zigaretten bereits seit einigen Jahren auf dem Markt sind, ist diese Art des Qualmens noch vielen Menschen fremd. Es funktioniert eigentlich ganz einfach. Die elektrischen Glimmstengel simulieren das Rauchen mit technischen Mitteln. Dabei sehen sie dem klassischen Tabakprodukt in Form und Größe sehr ähnlich.
Die Geräte bestehen aus einer Stromquelle, einem elektrischen Vernebler, einer auswechselbaren Flüssigkeits-Kartusche und einer Steuerungselektronik. Saugt man an dem Mundstück, aktiviert ein Sensor automatisch die Zigarette und die Flüssigkeit wird unter Wärmeeinwirkung von Temperaturen bis zu 65 Grad Celsius vernebelt. Zum Vergleich: In echten Zigaretten herrschen Temperaturen vom 600 bis 800 Grad. Bei vielen Modellen glimmt bei jedem Zug an der Spitze der Zigarette eine kleine rote Leuchtdiode auf. Das soll das "echte Rauchgefühl" zusätzlich unterstützen.
Die Flüssigkeit aus der Kartusche verdampft und wird von dem Raucher als Aerosol eingeatmet. "Sie besteht zu 90 Prozent aus Propylenglykol. Dazu kommen meist Nikotin, Ethanol, Glyzerin und andere Geschmacksstoffe", erklärt Dr. Martina Pötschke-Langer, die Leiterin der Stabsstelle Krebsprävention und des WHO-Kollaborationszentrums für Tabakkontrolle des Deutschen Krebsforschungszentrums.
Die Hersteller bieten unterschiedliche Nikotinkonzentrationen an. Zusätzlich sind auch komplett nikotinfreie Kartuschen auf dem Markt. Die Geschmacksrichtungen reichen von Banane über Kaffee bis hin zu Lakritze oder Whisky. "Es gibt scheinbar nichts, was es nicht gibt", so Pötschke-Langer. Eine gefährliche Verführung: Die süßen und fruchtigen Aromen können das Rauchprodukt besonders für Kinder oder Jugendliche attraktiv machen. So können sogar die nikotinfreien Produkte als Einstiegshilfe in den Zigarettenkonsum fungieren.
Woher kommt der Rauch?
Den Qualmeffekt des elektrischen Glimmstängels simuliert das Propylenglykol. Das ist der gleiche Stoff, mit dem Disco-Besitzer den dichten Nebel herstellen, der manchmal über die Tanzfläche wabert. Gleichzeitig ist die Flüssigkeit aber auch als Zusatzstoff für Lebensmittel und Kosmetikprodukte zugelassen. In dieser Verwendung gilt sie als ungefährlich. "Bei der Anwendung in Nebelmaschinen hingegen kann Propylenglykol kurzfristig zu Atemwegsreizungen führen", so Pötschke-Langer.
E-Zigaretten werden oft über das Internet vertrieben. "Meistens über Klein- und Kleinstanbieter aus aller Welt, die ihre Waren dann per Post versenden", fügt Pötschke-Langer hinzu. Auffällig: Oft verschwinden die Internetpräsenzen bereits nach kurzer Zeit wieder.
Außerdem geben dubiose Geschäftemacher häufig keine genaue Zusammensetzung der Kartuschenflüssigkeit an. Teilweise steht lediglich "Nikotingehalt hoch" oder "niedrig" auf der Verpackung. Der Verbraucher bleibt völlig im Unklaren darüber, was er eigentlich inhaliert. Zusätzlich ist auch nicht geklärt, ob Propylenglykol – das bei der oralen Aufnahme als unbedenklich gilt – auch bei wiederholter und langfristiger Inhalation ungefährlich bleibt.
Der Stand der Forschung
Bis heute sind sich Mediziner und Wissenschaftler nicht einig, wie die gesundheitlichen Auswirkungen der elektrischen Zigaretten mit dem Vernebelungsprinzip aussehen. Die wenigen Studien, die es zur Zeit gibt, konnten nicht einmal eindeutig zeigen, ob – und wenn ja, wieviel – Nikotin der Körper über die E-Zigaretten aufnimmt, von den Nebenprodukten ganz zu schweigen. Dieser Umstand macht selbst die Mengenangaben auf den Kartuschen sinnlos.
Klar ist, dass Nikotin gesundheitsschädlich ist und ein hohes Suchtpotential birgt. Bei oraler Aufnahme kann das Nervengift bereits in geringen Dosen tödlich wirken. Auch Marita Völker-Albert, Pressesprecherin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, rät zum zu vorsichtigem Umgang mit den elektronischen Zigaretten und warnt vor möglichen gesundheitlichen Risiken. Außerdem weist sie darauf hin, wie wichtig es ist, die nikotinhaltigen Kartuschen außer Reichweite von Kindern zu lagern.
Viele Hersteller werben damit, dass die E-Zigaretten die Rauchentwöhnung unterstützen. Auch dieser Punkt ist weder medizinisch noch wissenschaftlich belegt.
E-Zigaretten in der rauchfreien Zone
Ein weiterer Werbetrick beruht auf der Behauptung, dass E-Zigaretten auch in rauchfreien Zonen gepafft werden dürfen. Das stimmt aber laut Pötschke-Langer nicht. Sinnvoll wäre das Verbot auf jeden Fall, denn nach wie vor bleibt die Frage offen, in wie weit E-Zigaretten die Raumluft verschmutzen. Und somit auch anderen Menschen in der Umgebung schaden.
Neben den gesundheitlichen Aspekten spricht Pötschke-Langer noch einen weitern kritischen Aspekt an: "Die E-Zigaretten ahmen Tabakprodukte in verharmlosender Form nach. Auch das kann Kinder und Jugendliche zum Rauchen verführen". Das Deutsche Krebsforschungszentrum sieht keinen weiteren Bedarf an Gegenständen oder Möglichkeiten die den Menschen in eine Abhängigkeit führen.
Auch der Schweizer Tabakforscher von der Universität Genf, Professor Jean-Francois Etter hat sich mit den elektrischen Glimmstängeln beschäftigt. Er fasst den derzeitigen Stand der Dinge zusammen: "Ich kann niemandem raten, die E-Zigaretten zu dampfen. Das Risiko ist unkalkulierbar. Das einzig gesunde Verhalten in Punkto Rauchen ist und bleibt das Unterlassen."
Sophie Kelm / www.apotheken-umschau.de;
07.02.2011, aktualisiert am 01.03.2012
Bildnachweis: Panthermedia/Ratka L.
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