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Was hinter ständigem Räuspern steckt

Die lästige Angewohnheit kann die unterschiedlichsten Ursachen haben


Nerviger Reiz: Unter Räusperern leidet auch die Umgebung

Manchmal ist Verlegenheit der Grund, manchmal ein kleiner Krümel im Hals. Auch bei Heiserkeit besteht ein starker Drang, sich zu räuspern. Doch gelegentlich wird daraus ein Dauerproblem.


„Hält der Räusperzwang länger als eine Woche an, muss der Arzt die Ursache abklären“, sagt Dr. Michael Deeg, Hals-Nasen-Ohren-Arzt in Freiburg. Für das lästige Phänomen gibt es vielfältige Gründe. Im schlimmsten Fall ist eine bösartige Erkrankung die Ursache – ein Kehlkopftumor.


Räuspern bringt zwar kurzfristig Erleichterung, langfristig aber keine Besserung. Es reizt die Schleimhaut und die Stimmbänder und kann so die Beschwerden verstärken. Das sei ähnlich wie beim Juckreiz, erklärt Deeg. Da wirke Kratzen kurzfristig wohltuend, auf Dauer aber belaste es den ohnehin geschädigten Hautbereich.


Beim Räuspern wirken starke Kräfte auf die Stimmlippen: Im Brustraum entsteht ein hoher Druck, und mit dieser Wucht trifft die Luft auf die geschlossene Stimmritze, bis sie deren Verschlusskraft überwindet und mit großer Geschwindigkeit hindurchströmt. Das strapaziert die Schleimhaut der Stimmlippen, trocknet sie aus und weckt erneut das Bedürfnis, sich zu räuspern – ein Teufelskreis.  


Das einzige Mittel, ihn zu durchbrechen, besteht darin, den Auslöser zu behandeln. Während einer Erkältung kann vermehrt gebildeter zäher Schleim ein Fremdkörpergefühl erzeugen. Bei Heiserkeit sind die Stimmlippen entzündet und geschwollen. Sekret lagert sich ab, das den lästigen Reiz hervorruft. Schleimlösende und entzündungshemmende Medikamente zum Beispiel mit Efeu oder Eibisch bringen Erleichterung. Ist Asthma die Ursache, hilft nur eine konsequente Therapie.


Auch Polypen auf den Stimmlippen können die Beschwerden verursachen. Die kleinen Wucherungen lassen sich mikrochirurgisch oder per Laser entfernen. Knötchen wiederum bilden sich, wenn die Stimmlippen falsch und zu stark belastet werden. Oft hilft dann eine Therapie bei einem Logopäden.


Beim sogenannten Reinke-Ödem sammelt sich dagegen eine gallertige Masse unter der obersten Schleimhautschicht der Stimmbänder an und beeinträchtigt die Stimme stark. Chronische Reizzustände etwa durch Rauchen gelten als Ursache. Der Arzt kann das Ödem mikrochirurgisch entfernen.


Andere Ursachen des Räusperns liegen außerhalb des Kehlkopfs. So kann Sodbrennen mit häufigem saurem Aufstoßen die Stimmlippen reizen. ACE-Hemmer – Medikamente, die den Blutdruck senken – lösen bei manchem quälenden Räusperzwang aus. Dann hilft meist nur ein Präparatwechsel.


Gelegentlich findet der Arzt keine organische Ursache. Dann liegt ein gewohnheitsmäßiges Räuspern vor, das der Betroffene sich abtrainieren kann. Deeg rät: Sich genau beobachten, denn oft geschieht das Räuspern unbewusst. Jedes Mal, wenn sich der Impuls dazu einstellt, stattdessen schlucken oder – wenn dies schwerfällt –  etwas Wasser trinken.



Maria Haas / Apotheken Umschau; 13.09.2010
Bildnachweis: Your Photo Today/A1PIX GbR/BSIP

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