Punktion: Ablauf, Formen, Risiken

Vom Arzt mit einer Nadel gepiekt zu werden, ist zwar nicht sehr angenehm. Um Krankheiten festzustellen und zu behandeln, sind solche Punktionen aber oft unverzichtbar
von Ulrich Kraft, aktualisiert am 18.08.2017

Die häufigste Punktion ist wohl die Punktion einer Vene zur Blutabnahme

Jupiter Images GmbH/Thinkstock LLC

Was ist eine Punktion?

Der Begriff kommt vom lateinischen punctio – das Stechen. Damit bezeichnen Ärzte ganz allgemein das Einstechen einer Hohlnadel (Kanüle) in den Körper.

Das bekannteste und auch am häufigsten angewendete Beispiel für diese Methode ist die Venenpunktion, mit der sowohl Blut abgenommen als auch ein Medikament in den Blutkreislauf des Patienten gebracht werden kann – per Infusion oder Spritze.

Darüber hinaus punktieren Mediziner aber noch eine ganze Reihe anderer Hohlräume, Organe und Gewebe im menschlichen Körper – von Arterien über Gelenke bis hin zu Schilddrüse und Leber.

Wozu erfolgt eine Punktion?

Punktionen werden einerseits therapeutisch eingesetzt, etwa um Eiter oder andere Flüssigkeiten, die sich – bedingt durch eine Erkrankung – angesammelt haben, zu entfernen.

Aber auch in der Diagnostik sind sie ein wertvolles, aus der modernen Medizin nicht wegzudenkendes Hilfsmittel. So können Ärzte mit einer Punktion Proben von Flüssigkeiten und Geweben aus dem Körperinneren entnehmen, die sie dann im Labor untersuchen lassen.

Zahlreiche Einsatzmöglichkeiten

Die als Biopsie bezeichnete Entnahme von Gewebeproben spielt insbesondere bei Verdacht auf Krebs eine sehr wichtige Rolle. Ein weiteres Einsatzgebiet der Punktion ist die Fortpflanzungsmedizin. Hier benutzen Ärzte die Methode zum Beispiel, um Eizellen für eine künstliche Befruchtung (In-vitro-Fertilisation) zu gewinnen.

Weil bei der Akupunktur ebenfalls Nadeln in ein Körpergewebe eingestochen werden, zählt streng genommen auch diese Methode zu den Punktionen. Allerdings wird der Begriff in diesem Zusammenhang eigentlich nicht benutzt.

Eine häufige Punktion in der Nervenheilkunde ist die Lumbalpunktion

W&B/Martina Ibelherr

Wie wird eine Punktion durchgeführt?

Der Ablauf einer Punktion hängt davon ab, wo und mit welcher Absicht der Arzt sie vornimmt. Beispielsweise müssen vor einer Leberpunktion die Blutgerinnungswerte des Patienten bestimmt werden, weil hier ein vergleichsweise hohes Risiko von Nachblutungen besteht. Gleiches gilt für verschiedene andere Punktionen, vor allem an inneren Organen. Bei einer einfachen Venenpunktion zur Blutprobenentnahme sind hingegen keine Voruntersuchungen notwendig.

In jedem Fall muss der Arzt die Haut an der Stelle, an der er die Punktionskanüle einstechen möchte, zuvor sorgfältig desinfizieren. Bestimmte Punktionen, etwa eines Gelenks, führen die Ärzte sogar nur unter sterilen Bedingungen durch. Damit wollen sie verhindern, dass Krankheitserreger in den Körper gelangen. Ob der Patient eine örtliche Betäubung (Lokalanästhesie) oder sogar eine kurze Narkose bekommt, hängt ebenfalls von der Art der Punktion ab.

Punktionen unter Sichtkontrolle

Gewebe, Organe und Hohlräume nahe der Körperoberfläche sind leichter zu punktieren als tiefere. Liegen sie tiefer im Körperinneren, kann es sehr schwierig sein, die Punktionskanüle sozusagen "freihändig" und ohne Sicht an die richtige Stelle zu schieben. Zumal diese Stelle sehr klein sein kann, etwa wenn aus einem nur wenige Millimeter messenden krebsverdächtigen Knoten in der Schilddrüse eine Gewebeprobe entnommen werden soll. Hinzu kommt, dass auf dem Weg ins Zielgebiet keine anderen Organe oder Blutgefäße verletzt werden sollten.

Um solche schwierigen Punktionen besser zu steuern, nutzen Ärzte bildgebende Verfahren wie die Computertomografie, die Magnetresonanztomografie oder die Sonografie (Ultraschalluntersuchung). Dabei können sie auf einem Monitor beobachten, wo sich die Punktionsnadel gerade befindet und diese dann derart kontrolliert exakt ins gewünschte Ziel bewegen. CT-gesteuerte Punktionen werden zum Beispiel eingesetzt, um Gewebeproben zur Diagnose von Krebserkrankungen zu entnehmen.

Eine spezielle Punktion bei Schwangeren ist die Fruchtwasserpunktion

W&B/Ulrike Möhle/Szczesny

Beispiele für Punktionen

Es gibt in der Medizin eine Vielzahl von Punktionen, die Ärzte zu verschiedenen Zwecken einsetzen. Dazu gehören unter anderem:

•    Periphere Venenpunktion: Für Blutentnahme und Infusionen
Mit einer peripheren Venenpunktion kann der Arzt dem Patienten sowohl Blut abnehmen als auch ein flüssiges Medikament verabreichen – als Injektion oder Infusion.

In der Regel punktiert der Arzt eine Vene am Arm oder am Bein – zumeist die Vena cubitalis, die an der Innenseite des Ellenbogengelenks verläuft. Zuvor staut er die Vene mit einem sogenannten Stauschlauch. Mit dieser Punktionsform kann auch ein so genannter peripherer Venenkatheter angelegt werden, der dann für eine gewisse Zeit in der Vene verbleibt.

•    Arterienpunktion: Zur Blutgasanalyse oder Blutdruckmessung
Arterien führen vom Herzen weg und heißen auch Schlagadern, weil bei ihnen der Pulsschlag tastbar ist. Die Punktion einer Arterie setzen Ärzte gelegentlich ein, um arterielles Blut für eine so genannte Blutgasanalyse zu gewinnen. Alternativ geht das auch aus dem Ohrläppchen, das zuvor mit einer durchblutungsfördernden Salbe eingerieben war. Nach einer arteriellen Punktion mit größeren Nadeln muss die Einstichstelle eine Zeit lang zusammengedrückt werden, um die Blutung zu stillen.

Vor allem schwerkranke Patienten auf der Intensivstation bekommen öfter einen speziellen Arterienverweilkatheter. Er ermöglicht es, den Blutdruck sehr genau zu messen und wiederholt Blut für bestimmte Laboruntersuchungen abzunehmen.

•    Gelenkpunktion: Vor allem bei Gelenkergüssen

Hier führt der Arzt eine Hohlnadel in eine Gelenkhöhle ein. Über die Nadel kann er dann sowohl Medikamente spritzen als auch Flüssigkeit ablassen (beziehungsweise mit einer Spritze absaugen). Letzteres ist vor allem dann notwendig, wenn der Patient einen Gelenkerguss hat. Je nach Ursache kann der Gelenkerguss klar, eitrig oder blutig sein. Eiter tritt zum Beispiel bei Infektionen auf, Blut nach Verletzungen und ein klarer Erguss bei Entzündungen im Rahmen einer Arthrose.

Die Punktion nimmt den Druck vom Gelenk und lindert so die Beschwerden. Die abpunktierte Gelenkflüssigkeit untersucht das Labor anschließend auf mögliche Krankheitsursachen wie zum Beispiel Erreger einer Infektion. Prinzipiell lassen sich alle Gelenke punktieren. Vor allem wird das Verfahren aber an großen Gelenken wie Knie, Hüfte, Schulter oder Ellenbogen durchgeführt.

•    Lumbalpunktion: Nervenwasser aus dem Rückenmarkskanal

Bei einer Lumbalpunktion gewinnt der Arzt das sogenannte Nervenwasser (Liquor), das Gehirn und Rückenmark umhüllt. Dafür sticht er im Bereich der Lendenwirbelsäule eine sehr dünne Hohlnadel in den so genannten Duralsack. Dieser befindet sich im Inneren des knöchernen Wirbelkanals, umschließt das Rückenmark und ist mit Nervenwasser (Liquor) gefüllt. Bei einer diagnostischen Lumbalpunktion zapft der Arzt eine kleine Menge Nervenwasser ab, um es im Labor untersuchen zu lassen.

Darüber hinaus nutzen Mediziner das Verfahren aber auch zur Behandlung: Bei einem sogenannten Normaldruckhydrozephalus produziert der Körper mehr Nervenwasser, als er wieder aufnehmen kann. Dann ist die Ableitung des überschüssigen Nervenwassers eine sinnvolle Maßnahme. Außerdem können Ärzte zur Schmerzstillung bei einem chirurgischen Eingriff oder während einer Geburt auf diesem Weg Medikamente verabreichen.

•    Pleurapunktion: Erleichterung bei Pleuraerguss

Die Pleurahöhle beschreibt den Raum zwischen Rippenfell und Lungenfell. Dort kann sich im Rahmen einiger Erkrankungen Flüssigkeit ansammeln, ein sogenannter Pleuraerguss. Während kleinere Ergüsse unter 500 Millilitern meist ohne Beschwerden verlaufen, führen größere Pleuraergüsse oft zu Atemnot und Hustenreiz. Dann kann der Arzt den Patienten mit einer Pleurapunktion entlasten und ihm schnell Linderung verschaffen.

Außerdem kann die Punktion Flüssigkeit aus der Pleurahöhle gewinnen, um die Bestandteile des Ergusses zu untersuchen. Damit der Arzt den Pleuraerguss orten und mit der Nadel genau treffen kann, führt er die Punktion üblicherweise unter Ultraschallkontrolle durch.

•    Aszitespunktion: Bauchwasser entfernen und untersuchen

Krankhafte Ansammlungen von Flüssigkeit in der Bauchhöhle bezeichnen Mediziner als Aszites. Eine Aszitespunktion dient einerseits dazu, diese Flüssigkeit abzulassen. Andererseits hilft sie dabei, den Ursachen der Bauchwassersucht auf den Grund zu gehen. Um zu verhindern, dass der Darm oder andere Organe verletzt werden, sticht der Arzt die Punktionsnadel unter Sicht ein, das heißt mit Hilfe des Ultraschalls.

•    Diagnostische Punktionen zur Gewebeprobenentnahme
Um eine Krankheit sicher zu diagnostizieren – oder auch, um sie auszuschließen – ist es oft unabdingbar, Gewebeproben aus den entsprechenden Organen im Labor zu untersuchen. Dies gilt insbesondere, wenn der Arzt den Verdacht hat, dass sein Patient an Krebs leidet. Aber auch bei vielen anderen Erkrankungen sind solche Biopsien wichtig.

Eine für den Patienten relativ verträgliche Methode, Gewebeproben zu gewinnen, ist die Feinnadelpunktion. Mit Hilfe einer Spezialspritze und einer sehr dünnen Hohlnadel entnimmt der Arzt dabei Zellen und Gewebe, beispielsweise aus der Schilddrüse (Schilddrüsenpunktion) oder der weiblichen Brust (Brustpunktion).

Auch bei der Stanzbiopsie handelt es sich um eine Punktion. Die Hohlnadel ist allerdings deutlich dicker und wird mit oft hoher Geschwindigkeit in die verdächtige Region "geschossen". Solche Stanzbiopsien setzten Ärzte zum Beispiel bei einer Untersuchung der Vorsteherdrüse bei Verdacht auf Prostatakrebs ein, oder auch bei einer Knochenmarkspunktion (hier ohne hohe Geschwindigkeit).

Fruchtwasserpunktion unter Ultraschallkontrolle: Die Fruchtblase ist dunkel, die Spitze der Punktionsnadel als heller Reflex sichtbar

W&B/Privat

Welche Risiken und Nebenwirkungen können bei Punktionen auftreten?

Über die Gefahren klärt der Arzt seinen Patienten vor der Punktion im allgemeinen ausführlich auf. Es gibt Risiken, die alle Punktionen mit sich bringen können, und spezifische Nebenwirkungen, die nur bei bestimmten Punktionen auftreten.

Spezielle Risiken: Zu letzteren gehören beispielsweise die Kopfschmerzen, unter denen manche Patienten nach einer Lumbalpunktion vorübergehend leiden. Oder aber die Möglichkeit einer Fehlgeburt, die bei einer Fruchtwasserpunktion besteht (normalerweise liegt das Risiko dafür unter einem Prozent).

Infektionen: Ganz generell besteht die Gefahr, dass durch das Einstechen der Nadel Krankheitserreger ins Körperinnere verschleppt werden und dort eine Infektion auslösen. Um das zu verhindern, müssen Ärzte bei Punktionen strenge hygienische Anforderungen beachten.

Verletzungen: Darüber hinaus kann es passieren, dass die Punktionsnadel beim Vorschieben versehentlich Organe oder Blutgefäße verletzt. Dies gilt insbesondere, wenn das Ziel tief im Körperinneren liegt. Zu den möglichen Folgen gehören dann Blutungen und Blutergüsse, eine Bauchfellentzündung oder auch, wenn die Lunge verletzt wird, ein so genannter Pneumothorax. Um dieses Risiko zu minimieren, werden "schwierige" Punktionen heute in der Regel mittels Ultraschall oder Computertomografie kontrolliert.

Ganz allgemein gilt, dass das Risiko von Nebenwirkungen mit dem Nadeldurchmesser ansteigt. Unter einem Millimeter Durchmesser der Nadel ist das Risiko sehr gering.

W&B/Privat

Beratender Experte: Professor Dr. med. Heinz Dieter Köhler ist Internist mit Schwerpunkt Lungen- und Bronchialheilkunde. Im November 1985 habilitierte er sich an der Universität Freiburg, wo er 1992 außerplanmäßiger Professor wurde. Im Dezember 1994 erfolgte die Umhabilitation an die Philipps-Universität Marburg. Seit Juli 2013 befindet er sich im Ruhestand.

Professor Köhler ist Mitglied zahlreicher Fachgesellschaften und Inhaber von elf Patenten im Bereich der angewandten Medizin. 2005 bis 2007 war er Präsident der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie. Seit 1986 ist er zudem als Sachverständiger für das Bundesgesundheitsamt tätig.

Quellen:

1. Anforderungen an die Hygiene bei Punktionen und Injektionen. Empfehlungen der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention beim Robert Koch-Institut. In: Bundesgesundheitsblatt 2011, 54: 135-144

2. Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie: Diagnostische Liquorpunktion. Letzte Überarbeitung 09/2009. Online: www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/029-041l_S1_Hygienemassnahmen_bei_Liquorpunktionen_Liquorableitungen_Injektionen_am_ZNS_01.pdf (Abgerufen am 17.8.2017)

3. Striebel HW: Anästhesie – Intensivmedizin – Notfallmedizin: Für Studium und Ausbildung, 8. Auflage, Stuttgart Schattauer Verlag 2012


Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.



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